«Wo ist der Rhein so natürlich und so facettenreich wie an dieser Stelle? Dieser Ort wird geprägt von der Flusslandschaft und von der Industrie, von der Altstadt des schweizerischen Rheinfelden, von Ruhe und Bewegung.»

Klaus Eberhardts Hymnus auf die Rheinliebe erklingt mit Nachhall in den ehemaligen Werkstätten des 2011 abgerissenen Kraftwerks von badisch Rheinfelden. Der Oberbürgermeister eröffnet damit die Vernissage zur Ausstellung «mixer – Kunst im Werk». Aus dem Spannungsfeld von Natur, Industrie und Besiedelung, führt Eberhardt weiter aus, baue sich jetzt am Rheinufer-Rundweg beider Rheinfelden eine Kunstlandschaft auf. Die Schlüssel zu den Werkstätten verwaltet die Chemiefirma Evonik. Als Sponsoren fungieren die Sparkasse Lörrach-Rheinfelden, die Stadt Rheinfelden sowie die Kantone Baselland und Basel-Stadt.

Acht Kunstschaffende aus dem badischen Raum und aus Basel stellen in fünf Industrieräumen ihre Werke aus, die sie mit Bezugnahme auf den Ort ausgewählt oder extra für diesen Ort produziert haben. Laut der Kuratorin Eva Bächtold symbolisiert der Mixer die mittels Turbinen übersetzte Kraft des Wassers und die Transformationskraft der Kunst. Vermischt – oder vielmehr gemixt – werden aber auch die unterschiedlichen Zugänge, Materialien und Arbeitsweisen der Künstler.

Zäune zerschneiden

Ruth Loibl, Initiatorin des Projektes (siehe Box), nimmt in grossflächigen Ornamenten Bezug auf die alte Weisheit, dass man nie zweimal in denselben Fluss steigen kann. Birgit Krüger und Eric Schmutz, alias Copa & Sordes, demonstrieren in Video-Stills den Fluss der Zeit – etwa indem wir einem in Basel tätigen Uhrmacher mit exotischer Herkunft bei der Arbeit zusehen. Das Künstlerpaar nimmt hier mit seiner in Basel schon bekannten Arbeit «Cut the fence» die Grenzsituation als Thema auf: Eine 675 Meter lange Stoffbahn aus bedrucktem Afrikadamast wird in Metereinheiten zu je 100 Franken zerschnitten und verkauft. Der Stoff zeigt einen mit Blumen, Biofrüchten und Dornen überwachsenen Maschendrahtzaun, hinter dem Kameras und Helikopter das Idyll gegenüber jenen bewachen und verteidigen, die hinein wollen oder wieder hinaus müssen: Die Stoffbahn ist so lange wie die Zäune um das Asylempfangszentrum und das Ausschaffungsgefängnis Bässlergut in Basel. Mit dem Verkauf des Stoffes wird dieser Zaun symbolisch zerschnitten. Der Erlös geht zu 90 Prozent an den Kunstraum BBLACKBOXX, der sich für die Besserstellung der Asylsuchenden engagiert.

Der Fotograf Christoph Madico Bosch stellt Serien und Einzelbilder aus, die er zum Teil auf mit Gelatine beschichteten Holzplatten belichtet hat. Seine Arbeiten finden im Wald statt. Aufgeschichtetes Holz hat es ihm besonders angetan. Er zieht wie beim Jenga-Spiel einzelne Stämme aus Holzbeigen heraus und schichtet sie neu auf. Die neuen Konstruktionen hält er fotografisch fest. Annette Voigt hat ihre Installation «Wolke» vor Ort konzipiert und durchgeführt: Die beiden in der Aula vorherrschenden Farben Braun und Weiss werden in einer Konstruktion, die als Styropor- und Karton-Mobile von der Decke hängt, so gegenübergestellt, dass die Kassettendecke nach unten fortgesetzt wird und dass sich der Raum je nach Standpunkt des Betrachters in der jeweiligen Farbe präsentiert. Weitere Objekte der Künstlerin finden sich an den Wänden montiert in allen Werkräumen. Sie verkehren Alltagsgegenstände und Werkzeuge ins Absurde.

Sägen, fräsen, pinseln, drucken

Bernd Goering sägt und fräst Granitplatten, Rheinkiesel und Ziegelsteine aus dem Baumarkt, verformt sie zu Bodenbelägen und geometrischen Skulpturen, die ihr Inneres nach aussen kehren. Peter Bossharts Malerei spielt mit dem bröckelnden Verputz der Wände und verfremdet den weiblichen Körper oder setzt ihn in Beziehung zum Raum.

Maja Rieder ist die jüngste Künstlerin der Gruppe. Sie lebt in Basel und hat ihr Atelier in Muttenz. Sie reduziert ihre gestalterischen Mittel auf ein Minimum und bringt daraus eine Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten hervor. Ihre Holzschnittarbeit aus Grautönen «Prêt-à-porter» spiegelt und konterkariert zugleich die Farben und Formen des Raumgrundrisses sowie der Wände und technischen Installationen der Schlosserei.

Die Grenze, die Industrie, der Fluss der Natur und der Zeit – der Rheinufer-Rundweg beider Rheinfelden wird über die Grenzen hinweg aufgemischt von der künstlerischen Transformation.

Ausstellung «mixer» Untere Kanalstrasse 1, D-Rheinfelden. Öffnungszeiten: 27./28. Juni sowie 4./5. Juli.