Projekt

Kunst ist mehr als bloss bekannte Galerien

Anja Ganster im Kunstraum DOCK, der für die nächsten Wochen ihr neues Atelier sein wird.

Anja Ganster im Kunstraum DOCK, der für die nächsten Wochen ihr neues Atelier sein wird.

Das Summe-Wochenende lädt zum Entdecken unabhängiger Projekträume ein. Die Idee dahinter ist ein «Zusammenschluss von vielen Andersartigkeiten»

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Das alte Zitat von Aristoteles könnte auf diese drei Tage eine gegenwärtige Anwendung finden. Gestern hat das Summe-Wochenende angefangen, ein Projekt, an dem 19 Offspaces oder unabhängige Kunsträume aus dem Raum Basel teilnehmen. Mit einem facettenreichen, vielfältigen Programm werden heute, morgen und am Sonntag Kunstbegeisterte in jene Räume eingeladen, die sich der Kunst widmen und keine bekannten Institutionen oder Galerien sind. Ein gemeinsames Wochenende, an dem jeder selbstverwaltete Ort seine eigene Identität nicht aufgibt, sondern kreativ aufwertet und damit das Projekt bunter macht – nach dem aristotelischen Prinzip.

Keine Geheimnisse mehr

«Die Idee hinter dem Summe-Wochenende ist super, denn es geht um einen Zusammenschluss von vielen Andersartigkeiten», freut sich Ruth Buck, Leiterin des DOCK – Archiv, Diskurs- und Kunstraum. «Es ist wichtig, dass sich die verschiedenen Gruppen untereinander kennenlernen und austauschen, auch um einander besser zu unterstützen.» Das DOCK ist einer der 19 Räume, die zur Teilnahme am Wochenende eingeladen wurden.

Für den besonderen Anlass hat der gemütliche Raum mit den grossen Schaufenstern an der Klybeckstrasse ein spezielles Konzept entwickelt: Die Künstlerin Anja Ganster verlässt für die folgenden Wochen ihr Atelier in Binningen und zieht ins DOCK. Leinwände, Papiere, Farben: All die notwendigen Materialien müssen sich ab heute an die neue, fremde Umwelt gewöhnen. Bis zum 20. Januar 2017 wird der Kunstraum in ein Open Studio verwandelt, in dem sichtbar wird, was sich sonst in der beruhigenden Vertrautheit des eigenen Ateliers abspielt: Wie Kunstwerke entstehen, wie Formen kreiert und Dialoge geschaffen werden. In den Fenstern werden Teile des persönlichen Archivs der Künstlerin gezeigt. Besucher und Quartierbewohner können nicht nur den Entstehungsprozess der Werke durch die Fenster verfolgen, sondern während der Öffnungszeiten auch ins DOCK eintreten und mit der Künstlerin interagieren.

«Für die meisten Künstler ist das Atelier ein Ort, den man selbst gestaltet und in dem man die Arbeitsprozesse optimieren kann», erklärt Ganster. «Keiner kann da reinschauen. Diese Intimität ist für viele Künstler wichtig.»

Offenbar ist also die 48-Jährige da eher eine Ausnahme. «Seit vielen Jahren braucht meine Arbeit immer wieder das: Ich muss raus aus der Komfortzone. Meine Arbeit kommt wie ins Stocken, wenn ich länger nicht reise oder den Ort wechsle.»

Ein «Davor» und ein «Danach»

Gerade von den vielen Reisen und Stipendienaufenthalten – in Australien, Brasilien oder Spanien – zeugen die Bilder der Künstlerin. Ihre Kreationen bilden die Realität treu ab, hinterfragen aber auch gleichzeitig, was genau diese Realität ist. «Meine Arbeit hat etwas Erzählerisches, hat viel mit Beobachtung zu tun. Mich interessiert die visuelle Wirklichkeit aber auch das, was dahinten steht.» Dies könne – besonders in den Interieurs-Bildern: Eindrücken von Bahnhöfen, Wandelhallen oder Flughäfen – eine Stimmung oder ein bestimmter Moment sein. So seien ihre Kreationen ein Versuch, die Zeit zu dehnen: «Ich möchte zeigen, dass es immer ein Davor und ein Danach gibt».

Das Gastspiel «Out of the box» wird morgen Abend um 19 Uhr mit einer «Pecha Kucha Night» eröffnet: Ganster hat die Kunstschaffenden Christoph Oertli, Franziska Furter, Kathrin Borer und Marianne Eigenheer eingeladen, in 7-minütigen Diavorträgen über ihre künstlerische Arbeit zu erzählen.

Die Künstlerin freut sich sichtbar auf die nächsten Wochen – gerade darum, weil sie nicht weiss, was sein wird: «Ich werde oft improvisieren müssen. Es kann immer etwas passieren, das man nicht planen kann». Unabhängig und autonom wie das Wochenende.

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