Islam

Keine Angst vor dem Islam

Die Basler Performerinnen Beatrice Fleischlin und Antje Schupp wagen sich an das nächste heikle Thema. Donata Ettlin

Die Basler Performerinnen Beatrice Fleischlin und Antje Schupp wagen sich an das nächste heikle Thema. Donata Ettlin

Theater: Die Basler Performerinnen Beatrice Fleischlin und Antje Schupp bieten den praxisnahen Crashkurs «Islam für Christen». Erfrischend unerschrocken nähern sie sich so dem von Vorurteilen und Ängsten behafteten Thema an.

Muezzinrufe schallen durch die Basler Markthalle. Sie rufen rund zwölf Christinnen und Christen zum Kurs im kleinen Gebetszelt: «Islam für Christen», ein Crashkurs, Level A1. «Niederschwellig, praxisnah und angstbefreit», rattern die Kursleiterinnen Beatrice Fleischlin und Antje Schupp ihren Slogan herunter. Zu unserem Glück sei dies ein Kurs für komplette Einsteiger, denn beim Einstufungstest per Fragebogen hätten die meisten von uns ziemlich schlecht abgeschnitten. Kaum jemand konnte im Vorfeld die fünf Säulen des Islam aufzählen – von den hilflosen Antworten auf etwas schwierigere Fragen ganz zu schweigen.

Also los gehts. Mithilfe von Flipcharts und alsbald vielen praktischen Übungen zum Nachsprechen und Mitmachen bringen uns die beiden Frauen den Islam näher. Wir erfahren: Die erste Säule des Islam ist das Glaubensbekenntnis zu Allah – und keinem ausser Allah. Eine weitere Säule bilden die Almosen: Gläubige Muslime sollen jedes Jahr 2,5 Prozent ihres gesamten Vermögens den Armen spenden.

Rituelle Waschung und Gebete

Im praktischen Teil lernen die Kursteilnehmer, wie man sich rituell wäscht: Hände, Gesicht, Mund, Nase, Ohren und Füsse werden vor jedem Gebet gereinigt. Fünfmal täglich. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Muslim sauberere Füsse hat als ein Christ, ist hoch. Frisch gewaschen stellen wir uns nun auf einen kleinen, exotisch parfümierten Gebetsteppich und imitieren die Bewegungen der Kursleiterinnen. Die Verbeugung auf Knien bei aufgestellten Zehen ist gar nicht so einfach. Das Ganze erinnert an eine meditative Yogaübung. Und tatsächlich: In einer Performance-Einlage vollführt Beatrice Fleischlin einen fliessenden Yoga-Sonnengruss, während Antje Schupp parallel dazu die Gebetsbewegungen macht.

Der Hijab – das Kopftuch, das sie tragen – gibt den Performerinnen ein ganz neues Gesicht. Die Theater-Performance, die vorgibt, ein Kurs zu sein, ist tatsächlich ein Kurs. Die Zuschauer, respektive die Teilnehmer, erlernen die Grundlagen des Islam. Und ganz automatisch, ohne dass die Kursleiterinnen belehrend oder überdeutlich werden müssen, wird auch klar, dass der Islam uns gar nicht allzu fremd sein kann. Die erste Säule entspricht dem ersten Gebot im Christentum. Die dritte Säule, die Almosen, entspricht der im Christentum gepredigten Barmherzigkeit. Die Parallelen häufen sich. Der Islam ist dem Christentum nah – viel näher als etwa der im Westen hippe Buddhismus. Und er darf nicht in eine Schublade gesteckt werden mit dem Islamismus, der extremistischen Ideologie.

Der Islam kommt also nicht vom Mars. Und Muslime sind keine Marsianer. Ebenso wenig eine Gemeinschaft von Extremisten und Terroristen, auch wenn es das ist, was rechtskonservative Parteien in ganz Europa ständig suggerieren. Fleischlin und Schupp haben bei ihrer Recherche Dutzende von Musliminnen und Muslimen getroffen und lauter lebenslustige, intelligente, moderate Menschen kennen gelernt – eine praktizierende Muslimin, Riham Galal, ist bei den Performances als Koranlehrerin dabei. Und sie haben in der Moschee auf dem Dreispitz «die beste Linsensuppe der Stadt» gegessen.

Erfrischend unerschrocken

Wie schon in «Love.State.Kosovo» wagen sich die beiden Performerinnen an ein mit vielen Vorurteilen und Ängsten besetztes Thema. Und sie tun es erfrischend unerschrocken und offen. Kurse und Begegnungen wie diese Performance bieten ein wichtiges Gegengewicht zur andauernden Islamhetze.

Am Ende bleiben viele Fragen offen: Wie steht es mit den vielen Richtungen innerhalb des Islam? Sind gewisse Koran-Interpretationen wirklich so klar, wie die Expertin Riham Galal suggeriert? Antworten liefert vielleicht die nächste Kursstufe: «Islam für Christen A2». Nötig hätten wirs.

«Islam für Christen» wird noch bis zum 15. Oktober dreimal täglich in der Markthalle Basel angeboten. www.kaserne-basel.ch

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