Nikolaus Habjan? Nie gehört. Bis 2012. Da stand ein junger Mann im Ärztekittel auf der Bühne des ThiK und pflegte mit seinem Patienten ein Gespräch, das wohl viele selbst mit diesem hätten führen wollen. «Becoming Peter Pan» hiess die Produktion, die ein Epilog auf Michael Jackson war. Das Figura Theaterfestival hatte abermals eine Begegnung ermöglicht, die noch heute im Gedächtnis der Schreibenden sitzt.

Damals dachte sie: Wie kann ein auf 20 Jahre geschätzter Mann eine Klappmaulpuppe nicht nur in den typischen Bewegungen, sondern auch stimmlich derart souverän als Michael Jackson erstehen lassen?

Nicht grübeln; der heute 26-jährige Österreicher Nikolaus Habjan ist ein genuiner Theatermann, der bereits mit 15 Jahren Erfahrungen mit dem Puppentheater gesammelt hat. Die Vergangenheit mag noch so aufregend sein, die Gegenwart interessiert – und damit «F. Zawrel – erbbiologisch und sozial minderwertig». Habjan wagt sich da an einen belastenden und heiklen Stoff. Das auf wahren Begebenheiten basierende Stück führt ein Opfer (Friedrich Zawrel) und einen Täter (Heinrich Gross) zusammen.

Der junge Nazi-Arzt Gross hat grausame Kinder-Experimente durchgeführt. Hunderte sind gestorben; Zawrel konnte knapp entkommen. Lässt sich blankes Entsetzen mit Puppen spielen? Habjan: «Ein Schauspieler auf der Bühne ist an seine Ausdrucksmöglichkeiten gebunden – eine Puppe nicht.» Sie kann alles, vorausgesetzt, es steht einer hinter ihr wie Nikolaus Habjan.

Baden Theater im Kornhaus,
Fr 27. Juni 20.30 Uhr.

OSTERFESTIVAL TIROL 2013 | Nikolaus Habjan - F. ZAWREL