Achtung, Rockkonzert! Ein Programmierer, ein Architekt, ein Arztsekretär, ein Ingenieur und ein Badezimmerverkäufer legen los. Steigen gefährlich ähnlich ein, wie Queens of the Stone Age, und man denkt: Kann das gut kommen? Und es kommt gut. Der Song «Fiona» findet seinen coolen eigenen Weg, die Band My Last Sorrow macht fantastischen Lärm und Sänger Lou gibt der Band die souveräne und immer wieder überraschende Stimme.

Keine Band möchte dafür bekannt sein, etwa in der Mitte zwischen Metallica und Lovebugs zu stehen. Aber wer weiss wirklich, was sich zwischen diesen Polen alles abspielen kann? Nicht alle Basler Melodien sind vergänglich und nicht alle Metallica-Riffs von Übel. My Last Sorrow loten es aus – und wie! Sie haben Songs, die sich am Schluss selber verschlingen. Oder solche, die mit klingelnden Gitarrentönen einsteigen, nach und nach an ihre Grenzen und zum Zerspringen geführt werden. Traut sich aber ein Klischee in den modrigen Übungskeller in der Aarauer Altstadt, wird es umgehend an die Wand genagelt.

Wie geht das, komponieren bei My Last Sorrow?: «Ehrlich gesagt, der mühsamste Scheiss auf Erden. Da kommt jemand mit einer Idee – eine Akkordfolge, ein Übergangsteil oder ein Riff. Dann wird das durchgenudelt, bis alle ihre Ideen auch noch eingebracht haben, eine provisorische Struktur wird gebaut – und wieder verworfen. Wichtig ist, dass der Gesang von Anfang an dabei ist, wenn auch noch kein Text da ist. Das alles braucht eigentlich viel zu viel Zeit und deshalb ziehen wir uns ab und zu für ein verlängertes Wochenende in die Einöde des Engelbergertals zurück und machen dort nur My Last Sorrow. Dann ist Komponieren das Beste auf Erden, weil man endlich mal Zeit hat. Nur nicht so gesund!», sagt Sänger Lou

Wann ist ein Song fertig? «Irgendwann muss man sich einigen, wenn der Song ‹verhebt›. Man könnte noch ewig an einzelnen Parts oder sogar Tönen feilen, nur wäre das eine beinahe endlose Sache und wir haben ja nur den Mittwochabend. Irgendwann würde man auch Gefahr laufen, den Song zu verhunzen, weil man zu analytisch an die Sache rangeht. Der Song sollte sich gut anfühlen und den Livetest bestehen.»

Was war das schönste Kompliment, das ihr als Band erhalten habt? «Jemand hat mal gesagt: ‹Euer Sound berührt mich.› Oder, wenn ich von der Bühne aus Leute sehe, die sich mit geschlossenen Augen zu unserer Musik bewegen. Oder, wenn ich Komplimente bekomme, für meine Art zu singen. Wenn man uns ansieht, dass wir Spass an der Sache haben. Und schliesslich, wenn man mit Kollekte viel mehr verdient als mit einer regulären Gage!»

My Last Sorrow My Last Sorrow EP 2010 (Songs auf iTunes, Amazon, Cede, mylastsorrow.ch)