Zensur

Kunstzensur in Frankreich aus Angst vor Protesten

Das Institut der arabischen Welt in Paris (Archiv)

Das Institut der arabischen Welt in Paris (Archiv)

Aus Angst vor dem Zorn islamischer Bürger wird in Frankreich Kunst zensiert. Die Videoinstallation des marokkanischen Künstlers Mounir, die den Autor Salman Rushdie schlafend mit einer tickenden Uhr im Hintergrund zeigt, hätte ab nächster Woche im Pariser Institut der arabischen Welt (IMA) ausgestellt werden sollen.

Nun zog die Institutsleitung das Werk mit dem Titel "Sleep" zurück, wie die Zeitung "Le Figaro" in ihrer Online-Ausgabe berichtete. Das Klima nach dem anti-islamischen Film "Unschuld der Muslime" sei der Grund für die Entscheidung des Instituts gewesen, wie der 42-jährige Künstler der Zeitung erklärte.

Das Kunst- und Kulturzentrum IMA wird von mehr als 20 arabischen Ländern und vom französischen Staat finanziert. Mit dem Film wollte der Künstler gegen das Schweigen der arabischen Intellektuellen nach der Fatwa gegen den britisch-indischen Schriftsteller protestieren, auf dessen Kopf der iranischer Revolutionsführer Ajatollah Khomeini 1989 eine Million Dollar ausgesetzt hatte.

Erst vor knapp einer Woche musste der in Paris und Los Angeles lebende Künstler auf dem Kulturfestival "Le Printemps de Septembre" in der südfranzösischen Stadt Toulouse seine Installation "Technologica" abbrechen.

Das Werk vereint arabische Kalligraphien mit Marcel Duchamps optischen Rotoreliefs. Muslime protestierten, weil eine Passantin über die auf den Boden projizierten Koranverse lief. "Was mich am meisten verunsichert ist, dass das in Frankreich passiert und nicht im Maghreb oder in Saudi-Arabien", sagte der Künstler.

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