Kulturpolitik

Kultur-Direktor Jauslin wird wegbefördert

Direktor Bundesamt für Kultur (BAK)

Jean-Frédéric Jauslin (Archiv)

Direktor Bundesamt für Kultur (BAK)

Jean-Frédéric Jauslin verlässt das Bundesamt für Kultur und wird Unesco-Botschafter. Überraschend ist der Entscheid nicht. Im Bundesamt für Kultur spricht man hinter vorgehaltener Hand von Wegbeförderung.

Herr Jauslin, sollen wir Ihnen zur neuen Aufgabe gratulieren oder zum damit verbundenen Rücktritt als Direktor des Bundesamtes für Kultur (BAK) kondolieren? Auf unsere Frage am Telefon lacht Jean-Frédéric Jauslin und sagt mit hörbarem Stolz: «Gratulieren selbstverständlich!» Denn immerhin ist er vom Bundesrat zum Botschafter bei der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) und bei der Internationalen Organisation der Frankophonie (OIF) ernannt worden. Der Posten wird Ende Monat frei, weil Rodolphe Imhoof in Pension geht.

Überraschend kommt der Entscheid des Bundesrates nicht. Hinter vorgehaltener Hand redet man im BAK denn auch von Wegbeförderung. Jean-Frédéric Jauslin war 2005 unter FDP-Parteikollege Pascal Couchepin Direktor des Bundesamtes für Kultur geworden. Er löste David Streiff ab, der dem Kulturminister zu nahe bei der Kultur stand. Das war Couchepin zu heikel, galt es doch, das Kulturförderungsgesetz des Bundes in seine endgültige Fassung und durchs Parlament zu bringen. Jauslin, der studierte Mathematiker und Informatiker, der zuvor die Landesbibliothek geleitet hatte, schien Couchepin dafür geeignet.

Spannungen mit Berset

Anders sahen das Couchepins Nachfolger: Schon in der kurzen Ära von Didier Burkhalter als Kulturminister war das Verhältnis, wie Insider berichten, nicht immer reibungslos. Und dass SP-Bundesrat Alain Berset den Posten anders besetzen will, ist ein offenes Geheimnis.

War der neue Job Jauslins eigene Idee, sein Wunsch? «Gute Ideen kommen nie nur von einer Person», erklärte er. «Herr Berset und Herr Burkhalter haben mich gebeten, das Botschafteramt bei der Unesco zu übernehmen. Mich hat die Idee begeistert, weil ich finde, die Schweiz sollte sich weiterhin bei der Unesco engagieren.»

Die Beurteilung von Jean-Frédéric Jauslins Leistungen beim BAK fallen unterschiedlich aus. Eine Bilanz über seine Zeit im BAK könne er noch nicht ziehen, sagt Jauslin. «Der Entscheid des Bundesrates fiel erst heute Morgen.» Aber er sei zufrieden. «Eine meiner grössten Aufträge war die Inkraftsetzung des Kulturförderungsgesetzes, was ich vollbracht habe.» Und er habe immer noch Freude und Begeisterung für die Aufgabe. Im BAK habe ihm vor allem die Vielfalt gefallen. «Es war manchmal auch mühsam, weil wir zu viel Arbeit und zu wenig Ressourcen haben.»

Im Bundesamt für Kultur, so hört man, ist man erleichtert über den Entscheid, den man erwartet habe. Kündigungen - vor allem jener von Franziska Burkhardt, die seit 2009 die Sektion Kultur und Gesellschaft leitete - haben für Unruhe gesorgt. Von aussen galt Jauslin als spröder Kultur-Technokrat und von innen wünschte man sich einen Direktor, der kulturaffiner ist.

Der Posten als Direktor des BAK werde ausgeschrieben und wahrscheinlich bis August 2013 besetzt, heisst es im Communiqué des Bundesrates. «Bis zu diesem Datum wird Jauslin das Amt weiterhin leiten.» Sein neues Amt werde er am 1. September 2013 antreten.

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