as um Himmels willen haben die Textilkünstlerin Lisa Stauffer (1931–2009) und der Fotograf/Konzeptkünstler Lorenz Olivier Schmid (*1982) miteinander zu tun?. Warum soll man ausgerechnet die beiden gemeinsam ausstellen? 50 Jahre Altersunterschied, Weberin die eine, multimedial arbeitend der andere. Sie der Geometrie zugeneigt, er mit einem Flair für Pflanzliches.

Die Erklärung ist so simpel wie einleuchtend: Die beiden teilten sich in der Papiermühle Küttigen einst das Atelier. Und Lorenz Schmid hat Arbeiten für das Kunsthaus Zofingen konzipiert, in denen er nicht formal, aber räumlich und so handfest wie geheimnisvoll Bezüge zu Lisa Stauffers Wandteppichen herstellt.

Weben an der Schönheit

Doch zuerst einmal dürfen wir uns im Erdgeschoss des Alten Schützenhauses an der glänzenden, geometrischen Webkunst von Lisa Stauffer sattsehen. «Schwarzes Licht» und «Weisses Licht» zeigen formal reduziert, worum es der Künstlerin ging: Um das Ausloten der Möglichkeiten auf dem Webstuhl und um die Schönheit der Geometrie. Aber es ging ihr immer auch darum, die Horizontal-Vertikal-Raster des Webstuhles zu überlisten, um ihre Vorstellungen von exakter Form und freier Interpretation in ausdrucksstarke Muster zu verwandeln. Diagonalen bilden beim erwähnten Bildpaar regelmässige Rautenmuster, hell und dunkel wechseln sich ab, doch in die Binnenflächen hat die Künstlerin immer wieder gewollt einzelne «Fehler» – Störfaktoren gegen die langweilige Perfektion – eingewoben.

Bei anderen Arbeiten zweifeln wir – je nach Blickwinkel und Lichteinfall –, ob sie denn tatsächlich flach sind oder doch nicht dreidimensionale Nischen, Treppen oder Rippen herausgearbeitet sind. In Kleinstformaten hat Lisa Stauffer Muster und Wirkungen direkt am Webstuhl erprobt. Weil Zeichnungen den Effekt der textilen Arbeiten nie wirklich imitieren können. Kette und Schuss, das Volumen des Fadens sowie Glanz und Reflektionsfähigkeit der Kunstseide, die Lisa Stauffer seit den 1970ern verwendete, haben ihre eigene Gesetzmässigkeit. Die dem Material innewohnende Schönheit, Klarheit und Strahlkraft war mit ein Grund, warum Stauffer vom Zeichnen zum Weben und nach ersten Versuchen mit Wolle zur Kunstseide wechselte. In jahrelanger Feinarbeit perfektionierte sie ihre Muster und Effekte stetig.

Über die Generationengrenze

Drei Gründe haben Kuratorin Claudia Waldner bewogen, Lisa Stauffer auszustellen. Erstens hat die Künstlerin von 1975–1987 in Zofingen gelebt, sie gehörte gar zu den Mitbegründern des Vereins Kunst im Alten Schützenhaus. Zweitens könnte die Künstlerin am 14. Januar ihren 85. Geburtstag feiern und drittens heisst Waldners Motto für 2016 Zeiten und Generationen.

Der 33-jährige Lorenz Olivier Schmid kam also quasi als Juniorpartner dazu. Er gibt sich äusserst zurückhaltend. Sowohl bei den Eingriffen im prächtigen Festsaal wie auch bei der Wirkung der einzelnen Arbeiten. Er zeigt lediglich neun kleine graue Tischchen im Saal, darauf scheinbar fast leere, weisse Bilder hinter Glas. Doch da gibt es Kartonzylinder, die man als Sehrohre verwenden kann, und so tauchen Schmetterlinge, Pflanzen, Spitzendecken wie von magischer Hand gesteuert aus dem Nichts auf. «Es ist der Staub, den Pflanzen, Schmetterlinge oder auch Stauffers Textilien während Jahrzehnten auf dem Glas hinterlassen haben», erklärt Schmid. Spuren der Zeit. Von gefundenen Schmetterlings- oder Pflanzensammlerkästen hat er die Objekte entfernt, ihren Staub fasst der Künstler als «Hinterglasmalerei» auf. Und wir staunen, welche Schönheit Objekte und die Zeit hervorbringen können und dass einer das, was wir beim Umrahmen als Schmutz empfinden und im Normalfall säuberlich wegputzen, als neues Bild zu erkennen und vermitteln vermag.

Tüfteln oder aus dem Material neue Formen herauskitzeln scheint also keine Frage der Generationen zu sein. Es hat mit der Haltung der beiden Kunstschaffenden zu tun. Ob sie dafür ihre geteilte, genauer ihre gemeinsame Atelierzeit befruchtet hat? Es habe, so Schmid, auf jeden Fall spannende Diskussionen gegeben.

Geteilter Raum – Lisa Stauffer/Lorenz Schmid Kunsthaus Zofingen (Altes Schützenhaus), 16. Januar bis 28. Februar. Vernissage: 16. Januar, 17 Uhr.