Bettina Nägeli

Flüchtig betrachtet ist Langenthal ein Wohn- und Arbeitsort, wie es sie zuhauf gibt. Bei genauerem Hinsehen aber erweist sich das Städtchen als ein besonderes Pflaster: Als Ort, wo sich Episoden und Begegnungen ereignen, wo Alltägliches auf Überraschendes trifft und wo Bewegung und Stillstand eng verbunden sind. Insbesondere dem vielfältigen kulturellen Leben - aufrechterhalten in erster Linie durch die fünf Kulturhäuser Chrämerhuus, Kunsthaus, Museum, Regionalbibliothek und Stadttheater - sind diese reizvollen Berührungspunkte zu verdanken.

Die diesjährige Kulturnacht vom Freitag, 24. April, wird einen «häppchenweisen» Einblick in eben dieses kulturelle Leben der Stadt ermöglichen. Die Programmpunkte der fünf Institutionen laden zu Erlebnissen, Entdeckungen und Ergründungen ein.

Sehens- und Erlebenswertes

Eröffnet wird die Kulturnacht um 18 Uhr vor dem Choufhüsi von der Mambotruppe «Angel Maria Torres y sus ultimos Mambolleros». Ein Ausschnitt aus dem danach folgenden Programm verspricht Vielseitiges: Gesprochenes gibt es in der Regionalbibliothek von den Schauspielern Mélanie Huber und Michael Räber mit «Beiträgen zur Förderung der Allgemeinbildung». Im Chrämerhuus präsentieren die Gebrüder Heiniger Sehenswertes aus der Schweizerischen Filmschatzkiste. Währenddessen lassen sich die Mutigen im Kunsthaus von den Künstlern Lena Erikkson, Tina Z'Rotz und Chris Regn porträtieren. «Statt aus der Hand, wird dann in einem intimen Rahmen aus der Zeichnung die Zukunft gedeutet», verspricht Kunsthausleiterin Fanni Fetzer.

Da sich die Programmpunkte zwei- bis dreimal wiederholen, braucht keiner zu bangen, er könne etwas verpassen. «Ein jeder kann den Abend abseits von Zeitdruck nach seinem individuellen Gusto gestalten», erklärt Langen-thals Kulturbeauftragte Marianne Hauser Haupt.

Bereits zum fünften Mal findet die Kulturnacht, durchgeführt von der regionalen Kulturkonferenz (RKK), statt. Seit 2003 werden die fünf Langenthaler Kulturinstitutionen nicht nur von der Stadt und dem Kanton unterstützt, sondern mit jährlich rund 140 000 Franken auch von den 19 Beitragsgemeinden der RKK. «Die Kulturnacht ist ein
Dankeschön an jene Gemeinden - deshalb sind in dieser Nacht jegliche Eintritte frei», erklärt Hauser Haupt und fügt hinzu: Kultur bedürfe des persönlichen Kontakts und Emotionen statt trockener Verträge und politischer Diskussionen.

Von solchen Begegnungen und Gemütsbewegungen zeugen indes die weiteren Programmpunkte. So verknüpft auf der Bühne des Stadttheaters die tamilische Theatergruppe Alps Arankadikal das Kuttu, ein traditionell-tamilischer Tanz, mit der Geschichte von Wilhelm Tell. «Kultur bedeutet auch, offen zu sein für vermeintlich Fremdes», sagt Reto Lang, Leiter des Stadttheaters, in Bezug auf diesen besonderen Programmpunkt. Der Rundgang durch Langenthals Kulturleben geht weiter im Museum, wo die regionale Siedlungsgeschichte thematisiert wird. Zudem wird man in der Galerie Leuebrüggli Zeuge der eindrücklichen künstlerischen Ausdrucksform von Eisenplastiker Basil Luginbühl, während die Sternwarte einem zum Abschluss einen Blick in fremde Galaxien verspricht.

Indiz für Lebensqualität

Langenthal ermöglicht an der Kulturnacht einen Rahmen der Intimität, wie er anderswo kaum vorherrschend ist. Hauser Haupt präzisiert den Aspekt, dem in Bezug auf jene Vertrautheit eine unverzichtbare Wichtigkeit zukommt: «Ohne Ehrenamtlichkeit könnten wir einpacken.» Dem Idealismus vieler Leute und deren Hinwendung zur Kultur mit Herzblut sei es zu verdanken, dass Langenthal ein derart blühendes kulturelles Leben aufweise. Langenthal darf demnach selbstbewusst auf sein Kulturleben blicken, das heutzutage ein Indiz für die vorherrschende Lebensqualität darstellt. So ist die Kulturbeauftragte überzeugt: «Das vielfältige kulturelle Leben ist ein Zeichen für die Fruchtbarkeit und Gesundheit der Stadt.»