Ernst und ernsthaft; ruhig, überlegt und ehrlich. So wirkt Josef Helfenstein, ab September 2016 neuer Direktor des Kunstmuseums Basel. Gestern wurde er an einer Medienkonferenz im Museum für Gegenwartskunst vorgestellt – und er stellte sich vor. Er ist von einer prominent besetzten Findungskommission einstimmig gewählt worden – zuvor hat sie gemäss Kommissionspräsident und Basels Kulturchef Philippe Bischof während rund zwei Jahren 42 Kandidaten näher geprüft.

Der Gewählte ist ein Schweizer Kunsthistoriker mit über 30 Jahren Erfahrung im Führen von Kunstmuseen. Er begann seine Karriere am Kunstmuseum Bern – als Chefkurator, später als Vizedirektor. Seit elf Jahren leitet er die Menil Collection and Foundation in Houston, Texas. Dieses von Renzo Piano entworfene Museum mag in Basel nicht allzu bekannt sein, doch es beherbergt eine der wichtigsten Kunstsammlungen der USA mit 16 000 Objekten. Schwerpunkte bilden Werke des Surrealismus, der Pop-Art und des Minimalismus. Die dazugehörige weltberühmte Rothko-Chapel hat der Künstler 1970, kurz vor seinem Tod, mitkonzipiert und mit Frescos bemalt. Es ist eine Kapelle, die Zugehörigen aller Religionen offensteht, eine der ersten interreligiösen Orte. Davor steht ein Martin Luther King gewidmeter Obelisk.

Hauptanliegen Humanismus

Philanthropie, Humanismus, Menschenrechte – das waren die Anliegen der Gründer der Menil Collection. Diese Werte trägt Josef Helfenstein aus tiefster Überzeugung mit – und will sie nun nach Basel weitertragen. Er sehe Parallelen zwischen der Menil Collection und dem ebenso humanistisch und philanthropisch geprägten Basel, sagte er. Es gebe hier in dieser Stadt «einen Idealismus», ohne den seine aussergewöhnliche museale Qualität nicht möglich wäre. «Ich bin davon überzeugt, dass Kunst für die Allgemeinheit und das Allgemeinwohl der Gesellschaft da ist», lautet seine Überzeugung.

Und später, unter vier Augen, führt er noch mal aus, was Kunst ihm bedeutet – und was nicht: «Kunst wird immer mehr zum Investitionsobjekt degradiert, zur superteuren Dekoration. Ich empfinde das als Entwürdigung der Uridee der Kunst», sagt er. «Kunst ist ein Ausdruck tiefster und wichtigster menschlicher Anliegen, der Gefühle der Menschheit. Dass man das heute zu einer reinen Ware macht, da bin ich leidenschaftlich dagegen.»

Man glaubt ihm jedes Wort. Helfenstein ist kein Showman. Er sei ein scheuer Mensch. Trotzdem hat er auch grossen Erfolg beim Fundraising – er habe gemerkt, dass es ein «Friendraising» sei. Wie Kunstkommissionspräsident Peter Mosimann erwähnt, habe Helfenstein 110 Millionen US-Dollar für ein neues Drawing Institute beschafft. Und gegen 7 Millionen treibt er laut Bischof jährlich an Drittmitteln ein. Dieses Geschick kann das Kunstmuseum Basel ab 2016 besonders gut brauchen: Mit dem dann fertigen Neubau steigen seine Betriebskosten.