Von Paris über London, von New York bis Tokio füllen die beiden Zürcher mit wortloser Tanz-Akrobatik, Musik, halsbrecherisch bewegten Bühnenbildern und Stücktiteln wie «Hans was Heiri», «Gaff Aff» oder «Öper Öpis» die grossen Theatersäle. Weshalb, wissen die beiden selbst nicht ganz genau. Und das sei auch gut so.

Reden Sie gerne mit Journalisten über Ihre Shows?

Martin Zimmermann: Nein, eigentlich nicht.

Dimitri de Perrot: Endlich jemand, der das fragt. Wir machen ja wortloses Theater – es geht eben nicht darum, Worte zu Bildern zu liefern. Im Gegenteil: Wörter bergen eher die Gefahr, den Zuschauern etwas wegzunehmen. Es geht um Projektion, um das Mysterium und die Freude am Entdecken. Je mehr wir darüber sprechen, desto eher kann dem etwas abhandenkommen.

Was machen wir jetzt?

Zimmermann: Schauen Sie, wir sind nun seit fünfzehn Jahren an der Arbeit. Wenn immer dieselben Fragen kommen, fragen wir uns schon, ob wir die überhaupt beantworten müssen.

Welche zum Beispiel?

Zimmermann: Eine immer wiederkehrende Frage ist die danach, was wir überhaupt machen. Ist es Tanz, ist es Zirkus, ein Konzert, Installation? Nur: Wir wissen es ja selber nicht. Und das ist auch gut so. Trotzdem sagen wir immer, es sei Theater, weil wir ein Dekor haben und frontal gearbeitet wird. Weil es live ist und ein Publikum kommt. Aber: Es ist unser Theater.

Sie sind weltweit gefragt. In der Schweiz kennt man Sie kaum. Warum?

de Perrot: Eigentlich ist es kein unbekanntes Muster, dass Künstler von hier erst anderswo ihren Durchbruch schaffen, bevor sie in der Schweiz wahrgenommen werden.

Woran liegt das?

de Perrot: Vielleicht ist es eine Mentalitätsfrage. Vielleicht fällt es in unserer Kultur schwerer, etwas Neues für unbedingt gut zu befinden, den Mut zu haben, hinzustehen und zu sagen: «Das ist gut.» Natürlich ist das zugleich eine Stärke, sich nicht allzu gross machen zu wollen.

Das ist aber noch nicht alles …

de Perrot: Es gibt in der Schweiz ganz einfach nicht so viele Orte, wo man auftreten kann, wenn man von der Kunst leben will. Also muss man dahin gehen, wo man spielen kann. Für uns war und ist vor allem Frankreich wichtig, das im Theaterbereich eine wahnsinnig grosse Tradition pflegt.

Woran messen Sie sich überhaupt mit Ihrem neuartigen Stil?

Zimmermann: An Künstlern, die verschiedene Berufe und Kunstformen kombinieren, die aus zwei oder drei bestehenden Dingen etwas Neues erfinden. Das ist vielleicht auch das, was man seit ungefähr 30 Jahren unter «neu» verstehen kann: Kombination von Bestehendem.

Ist die Zeit der einzelnen Genres, also von «nur» Theater, «nur» Akrobatik, «nur» Musik vorbei?

Zimmermann: Nein. Wenn einer etwa wirklich gut singen kann, kann er immer noch davon leben, wenn er Glück hat. Ich denke sogar, dass das einzelne Handwerk wieder wichtiger werden wird. Man darf auch nicht vergessen: Wir sind zu zweit, dadurch findet ja immer schon ein Austausch statt.

«Hans was Heiri» ist die achte Show, die ihr zusammen gemacht habt. Wird es von Mal zu Mal schwieriger oder einfacher?

Zimmermann: Es ist immer schwierig. Dass wir es so weit gebracht haben, ist ein Stück weit unerklärlich. Es ist ja nicht Showbiz, was wir machen, sondern Theater, lebende Skulptur, ohne Text, man kann uns nicht einordnen, wir kommen nicht im Fernsehen. Eigentlich spräche alles gegen unseren Erfolg. Das ist schon erstaunlich.

Woran liegt es, dass es trotzdem klappt?

de Perrot: Ich denke, die Stärke unserer Stücke liegt darin, dass der Mensch im Mittelpunkt steht. Mit all seinen Fragilitäten. Und dass wir Humor haben. Das ist etwas, was die Leute berührt. Humorvolle Stücke, die auch tiefgründig sind, davon gibt es in der heutigen Zeit nicht mehr allzu viele. In diesem Sinn zeigen wir mit unseren Shows eine Rarität. Und eigentlich sind wir ziemlich «Alte Schule»: Man muss uns live sehen.

Eure Menschenkreaturen begeistern die Welt. Welches Menschenbild zeichnen Sie denn in Ihren Shows?

Zimmermann: Wir glauben, dass der Mensch im Prinzip immer alleine ist und lernen muss, damit umzugehen. Dazu gehört auch, dass er über sich lachen kann. Unsere Figuren sind ängstlich, sie sind grauenhaft, sie sind langweilig: Sie sind alles, was den Menschen ausmacht.

Weshalb tragen die Stücke schweizerdeutsche Namen?

de Perrot: Sie zeigen, wo wir herkommen. Das ist intim. Das Spannende ist genau, dass die Leute im Ausland diese Worte nicht verstehen. Dafür verstehen sie vielleicht, dass es um etwas sehr Intimes geht.

Zimmermann: Wenn man als Schweizer Künstler weltweit tourt, wird man mit der Schweiz konfrontiert. Durch Attribute, die man hört: «Swiss Quality» etwa in Japan, Uhr, Sackmesser. Wir haben gemerkt, dass wir gar nicht so weit vom Schweizer Erfindergeist weg sind. Absichern auf dem Bestehenden, aber sich trotzdem auf unbekanntes Terrain abseilen – das machen auch wir.

Hans was Heiri letzte CH-Shows, 6., 7. und 8. Februar in der Kaserne Basel, jeweils 20 Uhr. Link: www.zimmermanndeperrot.com

Zimmermann & de Perrot Hans was Heiri

Zimmermann & de Perrot Hans was Heiri 2