Die Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen haben einen schweren Job. Auch wortwörtlich: Mit Atemschutz wiegt ihre Ausrüstung locker zwanzig Kilo. Diese und noch weitere Geschichten rund um die Freiwillige Feuerwehr erlebte das Publikum gestern bei der Uraufführung von «Katastrophenübung» in der Alten Reithalle.

Der Ausgangspunkt der Inszenierung ist die Frage nach dem bürgerlichen Engagement fürs Gemeinwohl. Als Antwort hält «Katastrophenübung» ein – entschuldigen Sie das Wortspiel – flammendes Plädoyer auf die Milizfeuerwehr. Ihre Essenz: Die Freiwillige Feuerwehr ist eine der wenigen Institutionen, die das Schweizer Milizsystem am Leben erhält und den gesellschaftlichen Zusammenhalt vorlebt. Alter, Geschlecht und Nationalität verschwinden unter dem egalitären Kollektiv der Brandschutzweste.

Das Theaterstück besteht hauptsächlich aus Interviewmaterial, das die B’bühne in Gesprächen mit Feuerwehrleuten gesammelt hat. Seit mittlerweile zwei Jahren engagiert sich die B’bühne im Aargau für professionelles Theater mit Laien. Dementsprechend setzen auch in «Katastrophenübung» insgesamt zwölf Laien die O-Töne der Feuerwehrleute auf der Bühne um. Diese drehten sich, unter anderem, um die Organisation und Aufgaben der Feuerwehr.

Die Brandbekämpfung macht beispielsweise nur einen Bruchteil der Einsätze aus. Zum Rest gehören Rettungseinsätze von Personen und Tieren sowie Hilfeleistungen bei Hochwasser, Unwetter oder Stürmen. Die Inszenierung gestaltet sich aber alles andere als eine öde Aneinanderreihung von Fakten aus dem Handbuch der Feuerwehr. Die Autorin Anna Papst und Regisseur Jonas Egloff beweisen in ihrer Inszenierung einen grossen Sinn für Komik.

Zwischen Klamauk und Ernst

Immer wieder setzen sie die O-Töne augenzwinkernd und mit popkulturellen Referenzen um: Die Schwierigkeiten einer Feuerwehrfrau und ihre anschliessende Akzeptanz im Team werden in einem Poplied mit Ohrwurmpotenzial vorgetragen («Ich bin auf Kurs mit dem Genderdiskurs»). Eine Liebesgeschichte mündet in ein Duett mit Johnny Cashs «Ring of Fire», ein weiterer Feuerwehrmann sinniert über die US-Serie «Chicago Fire» und Mani Matters «I han es Zündhölzli azündt» darf auch nicht fehlen.

Einer für Alle, Alle für Einen: Bei der Freiwilligen Feuerwehr verschwinden Alter, Geschlecht und Nationalität unter dem egalitären Kollektiv der Brandschutzweste.

"Katastrophenübung"

Einer für Alle, Alle für Einen: Bei der Freiwilligen Feuerwehr verschwinden Alter, Geschlecht und Nationalität unter dem egalitären Kollektiv der Brandschutzweste.

Trotz unterhaltsamem Klamauk und Selbstironie ist «Katastrophenübung» keine Persiflage; das Stück spricht auch brisante Themen an. Mit Megafonen machen die Akteure vehement auf Sparmassnahmen und den steigenden Leistungsdruck aufmerksam. Die Feuerwehrleute setzen bisweilen ihr Leben aufs Spiel, jeder Einsatz könnte ihr letzter sein. «Katastrophenübung» erweist ihnen den gebührenden Respekt und regt das Publikum zu selbstkritischen Fragen an.

Die Alte Reithalle will in Zukunft experimentelle Formen und die professionelle Arbeit mit Laien noch stärker einbinden. Die vollen Ränge und der lang anhaltende Schlussapplaus verheissen Gutes für kommende Projekte.

Katastrophenübung Do 21., Fr 22. und Sa 23. Juni 20.15 Uhr, sowie So 24. Juni 17 Uhr, Alte Reithalle Aarau.