Buch Basel
Literatur, Gespräche, Analysen statt unartikulierte Wut und Hasstiraden

Heute wird das internationale Literaturfestival eröffnet, am Sonntag dann der Schweizer Buchpreis verliehen.

Christoph Dieffenbacher
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Buch Basel
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Sofalesung
Lesung für Kinder

Buch Basel

Ben Köchlin

Schreiben und Lesen sind stille Geschäfte: Die Autorin, der Autor zieht sich zur konzentrierten Arbeit zurück, um die richtigen Worte zu finden, damit die Sätze ins Fliessen kommen. Wer später das gedruckte Buch liest, braucht ebenfalls Ruhe und Konzentration. Ganz anders ein Literaturfestival wie die Buch Basel: Da kommt ein grosses Publikum angereist – über 7000 waren es in den letzten Jahren – um die Literaturstars an Lesungen live zu sehen, mitzudiskutieren, Poetry Slam und Jazz zu hören – und Bücher zu kaufen.

Knapp 100 Veranstaltungen

Zwei Tage vor der Eröffnung ist es allerdings noch ruhig im kleinen Büro von Festivalleiterin Katrin Eckert, die wir zum Gespräch treffen. Sie hat mit ihrem Team dieses Jahr knapp 100 Veranstaltungen zusammengestellt, verstreut über die ganze Stadt. Höhepunkt ist am Sonntagvormittag im Theater Basel die Verleihung des Schweizer Buchpreises, für die Martina Clavadetscher, Urs Faes, Lukas Holliger, Jonas Lüscher und Julia Weber nominiert sind.

Nach wechselhaften Anfängen gibt es die Buch Basel mit dem jetzigen Konzept seit fünf Jahren. Eckert ist seit sieben Jahren für die Programmierung verantwortlich. Ständig experimentiert und erweitert sie den Rahmen, stellt mit neuen Formaten unbekannte Autoren und Autorinnen vor und möchte immer wieder ein junges Publikum für Literatur interessieren – mit Veranstaltungen wie Lyrik-Happenings, Textinszenierungen oder Sofalesungen.

Welche Lesungen, welche Events sind dieses Jahr die persönlichen Highlights der Festivalleiterin? «Besonders freut es mich, dass der grosse ungarische Erzähler Péter Nádas bei uns lesen wird», antwortet sie. Der 75-Jährige wird derzeit für sein monumentales Erinnerungswerk «Aufleuchtende Details», in dem er die Geschichte seiner Familie mit jener Europas verknüpft, hoch gelobt.

Ebenso empfiehlt Eckert den griechischen Krimiautor Petros Markaris und den hier kaum bekannten Briten David Constantine mit seinen kraftvollen Short Stories. Denn: «Neben den grossen Namen versuchen wir immer auch Autoren zu holen, die nicht im Rampenlicht stehen, die wir aber super finden», sagt die Leiterin.

Schwerpunktthema: «Unerhört!»

«Unerhört!», das diesjährige Schwerpunktthema des Festivals, lässt sich unterschiedlich deuten – gemeint ist damit der Ausruf von Wutbürgern und Populisten ebenso wie der Widerstand gegen demokratieverachtende Entwicklungen. «Der unartikulierten Wut und den Hasstiraden stellen wir Literatur, Gespräche, Analysen entgegen», schreiben die Veranstalter. Und damit auch, wie sich ergänzen liesse: Begegnungen, Zuhören, Reflexion.

Bereits an ihrem ersten Literaturfestival, erzählt Eckert, habe sie im Publikum neben sehr viel Neugierde und Offenheit auch ein grosses Bedürfnis nach politischen Diskussionen festgestellt.
Dazu passt die Diskussion mit dem Basler Soziologen Oliver Nachtwey («Die Abstiegsgesellschaft») oder das Gespräch mit dem indisch-britischen Schriftsteller Pankaj Mishra über seinen Bestseller-Essay «Das Zeitalter des Zorns», der den historischen Wurzeln des Hasses nachgeht.

Aber auch der Auftritt von Lizzie Doron, die Gespräche mit palästinensischen Ex-Terroristen und israelischen Dienstverweigerern geführt hat («Sweet Occupation»). Und nicht zuletzt werden an der Buch Basel auch Texte von Sans-Papiers vorgelesen – literarische Äusserungen, die sonst kaum Gehör finden.

Buch Basel, 10.-12. November. Div. Orte. Das Programm finden Sie online: www.buchbasel.ch

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