Literatur fürs grosse Publikum

Das vierte bequeme Literaturfestival «Satz & Sofa» am Samstag im Einrichtungscenter Pfister in Suhr brachte einen neuen Besucherrekord. Dies stellte der Zentrumsleiter Ralph Hasler in seiner Begrüssung fest.

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Aargauer Zeitung

Heinz Bürki

Zur Lesung eingeladen waren fünf Autoren. Für das literarische Programm zeichnete Andreas Neeser, Schriftsteller und Leiter Literatur und Sprache im Müllerhaus Lenzburg, verantwortlich. Mit kurzen, prägnanten Einführungen machte er dem Publikum die Autoren bekannt. Musikalisch begleitet wurde die Lesung von der Jazzsängerin Renata Friederich, Aarau, und dem Gitarristen Felix Utzinger.

Aus dem Leben gegriffen

Lea Gottheil (1975), Schriftstellerin und Buchhändlerin, Zürich, las ein Kapitel aus ihrem Buch «Sommervogel». Darin erzählt sie bildhaft und mit ungekünstelten Satzkonstruktionen den Besuch von drei Geschwistern bei ihrer alten Mutter im Zürcher Oberland. Was sich da alles abspielt, ist schlicht aus dem Leben gegriffen.

Isabella Huser (1958), Autorin und Übersetzerin, Zürich, präsentierte Ausschnitte aus ihrem jüngsten Roman «Das Benefizium des Ettore Carnelli». Dieser führt in die Vergangenheit.

Beschrieben werden mit viel Feingefühl unter anderem Fragmente aus dem Leben eines Menschen nach Kriegsende, die Heimkehr eines Mannes in sein Heimatdorf oder der Gang über einen Friedhof, verbunden mit einer Entdeckung auf einem Grabstein. Für den literarischen Höhepunkt des Abends sorgte Walle Sayer (1960) aus Horb-Dettingen (D) mit Kostproben aus seinem Buch «Kerngehäuse. Eine Innenansicht des Wesentlichen». (Das Buch wurde am Samstag, 2. Mai, im «Foyer» der AZ besprochen.)

Unterhaltung mit Anaconda

Bei zwei Lesungen gab es viel zu lachen. Für Endo Anaconda (Jahrgang 1955), der Musiker, Kolumnist und Autor aus Bern und Gründer der Gruppe «Stiller Has», gibt es als Erzähler keine Tabus. Er schiebt nicht nur die katholische Kirche, die Österreicher, Barack Obama, sondern auch Leute aus seinem Umfeld und sich selbst auf die Rolle. Eine markige Sprache, viel Witz und eine unbeschreibliche Fantasie beim Anstellen von Vergleichen sind seine Markenzeichen.

Simon Libsig (1977), der Autor, Slam Poet und Radiokolumnist aus Baden, trug einen Teil seiner Mundarttexte mit köstlichen Reimen («Erinnerungen an ein Sofa», «Dasch s'Heidi») auswendig vor. Die dramatische Geschichte von einem misslungenen Besuch eines Konzertes der Gruppe «Tote Hose» las er hingegen vor. Alles war Sprachcomedy auf hohem Niveau, wie Andreas Neeser angekündigt hatte.

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