Krebsleiden
Jörg Schneider ist tot – er wurde 80 Jahre alt

Der beliebte Schweizer Volksschauspieler Jörg Schneider ist heute Samstag im Alter von 80 Jahren verstorben. Er erlag einem schweren Krebsleiden.

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Jörg Schneider wird mit dem Prix Walo ausgezeichnet (18. Mai 2014)
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Ein Porträt von Jörg Schneider, aufgenommen im Januar 1991 in Zürich.
Jörg Schneider tritt im Kindermusical "Zauber Zirkus Zuckerhut" als Clown Ringgi mit seinem Hund Zofi auf. (1978)
Erich Vock und Jörg Schneider im Stück 'Alles uf Chrankeschii' im Zücher Bernhard-Theater, aufgenommen (6. Juni 1998).
Jörg Schneider spielt die Hauptrolle im Stück "Der eingebildete Kranke" von Molière. (August 1991).
Jörg Schneider erscheint zur Trauerfeier für Schauspielerin Stephanie Glaser im Fraumuenster in Zürich (26. Januar 2011).
Jörg Schneider wird mit dem Prix Walo fürs Lebenswerk ausgezeichnet, an der 40. Verleihung des Prix Walo im Kongresshaus Zürich, am 18. Mai 2014.
Die Schweizer Schauspieler Mathias Gnädinger, links, und Jörg Schneider, posieren bei der Filmpremiere ihres Films "Usfahrt Oerlike", bei den 50. Solothurner Filmtagen 2015.
Silvia Jost und Jörg Schneider bei den Dreharbeiten zur Fernsehserie "Motel" des Schweizer Fernsehens, im Januar 1984.
Jörg Schneider (1935-2015)

Jörg Schneider wird mit dem Prix Walo ausgezeichnet (18. Mai 2014)

Keystone

Der Schauspieler Jörg Schneider ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 80 Jahren nach einer Krebserkrankung, wie der Regisseur Paul Riniker gegenüber der Nachrichtenagentur sda erklärte. Er bestätigte eine Meldung der "Tagesschau" von Schweizer Radio und Fernsehen.

Schneider erlag seiner schweren Krankheit, die ihn Ende September 2014 gezwungen hatte, seine Abschiedstournee "Happi Änd" abzubrechen. Noch Ende Januar 2015 nahm er an den Solothurner Filmtagen an der Premiere seines letzten Kinofilms teil: "Usfahrt Oerlike". Darin spielte er seine erste ernste Filmhauptrolle überhaupt. Mit ihm agierte Matthias Gnädinger in der zweiten Hauptrolle, der am 3. April 2015 im Alter von 71 Jahren gestorben war.

Bei den Dreharbeiten im Mai 2014 unter der Regie von Paul Riniker wusste noch niemand, auch Schneider selbst nicht, dass er an Leberkrebs erkrankt war. Der Film erntete in Solothurn Standing Ovations und erhielt den Publikumspreis. Am 6. Februar 2015 hatte Jörg Schneider seinen 80. Geburtstag gefeiert.

Der Durchbruch gelang Schneider 1966 mit dem Hörspiel, der Bühnenproduktion und der TV-Serie "Polizischt Wäckerli". Vor allem aber in einer Rolle wurde Jörg Schneider in wohl jedem Schweizer Kinderzimmer bekannt: Ab 1967 schrieb und vertonte er die Chasperli-Geschichten. Die 40 Stücke wurden zu Dauerbrennern. Sie verkaufen sich bis heute bestens. Schneiders "Tri-tra-trallala, dr Chaschperli isch wider daa!" entzückte Generationen von Kindern.

«Abschied auf der Bühne war wahnsinnig berührend»

Die Schweiz hat nach Ansicht der Bernhard-Theater-Leiterin Hanna Scheuring mit Jörg Schneider einen der bedeutendsten, aber auch etwas verkannten Schauspieler verloren. Er sei einer gewesen, der eine ausgesprochene Wärme ausgestrahlt habe.

"Ein wahnsinnig berührender Anlass" sei in diesem März sein letzter Auftritt auf einer Theaterbühne gewesen: Die Präsentation seines Buches "Äxgüsi! Aus meinem Leben" im Zürcher Bernhard-Theater. Schneider habe - nebst anderen Schauspielern - Texte aus der Biografie vorgetragen.

Im Mai habe sie ihn nochmals zu Hause besucht und ihn bewundert, wie er mit seiner Krankheit umgegangen ist, sagte Scheuring.

Filmchef Kummer: «Schneider wurde lange Zeit verkannt»

Mit dem Tod von Jörg Schneider verliere die Schweiz einen grossartigen Schauspieler, der zu lange unterschätzt worden sei, sagte Ivo Kummer, Filmchef des Bundesamtes für Kultur, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Erst im Alter habe er die Anerkennung erhalten, die ihm gebühre.

"Es ist ein trauriger Moment für die Schweizer Filmlandschaft." Der letzte Kinofilm "Usfahrt Oerlike" sei zum Vermächtnis von Schneider geworden. Darin spielte er seine erste ernste Filmhauptrolle überhaupt.

In gewisser Hinsicht sei der Zürcher Schauspieler seiner Zeit voraus gewesen, erklärte Kummer. Während lange Zeit die Meinung galt, Kunst und Unterhaltung hätten keine Berührungspunkte, habe sich Schneider stets zwischen diesen Welten bewegt.

(sda/pz)