Comedy
Marco Rima hustet sich durch sein neues Programm

Der Komiker Marco Rima ist nach einer Auszeit auf die Bühne zurückgekehrt. In Aarau hat der 53-Jährige sein neues Programm «Humor Sapiens» vorgestellt, das die Zuschauer durch mehrere Jahrhunderte führt. Dies, trotz Erkältung.

Tirza Gautschi
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Marco Rima mit seinem neuen Programm «Humor Sapiens»
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Marco Rima mit seinem neuen Programm «Humor Sapiens»
Marco Rima mit seinem neuen Programm «Humor Sapiens»
Marco Rima mit seinem neuen Programm «Humor Sapiens»
Marco Rima mit seinem neuen Programm «Humor Sapiens»
Marco Rima mit seinem neuen Programm «Humor Sapiens»
Marco Rima mit seinem neuen Programm «Humor Sapiens»

Marco Rima mit seinem neuen Programm «Humor Sapiens»

marcorima.ch

Die Zuschauer jubeln und auch Marco Rima scheint sichtlich erleichtert: endlich wieder Bühnenparkett unter den Füssen! «Humor Sapiens» lautet das neue Programm des 53-Jährigen und damit meint er natürlich sich selbst: «Der erste Komiker, der aufrecht gehen kann.»

Doch von aufrecht gehen war keine Rede. Rima hüpfte, tanzte, stelzte und trippelte über die Bühne und war trotz einer «mörderischen Erkältung» in Aarau nicht mehr zu halten. «Es ist eine Show, die ich gerne spiele. Ich kann sehr ungeschminkt auftreten und mich selbst sein. Es freut mich diebisch, dass sich die Leute über meine Unzulänglichkeiten so amüsieren können», sagt Rima nach der Show.

Humor als Form der Verarbeitung

Die Tour steht unter dem Zeichen «30 Jahre Marco Rima» sowie der Frage, wie alles angefangen hat. Rima beginnt mit der Erklärung ganz von vorne und moderiert die Zuschauer durch mehrere Jahrhunderte - von den Neandertalern bis in die 80er. Dabei stellt der Komiker für allemal klar, dass er weder dick: «Ich bin horizontal herausgefordert» noch versaut «nur moralisch flexibler» ist. Auch wenn seine Witze knapp an der Gürtellinie vorbeischrammen, kann Rima nicht über alles lachen. «Dass selbst der grösste Schrecken mit schwarzem Humor vermischt wird, ist für mich vor allem eine Form der Verarbeitung.»

Nach 30 Jahren im Geschäft hat sich auch Rimas Humor gewandelt. «Ich bin weniger ängstlich und ehrlicher zu mir selbst. Das hat mich kompromissloser gemacht», sagt der in Winterthur geborene Komiker. «Ich fühle mich freier und deshalb ist auch mein Humor freier geworden.» Wieso Rima so gut bei den Zuschauern ankommt, ist für ihn klar: «Ich bin ein unglaublich durchschnittlicher Mensch.» Doch gerade dieser Umstand gebe ein gutes Gesamtpaket. «Ich kann nämlich ganz vieles durchschnittlich gut. Darum habe ich auch ein grosses Selbstbewusstsein.» Diese Überzeugung war besonders in den Anfängen immer wichtig gewesen, denn Kritiker hat es genug geben. Vor einem Jahr nahm Rima dann eine längere Auszeit. «Ich hatte keine Lust mehr und mir war klar: Wenn ich so weitermache, gehe ich nur noch einem Job nach und nicht mehr meiner Berufung.»

Am Mittwoch war von dieser Lethargie jedoch nichts mehr zu spüren. Trotz Husten und Mundspray sang er sich mit Unterstützung der dreiköpfigen Band durch den Abend. Über Frauen und Männer, Clubbesuche und die Reinkarnation seiner Schwiegermutter - Rima wusste viel zu erzählen. «Aus der Auszeit habe ich neben einer riesigen Spielfreude leider auch eine Erkältung mitgebracht», sagt Rima am Ende des Abends. Und so reichte die Stimme dann doch nicht mehr für eine Zugabe.

Wünschen und nicht wollen

Der Vater von vier Kindern hat durch eigenen Nachwuchs eine grosse Entwicklung gemacht. «Sie widerspiegeln einen ein Stück weit selbst. Es gibt wahrscheinlich nichts, was ich mehr liebe als meine Kinder», sagt Rima. Eingepackt in eine Jacke sitzt der Komiker am Tisch und wirkt auf einmal sehr nachdenklich. «Der Gedanke, dass ihnen etwas passieren könnte, ist für mich eine existenzielle Bedrohung, die ich auch jetzt gerade wieder versuche zu verdrängen. Humor hilft dann manchmal, um solche Ängste zu verarbeiten.»

In Zukunft will Rima den Moment mehr geniessen und gelassener werden. Sein Ziel: «Das Wort ‹wollen› etwas verbannen und sich mehr ‹wünschen›.»

Das Zelt Aarau, Sa, 20. Oktober, 20.15 Uhr. Die Tour von Marco Rima führt über Basel, Biel und Baden und dauert bis zum 23. Dezember. www.marcorima.ch

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