Büren
Melodiöse Stilwanderung für Jazzfreaks

Auch nach 25 Jahren bleibt der Burgacker ob Büren der Zauberberg, auf den die Freaks des Old Time Jazz geradezu pilgern. Für das eintägige Open Air, heuer sozusagen ein «Fredy Stotzer Memorial», wurden zwei Top-Formationen engagiert; die Berner Firehouse Hot Seven und die junge Band DixieOnAir aus dem Raum Biel.

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Jazz

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Grenchner Tagblatt

Kaspar Haupt

Was für eine hochkarätige musikalische Show! Und welch stilvolles
Ambiente auf Bürens Zauberberg! Gleich zu Beginn zündeten die in roten Hemden auftretenden Musiker der Firehouse Hot Seven aus Bern die Lunte; nicht für einen Urknall, aber für ein unterhaltendes Furioso mit Jazzklängen vom Feinsten. Allerdings brauchte das Publikum in der Freilichtarena auf dem Burgacker den in jeder Beziehung heissen Auftritt, um überhaupt in der von Stunde zu Stunde empfindlich kühler werdenden Nacht auszuharren. Das jazzige Schlussfeuerwerk, eine Jamsession, fand nämlich erst nach Mitternacht statt.

Grau meliert, aber feurig

Fast nonstop spielten sich die grau melierten Herren der Firehouse Hot Seven in die Herzen der Zuhörenden. Bei dieser Swiss Dixieland Jazzband dominierte der polyfone Aspekt mit den Trias der Frontline Trombone, Trompete und Tenorsax oder Klarinette. Natürlich wartete die Band mit ihren Standardstücken auf, wie etwa zu Beginn mit ihrem legendären «Firechief-Rag» oder «Brass Bell». Formschön interpretierten sie die Mutter aller Jazzklänge, den Blues, mit Nummern wie «A Sailboat in the Moonlight».

Die Firehouse Hot Seven Dixieband, die am Old-Time-Jazz-Open-Air in Büren Premiere hatte, ist die konsequente Fortsetzung der bekannten Firehouse Revival Dixieband, die seit 1987 in Europa und Amerika Erfolge feierte. Ehemalige Mitglieder dieser Band und der BaJAZZos Dixieland Factory haben sich nach einigen Jahren «ohne Musik» zusammengefunden und pflegen den typischen Sound der Firehouse plus Two aus Kalifornien. Am Samstag in Büren spielte die Band in folgender Besetzung: Jan Hauke Strebel (Trombone), Josef Nagy (Trompete), Henry Bodmer (Sopransax), Hans Bächtold (Banjo), Simon Inäbnit (Piano), Ivo Maynard (Tuba) und Hans Kilchenmann (Drums).

Frische Spontaneität

Die DixieOnAir aus Biel sind zwar musikalische Seelenverwandte mit der Firehouse-Band, allerdings bedeutet einen formidablen Dixie zu spielen nicht zwangsläufig grauhaarig zu sein. DixieOnAir sind junge, dynamische, zweisprachige Musiker, die die Tradition des Old Time Jazz zwar hochhalten, gleichzeitig aber mit ihrer Spontaneität überzeugen. Die Band hat bis heute ihr Versprechen gehalten und spielt als reine Marchingband immer noch ohne Verstärker und andere technische Unterstützung. Mit ihrer jazzigen Frische und solistischen Improvisationsbereitschaft ist das Musizieren mehr als eine Passion. So wie DixieOnAir den Jazz und vor allem den Dixie interpretieren, so hat man das Gefühl, diese alte Musik lebe wieder neu auf: Spritzig und mit allen Freiheiten der Improvisation erzeugt die Band eine Klangwelt, die auch jüngere Generationen anspricht.

25. Jazz-Open-Air - erstmals ohne Fredy Stotzer

Das Organisationskomitee des 25. Bürener Old-Time-Jazz-Open-Airs unter Rolf Wälti bewies, dass in Büren Idealisten zu Hause sind, die alles daran setzen, das Werk des Open-Air-Gründervaters Fredy Stotzer weiterzuführen. Dieser ist vor knapp einem Jahr verstorben und hat den Jazz-Event weit über die Grenzen des Seelands hinaus bekannt gemacht.

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