Madame Etoile

«Mit ‹Gschpürschmi› hat das nichts zu tun»

Astrologin Monica Kissling (53) - alias Madame Etoile.

Astrologin Monica Kissling (53) - alias Madame Etoile.

Monica Kissling spricht im Interview mit der az über ihr neues Buch «Madame Etoile, wie werde ich glücklich?».

Madame Etoile, setzen Sie sich eigentlich jeden Morgen hin und lesen in den Sternen, was Ihnen der Tag bringt?

Monica Kissling:Ich bin ja in einer unnatürlichen Situation – ich muss berufshalber immer wissen, wie die Sterne stehen. Aber es wäre mir viel zu anstrengend, jeden Morgen intensiv meine Sterne zu studieren. Und die Zukunft voraussagen kann ich ja nicht. Ich gehe spontan durchs Leben.

Mir als Löwen raten Sie diese Woche, beruflich etwas zu wagen. Muss ich etwa meinen Job kündigen?

Kissling: Das wäre jetzt ein bisschen übertrieben. Aber wir haben starke Konstellationen im Schützen, der viel mit Weiterbildung zu tun hat. Schauen Sie, was Sie optimieren können, was Sie aus der bestehenden Situation herausholen können. Das gilt übrigens für alle Sternzeichen während der aktuellen Konstellation.

Sie erstellen individuelle Analysen und Kurzhoroskope. Ist das nicht ein Widerspruch?

Kissling: Unterhaltung ist doch nicht verboten – man muss sie nur als solche deklarieren. Und: Horoskope sind ein Bedürfnis. Für mich ist es schlimmer, wenn sich irgendjemand irgendetwas aus den Fingern saugt oder gar ein Computer per Zufallsgenerator ein Horoskop «schreibt». Ich bringe Qualität hinein, weil ich aktuelle Sternenkonstellationen berücksichtige. Aber es sind auch bei mir nur Pauschalprognosen und Trends – mehr lassen Kurzhoroskope nicht zu.

Weshalb soll man denn Ihr Buch lesen? Es ist allgemein gehalten.

Kissling: Ich habe dieses Buch geschrieben, um zu zeigen, was Astrologie kann und was sie nicht kann. Und wo sie heute steht – viele stellen sich vor, dass ich wie im Mittelalter arbeite, mit Kristallkugel und weiss der Güggel was. Das ist natürlich Blödsinn.

Sie haben also keine übersinnliche Fähigkeiten?

Kissling: Überhaupt nicht, Astrologie ist eine Wissenschaft wie Psychologie oder Medizin. Mathematische Fähigkeiten sind von Vorteil. Horoskope deuten ist ein komplexer analytischer Prozess. Mit «Gschpürschmi» hat das gar nichts zu tun.

Wer lässt sich von Ihnen beraten?

Kissling: Normale Menschen. Ausserordentlich viele obere Kader, also verantwortungsbewusste und bodenständige Leute.

Sie schreiben, dass etwa Kaiserschnitte das Schicksal beeinflussen – weil ein Geburtshoroskop dann anders aussieht.

Kissling: Das war mehr ein Gedankenanstoss, ich weiss nicht, ob es ein Eingriff ins Schicksal ist. Im Geburtshoroskop sieht man Lebenspläne. Kaiserschnitte und eingeleitete Geburten verändern die Gesellschaft deshalb schon: Es kommen mehr Kinder während des Tages auf die Welt – wegen der Arbeitszeiten im Spital. Nun steht der Tagbereich – die Sonne steht über dem Horizont im Horoskop – symbolisch für die Orientierung nach aussen. Eine Gesellschaft mit mehr Taggeburten richtet sich mehr nach aussen, Menschen haben weniger starken Zugang zu ihren Instinkten, Gefühlen und Bedürfnissen.

Wir könnten trotzdem alle richtig glücklich sein, wie Sie mit dem Titel Ihres Buches implizieren. Wie geht das?

Kissling: Ich habe keine Pauschalantwort. Das Horoskop eines jeden Menschen zeigt aber auf, wie er glücklich sein könnte. Und zwar, indem er zur Entfaltung bringt, was schon angelegt ist. Unglücklich macht, wenn man etwas versucht, das nicht zu einem passt.

Monica Kissling Madame Etoile, wie werde ich glücklich? Wörterseh, Gockhausen 2010. 203S., Fr.39.90.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1