Wenn gute Freundinnen ihre Köpfe zusammenstrecken, bleibt kaum ein Thema aussen vor: Kummer nicht, Schnäppchen, Freuden, Ärger, Frust, Träume und – natürlich – Männer mitsamt Sex nicht. Die Musikerin und Schauspielerin Sybille Aeberli und die Schriftstellerin Milena Moser sind beste Freundinnen. Vor 15 Jahren hatten sie – beim Drink in einer Hafenbar in San Francisco – beschlossen, zusammen ein abendfüllendes Programm auf die Bühne zu bringen. 2011 waren «Die Unvollendeten» geboren und feierten auf Kleinkunstbühnen grosse Erfolge.

Das animierte zur Fortsetzung. Et voilà: «Die Unvollendeten verändern sich» ist da, und Sybille und Milena geben tiefe Einblicke in ihre Wunschwelten. Diese sind zweifelsohne weitgehend identisch mit den heimlichen und unheimlichen Träumen des – aus nachvollziehbaren Gründen – vorwiegend weiblichen Publikums. So teilt man (respektive frau) die Sehnsüchte der «Unvollendeten», steckt mit ihnen Enttäuschungen weg, wünscht sich dasselbe oder Ähnliches, badet in Energieschüben und taucht ab in Resignation. Und tröstet sich zu guter Letzt mit der Erkenntnis, dass es uns Frauen doch allen mehr oder weniger gleich geht.

Ausbrechen und Aufbrechen

Das tut doch immer wieder aufs Neue gut. Umso mehr, als Sybille und Milena zumindest auf der Bühne mit Volldampf tun, oder wenigstens zu tun versuchen, was viele Frauen tun wollen und nur wenige wirklich tun: ausbrechen und aufbrechen zu neuen Ufern.

Sybille will ihren Traum von einem Studium – Ökonomie, Musikpädagogik, Quantenphysik – realisieren; Milena die grosse, romantische Liebe leben. Was als klares Ziel erscheint, entpuppt sich bei den «Unvollendeten» als weites Tummelfeld: Wie viele bunte Smarties lassen Aeberli und Moser Träume über die Bühne kugeln, wo sie allerdings immer wieder auf dem harten Boden der Realität landen. Sybille und Milena tun dies diskutierend, singend und auch ein bisschen tanzend. Die Themen, die angeschnitten werden, sind vielfältig. Jene, die auf persönlicher Erfahrung gründen, gefallen textlich durch Witz und Ironie. Andere Sequenzen hingegen wirken etwas an den Haaren herbeigezogen und bemüht originell.

Sprühend versus «gschtablig»

Die beiden Frauen agieren sehr unterschiedlich. Aeberli reisst musikalisch und darstellerisch als vielseitig sprühendes Energiebündel mit. Sie hat eine tolle Bühnenpräsenz, setzt Pointen mit der nötigen Selbstverständlichkeit. Moser hingegen wirkt mit ihren eindimensionalen Ausdrucksmöglichkeiten, der fehlenden Mimik und stereotypen Gestik auf einer Bühne fehl am Platz. Ob ihr an dem Abend zweifach abgegebenes Bekenntnis «ich bi halt e Gschtabligi» direkt auf Mosers Mist gewachsen ist, oder ob Regisseurin Meret Matter es ihr in den Mund gelegt hat, sei dahingestellt. Jedenfalls trifft es den Nagel auf den Kopf.

So bietet «Die Unvollendeten verändern sich» einen Abend zum Schmunzeln, manchmal gar zum Lachen, zwischendurch aber auch ein bisschen zum Gähnen. Kurzum – einen ganz netten Abend, mehr nicht.

Theater Tuchlaube: 1. März; Theater
am Hechtplatz Zürich:
3. und 17. März,
7. April, 5. und 19. Mai.