Big Zis

«Keine Lust auf Seelenstriptease»

BigZis’ Texte sind poetisch und melancholisch.

Big Zis

BigZis’ Texte sind poetisch und melancholisch.

BigZis, bedeutendste Rapperin der Schweiz, spricht nicht gerne über ihre Texte

Andrea Kucera

BigZis fackelt nicht lange rum. Sie geht direkt zum Mikrofon und legt los: Drei Minuten später hat sie dem Publikum bereits über 500 Wörter entgegengeschleudert, im Laufe des Abends werden es über 5000 sein. Während sie rappt, scheint sie kaum Atem zu holen. Zwischen den einzelnen Songs nimmt sie jeweils einen Schluck aus der Wasserflasche. Dann wirft sie ihren Kopf in den Nacken und setzt zum nächsten Wortschwall an.

Es ist das 1.-Mai-Fest in Zürich und dazu BigZis' Geburtstag: Sie wird 32. Viele ihrer Freunde sind da, dazu die ganze alternative Szene Zürichs: Mädchen mit Rastas, aber auch welche mit Hochsteckfrisur und Sonnenbrille im Haar; Jungs mit Baseball-Mütze und solche im Surferlook - ein durchmischtes Publikum. «Ich möchte ein Kind von dir», ruft ein Fan. BigZis lacht und quittiert mit einem Spruch. Sie geniesst ihren Auftritt. «Es hat einfach alles gestimmt», wird sie später sagen: «Die Bühne, die Stimmung, der Sound . . .»

Seit BigZis' drittes Album Anfang 2009 erschienen ist, war sie ununterbrochen unterwegs. Sie spielte unter anderem im «Moods» in Zürich, im «Gaswerk» in Winterthur und in Chur und Bern. Am 1. Mai war ihr vorerst letzter Auftritt und darüber ist sie erst einmal froh: «Jetzt habe ich endlich wieder Zeit für mich - und zum Arbeiten.»

Obwohl die Zürcherin als bedeutendste Rapperin der Schweiz gilt, kann sie nicht von der Musik allein leben. Sie nimmt daneben die Bestellungen bei einem Hauslieferdienst entgegen und arbeitet im Kino RiffRaff. Unglücklich ist sie darüber nicht, denn: «Wenn ich von der Musik leben wollte, müsste ich die ganze Zeit dranbleiben - darauf habe ich keine Lust.» Nach einem Jahr auf Tour mit dem gleichen Album brauche sie jeweils eine Pause: «Schliesslich dreht sich in der Musik alles um dich. Das nervt mit der Zeit.»

Lieber geht BigZis, die mit richtigem Namen Franziska Schläpfer heisst, die Sache langsam an: Zwischen ihrem ersten und dem zweiten Album sind drei Jahre verstrichen, zwischen dem zweiten und dem jetzigen vier. Während der sieben Jahre hat sie erst eine Lehre als Zimmermann gemacht, später die Matur nachgeholt und ein Philosophiestudium begonnen.

Verändert hat sich in der Zeit auch BigZis' Sprache: Ein geschliffenes Mundwerk und viel Fantasie hatte sie schon immer. Aber während ihre Reime auf dem ersten Album noch gespickt waren mit Ausdrücken wie «krass», «Shit» und «huere», rappt BigZis heute über tropfende Wasserhahnen, Menschen, die nur in den Köpfen anderer existieren und Bilder, die zu sprechen beginnen. Ihre Texte sind poetisch, abstrakt und meist melancholisch. «Es ist nicht so, dass ich ständig traurig bin», sagt die Rapperin. «Aber wenn ich fröhlich bin, habe ich keine Lust zum Schreiben. Dann lebe ich einfach.»

Entsprechend kommt nur die melancholische Seite der Musikerin zum Ausdruck und auch da hütet sie sich, zu konkret zu werden: «Ich habe keine Lust auf Seelenstriptease.» Natürlich stecke in allen Texten etwas Autobiografisches. Aber statt klare Aussagen zu machen, male sie lieber Bilder, die verschiedene Schlüsse zuliessen und zum Denken anregten. Oft weiss BigZis selbst nicht so recht, was sie mit einem bestimmten Reim ausdrücken wollte. Sie spricht auch nicht gerne darüber. Fragen nach dem Sinn eines Textes klemmt sie mit der folgenden Aussage ab: «Viel spannender finde ich zu hören, was andere damit anfangen.»

Wie es mit ihrer Musik weitergehen wird, weiss BigZis noch nicht. Vorerst hat die Uni Vorrang: Ende Mai sind nämlich Semesterendprüfungen. Danach tritt sie an verschiedenen Festivals auf und tourt weiter durch die Schweiz. Und dann? «Dann hänge ich wieder ein paar Jahre rum, bevor ich mein nächstes Album in Angriff nehme.»

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