Kunst

Jahrhundertfälscher Wolfgang Beltracchi hat in Luzerner Steuerparadies eine Luxuswohnung bezogen

Leben und arbeiten neu in der Luzerner Seegemeinde Meggen: Wolfgang und Helene Beltracchi.

Leben und arbeiten neu in der Luzerner Seegemeinde Meggen: Wolfgang und Helene Beltracchi.

Der Umzug des Königs der Fälscher, Wolfgang Beltracchi, nach Meggen sorgt für Spekulationen. Wieso zieht es den Deutschen in das Zentralschweizer Steuerparadies?

Im Luzerner Nobelvorort Meggen, wo aufgrund des tiefen Steuersatzes unzählige Superreiche wohnen, fällt das Hippie-Ehepaar Wolfgang (66) und Helene (59) Beltracchi nur schon durch sein Äusseres sofort auf. Ob beim Einkaufen im Coop oder beim Essen in ihrem neuen Stammlokal «Pyramide» direkt am Dorfplatz – die Deutschen fühlen sich in der Seegemeinde sichtlich wohl und sind bei den Einheimischen beliebt.

Doch nur die wenigsten in der Gemeinde wissen, mit wem sie es zu tun haben: Die Beltracchis gelten als Bonnie und Clyde der Kunstwelt. Mehr als 300 gefälschte Meisterwerke schleuste Wolfgang Beltracchi mithilfe seiner Frau in den Kunstmarkt. 35 Jahre lang hat der Künstler sein aussergewöhnliches Talent eingesetzt, um Bilder im Stil anderer zu malen, und führte die ganze Kunstwelt hinters Licht. Kaum ein Meister war vor ihm sicher. Etwa 100 Maler hat er nachgeahmt: Expressionisten, Impressionisten, auch alte Meister wie unter anderen Max Ernst, Georges Braque, Fernand Léger und viele mehr. Und das so brillant, dass er damit gemäss Gericht umgerechnet über 35 Millionen Franken verdiente. Viele Jahre lebten die Beltracchis mit ihren zwei Kindern in Saus und Braus, reisten luxuriös um die Welt und besassen neben einer Villa in Freiburg auch eine in Mèze, Südfrankreich.

Der grösste Kunstfälscher-Skandal

Bis zur Verhaftung 2010. Wegen eines falschen Pigments flog er auf. Die von ihm verwendete Farbe gab es zur Entstehungszeit des Original-Werks noch nicht. Es war der grösste Kunstfälscher-Skandal der Nachkriegsgeschichte. Vier Jahre sass das Paar im offenen Vollzug in Deutschland seine Strafe ab. Nun hat sich der einstige Millionen-Betrüger und offiziell hoch verschuldete Wolfgang Beltracchi, der mit 14 Jahren seinen ersten Picasso fälschte, mit seiner Gattin in Meggen eine Luxuswohnung und ein Atelier gemietet. Die «Schweiz am Wochenende» weiss, dass sich diese ganz in der Nähe der riesigen Villa, die einst dem verstorbenen Rohstoffhändler Marc Rich gehörte, befinden. Nun besitzt der englisch-kanadische Kunsthändler Robert Landau (78) das Anwesen Villa Rose und hat es mit sündhaft teurer Kunst aus aller Welt dekoriert. Ob der leidenschaftliche Kunstsammler Landau, der ein Vermögen von geschätzten 700 Millionen Franken besitzt, mit den Beltracchis in Kontakt steht oder gar etwas mit ihrem Umzug nach Meggen zu tun hat, darüber kann nur spekuliert werden.

Gut möglich, dass Landau einst ebenfalls eine Beltracchi-Fälschung erwarb, denn noch heute sind viele Bilder des Fälschers in Museen oder im Privatbesitz im Umlauf – angeblich deutlich mehr Werke, als der Meister-Fälscher je zugab. Zudem weiss man auch bis heute nicht, «wo das ganze Geld geblieben ist», sagte Kunstmarktexperte Tobias Timm (42) kürzlich in einer ZDF- Dokumentation. Die Branche brauche dringend einen Verhaltenskodex, denn eine Vielzahl gefälschter Bilder kursiert noch immer, schreibt Timm zudem in seinem Buch «Falsche Bilder Echtes Geld». Der Prozess gegen die Beltracchis zeigte angeblich bestenfalls die Spitze des Eisbergs aus Leichtgläubigkeit, Schludrigkeit und Geldgier in der Branche. «170 Zeugen wurden gar nicht erst angehört, Tausende Seiten akribischer Ermittlungsarbeit blieben unbeachtet.»

Und trotzdem hat Wolfgang Beltracchi noch immer viele Fans: Er malt CD-Covers für Hitproduzenten und auch viele Stars wie unter anderem Schauspieler Christoph Waltz (60), Kabarettist Emil Steinberger (84) oder Bergsteiger Reinhold Messner (72) liessen sich in den letzten Jahren vom Fälscher porträtieren. Auf Anfrage dementiert Wolfgang Beltracchi seinen Umzug nach Meggen nicht, für ein Interview habe er jedoch erst im August Zeit.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1