Der angenehme Geruch nach verbranntem Holz steigt beim Betreten des Raumes sofort in die Nase. Der Blick fällt auf die verkohlten Kreuze am Boden, ordentlich hingelegt. Ganz klar, hier herrscht eine Krise. Was sind das für Kreuze? Warum sind sie fast verbrannt? Und was bedeuten die sterilen Leuchtstofflampen darüber?

Die mysteriöse Installation befindet sich in der Galerie im Zimmermannhaus in Brugg. In jährlich vier Ausstellungen wird jungen Gegenwartskünstlern dort eine Plattform geboten. Nun haben die Aargauer Christoph Brünggel (34) und Lorenz Schmid (32) eine gemeinsame Schau realisiert, in der sie Gegensätze wie «Traum und Wirklichkeit», «Weiss und Schwarz» sowie «Lüge und Wahrheit» thematisieren. Darauf gibt der willkürliche Titel «Rockets Rise Best in Darkness» – ein Zitat aus «Waves» von Virginia Woolf – allerdings keine Hinweise.

Kunst aus altem Eisen

Im Gespräch mit Brünggel wird zumindest ein Teil der Fragen geklärt: Die Holzkreuze sind in Wirklichkeit «Heureiter» – altertümliche Holzgestelle, mit denen Bauern früher das Gras trockneten. Brünggel hat die heute nutzlosen Geräte sorgfältig, Stück für Stück verkohlt. Dies führt zu einem dramatischen Eindruck des Untergangs einer langen Tradition, die dem Fortschritt gewichen ist. Nicht zum ersten Mal verwendet der Künstler sogenannte «objets trouvés» – archaische, ausrangierte Materialien. So verwandelt er Rundeisen einer abgebrochenen Brücke oder alte Kassettenbänder in eindrucksvolle Installationen. Den Kontrast zu den schwarzen Heureitern bildet das weisse Licht der röhrenförmigen Lampen. Er wolle Schwellenmomente festhalten, erklärt der Künstler. Jene Augenblicke, in denen ein Zustand sich ändert. Doch letztlich solle jeder das sehen, was er sehen will. Lesarten gibt es tatsächlich einige. Bei jedem Standortwechsel kommen andere Verknüpfungen auf. Entfernt sich der Betrachter, wirkt der Aufbau wie ein undurchdringliches Gitter aus Holz, während sich beim Nähertreten die individuellen Heuritter herauskristallisieren und einzigartig werden. «Eigentlich ist es ein ikonografisches Fantasma. Ein Tagtraum», meint Brünggel.

Täuschend echte Bilder

Auch im oberen Stock der Galerie herrscht der Eindruck einer Traumwelt. An den Wänden hängen Fotografien in verschiedenen Grössen, denen allesamt etwas seltsam Künstliches anhaftet. Auf einem Bild sind vor dem Hintergrund eines winterlichen Nachthimmels Industriegebäude abgebildet. Seltsame Lichter steigen raketenartig in die Höhe. Was zunächst an eine nachträgliche Bearbeitung am Computerdenken denken lässt, ist in Wahrheit eine Naturerscheinung: «Die Lichter entstehen durch schillernde Eiskristalle, die in windstiller Luft über unseren Köpfen kreisen. Sie spiegeln das Licht des Mondes und der Strassenlaternen», erklärt Schmid. Die bunten Lichtsäulen hat er mit seiner Kamera festgehalten. An der gegenüberliegenden Wand hängen Fotos, die zuerst eindeutig scheinen: Der Blick aus einem Flugzeugfenster, ein Satellitenbild des Mondes … Doch anders als seine Nachtaufnahmen entstanden diese Bilder im Studio des Künstlers. Der Mond ist eigentlich eine gut gebratene Omelette und das Flugzeug eine aufwendige Modellnachbildung. Die Flugzeugbilder heissen demnach «Erinnerungen»: Sie sind aus dem Gedächtnis nachgebildet. Für Schmid besitzen Rekonstruktionen eine andere, authentischere Ästhetik als Originalfotografien, weil dahinter das persönliche Empfinden des Künstlers stecke.

Rockets Rise Best in Darkness Lorenz Olivier Schmid und Christoph Brünggel in der Galerie Zimmermannhaus in Brugg. Bis 8. März.