Kultur und Technik greifbar gemacht

Fachwissen und Herzblut: Die Zimmermänner Günter Werren und Toni Amrein montieren mit Mechaniker Jacques Linsi (von links) eine Umlenkrolle für den Antrieb des «Plansichters», der verschieden feines Mehl aussiebt. (Bild Thomas Stöckli)

Mühle

Fachwissen und Herzblut: Die Zimmermänner Günter Werren und Toni Amrein montieren mit Mechaniker Jacques Linsi (von links) eine Umlenkrolle für den Antrieb des «Plansichters», der verschieden feines Mehl aussiebt. (Bild Thomas Stöckli)

Ende der 90er Jahre wurde «Pro Aumüli» mit dem Ziel gegründet, Tradition, Geräte und Baurelikte zu erhalten. Am Schweizerischen Mühletag vom 23. Mai soll erstmals Mehl gemahlen werden. Auch ein Info-Weg ist geplant.

Am Mühletag soll das Mahlwerk laufen, so das erklärte Ziel der Stiftung Pro Aumüli. Die Arbeiten laufen deshalb auf Hochtouren. Unter der Leitung von «Mühlendoktor» Kurt Fasnacht und Fredi Hofmann, Präsident vom Verein Pro Aumüli, arbeiten Fachleute mit viel Engagement daran, diese Vorgabe erfüllen zu können.

Frei schwingender Plansichter

«Nur durch Abgang lassen sich einige Mühlen erhalten», zeigt der gelernte Müller und Schreiner Kurt Fasnacht die zwiespältigen Gefühle auf, wenn eine historische Mühle der Nachwelt verloren geht. Für die Aumüli konnten fehlende Teile von stillgelegten Mühlen wie Schmiedrued, Buswil (BE), Ramsen und Oberdorf (BL) übernommen werden. Zusammen mit der Denkmalpflege ist es «Pro Aumüli» gelungen, den Mahlablauf einer jahrhundertealten Betriebsform anzunähern.

Ein Element im Mahlablauf ist auch der Sichter, der verschieden feines Mehl aussiebt. Ende 2008 hat sich der Stiftungsrat für einen frei schwingenden Plansichter entschieden. Dieser ermöglicht nicht nur eine viel exaktere Trennung der verschiedenen Mahlstufen, sondern braucht im Vergleich zum ursprünglichen und in der Aumüli noch vorhandenen Sechskantsichter weniger Platz und macht erst noch weniger Lärm.

Seit 1993 ist die Aumüli im Inventar der geschützten Objekte von überregionaler Bedeutung. Seit 1999 kümmert sich «Pro Aumüli» etappenweise um die Instandstellung. 2004 waren das Wasserrad und die Säge an der Reihe, später folgten das Königsrad zur Kraftübertragung und der Mühlestuhl. Im Rahmen der Reppisch-Renaturierung floss ab August 2008 wieder Reppisch-Wasser aufs Wasserrad und dieses Frühjahr ist der Wiederherstellung des Mahlgangs gewidmet.

«Max-und-Moritz-Mühle»

«Der Mahlgang ist das Herz einer Mühle», hält Jan Smit, Präsident der Stiftung Pro Aumüli, fest. Am Schweizerischen Mühletag vom 23. Mai bietet sich von 9 bis 17 Uhr Gelegenheit, dabei zu sein, wenn dieses Herz wieder zu schlagen beginnt und in der Aumüli nach über 120 Jahren wieder Mehl gemahlen wird. «Max-und-Moritz-Mühle», nennt «Mühlendoktor» Kurt Fasnacht die Aumüli liebevoll und hebt hervor, dass sich hier Kultur und Technik des 18. und 19. Jahrhunderts vermitteln lassen.

Doch nicht nur im Schaubetrieb soll die Mühle laufen, auch eine Mehlproduktion für die nähere Umgebung sei denkbar, so Fredi Hofmann. Mit dem Mahlgang sind die Pläne der «Pro Aumüli» übrigens noch lange nicht abgeschlossen. Ein Info-Weg von der Mühle zum Schieber-Wehr befindet sich bereits in Planung.

Legende:

Fachwissen und Herzblut: Die Zimmermänner Günter Werren und Toni Amrein montieren mit Mechaniker Jacques Linsi (von links) eine Umlenkrolle für den Antrieb des «Plansichters», der verschieden feines Mehl aussiebt. (Bild Thomas Stöckli)

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