Solothurn

Kommt her zur Krippe

Gedränge: Schon bald einmal musste sich der Samichlaus regelrecht eine Gasse durch die Besucherscharen des Chlausemärets bahnen. (Fotos: Oliver Menge)

Chlaus

Gedränge: Schon bald einmal musste sich der Samichlaus regelrecht eine Gasse durch die Besucherscharen des Chlausemärets bahnen. (Fotos: Oliver Menge)

Der Chlausemäret zieht viel Volk und ganz spezielle Aussteller in Scharen an.

Wolfgang Wagmann

Bis Ende der Siebziger Jahre war der Friedhofplatz ein Parkplatz. Gestern wieder. Die Buggies sind wild durcheinander parkiert, und dahinter muss er sein, der «Star»: der Samichlaus mit Schmutzli. Wer braucht wohl mehr Geduld? Der gütige Weiss-bart angehörts der tibetanischen Gebetsmühle von verhaspelten Värsli oder die beiden Esel, die sich kraulen lassen, ohne vergrault zu wirken? Woher der Samichlaus kommt, weiss niemand, die Esel jedoch sind aus Rumisberg und logierten gestern Nacht irgendwo in Solothurn. Geheime Kommandosache, denn der Chlaus bringt die Grautiere mit. Und für den Rest sorgt das OK.

400 Liter Glühwein braut dieses an den zwei Märettagen. Es besteht aus den vier «Profis» Hans-Peter und Bethli Reinhard, Marlis und Alois Fischer, ergänzt durch 38 Helferinnen und Helfer vom Vorstand der Vereinigung pro Friedhofplatz bis zu den Pfadis in der Glühwein-Tassenrückgabestelle. «Der Erlös des Verkaufs finanziert uns die Beleuchtung in den Bäumen des Platzes und die Montage des Rentiers», erzählt Bethli Reinhard. In ihrer Garage siehts aus wie in einer Alchemistenküche, es blubbert in den Töpfen, und die gut gemixte Tinktur wird schliesslich per Leiterwägeli-Kanister zu den vier neuen Tanks in der Platzmitte gekarrt. «Damit hat der Glühwein garantiert 80 Grad beim Ausschank.»

Wie lange es den Chlausemäret noch gibt? «Nächstes Jahr haben wir den 30. Märet - dann sicher noch», lacht Hans-Peter Reinhard, der selber 70 wird. Wie es dereinst weitergeht, weiss niemand, Nachfolger sind jedenfalls (noch) keine in Sicht. Dabei ist das Aussteller-Interesse riesig: 72 Absagen musste Bethli Reinard verschicken, davon bleiben rund ein Dutzend in Reserve. «Füs uns muss der Branchenmix stimmen.» Glück hat also, wer neu in der Vereinigung ist und gleich einen Stand erhält, wie die stadtbekannte Floristin Bettina Rust.

Zwischen Bänzen, Glaskugeln, Engeln und sonstigen Weihnachtswesen ist neu am Friedhofplatz auch Krippenbauer Heinz Schmid aus Niederbuchsiten anzutreffen. Schon im Sommer durchforstet er die Wälder auf Rohmaterial für seine wunderschönen, innen sogar ausgeleuchteteten Krippen. «Lust, sie zu bauen, habe ich aber erst ab Oktober.» Zehn Krippen sind derzeit zu haben, aber «ganz ehrlich», flüstert er mit Verschwörermiene, «jede verkaufte reut mich eigentlich ...»

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