Die Ausstellung "Radiophonic Spaces", die bis am 27. Januar offen ist, verortet als künstlerische Installation Radiogeschichte im Museumsraum. Beim Besuch trägt man während des Hör-Parcours' Kopfhörer und ein speziell programmiertes Smartphone mit und aktiviert mittels Bewegungen jeweils bestimmte Aufnahmen.

Laut Museum ist man dabei eine Art "menschliche Sendersuchnadel": Man bewegt sich - vergleichbar mit dem Suchen am Radiogerät - physisch im Raum, bis man bei einem Beitrag stehen bleibt und zuhört. Die teils überfordernde Vielfalt gehört zum Konzept; sie spiegelt die enorme Breite des Mediums und seine ad hoc-Nutzung.

Abseits des Hör-Parcours kann man die ausschnittweise angetroffenen Werke in Ruhe ganz anhören; eine "Mindmap" speichert sie unterwegs. Man kann dann auch gezielt nach Inhalten oder Personen suchen. Überdies wird zu Ausstellungsaktivitäten ein "Radio Tinguely" betrieben, dessen Sendungen später als Podcast online greifbar sind.

200 Radiostücke aus aller Welt

Die Palette der gestisch abrufbaren Werke reicht von Antonin Artaud über John Cage bis zu Milo Rau oder Natascha Sadr Haghighian. Als Gestalter der Ausstellung hat das Museum den 1974 geborenen türkischen Künstler, Architekten und Musiker Cevdet Erek beigezogen; er hatte 2012 eigene Werke in der Basler Kunsthalle gezeigt.

Neben dem Hör-Parcours widmen sich 14 Themenwochen zum Mitwirken diversen Aspekten des Radios, zum Beispiel Spielfilmen mit dem Medium Radio in tragender Rolle, weltweit unterschiedlichsten Radiobedürfnissen, dem Eigenbau eines Radioempfängers oder Musik im Radio als "DJ"-Beruf.

Das Zusammenspiel von Klang und Raum im Museum soll breit dokumentieren, wie Kunstschaffende aller Sparten das Medium Radio betrachtet, hinterfragt und eingesetzt haben. Über 200 Radiostücke aus aller Welt wurden für die Basler Schau zusammen getragen, wobei manches aus versteckten Archiven ausgegraben wurde.

SNF-Forschungsprojekt involviert

Die Themen jener Radiobeiträge geben Einblicke in Aktualitäten des vergangenen Jahrhunderts, Katastrophen ebenso wie gesellschaftliche und technische Errungenschaften. Die Ausstellung entstand als Kooperation mit der Bauhaus-Universität Weimar, dem Haus der Kulturen der Welt in Berlin und der Universität Basel und wird gleichzeitig in allen drei Städten präsentiert.

Ein vom Schweizerischen Nationalfonds gefördertes Forschungsprojekt der Uni Basel hat für die Auswertung von Radioarchiven einen Algorithmus für die Suche nach klanglichen Kriterien entwickelt. Die Forschenden haben unter anderem die Veränderung von Klangumwelten, Radio-Klangkunst und Potenziale der Digitalisierung im Fokus.

Fundstücke dieser Forschung mit dem Projekttitel "Radiophonic Cultures - Sonic environments and archives in hybrid media systems" sind in der Ausstellung präsent. An diesem Projekt ist neben den Unis Basel und Weimar auch die Hochschule für Musik der Fachhochschule Nordwestschweiz beteiligt.