Kunstauktion

Ist Banksy's Shredder-Aktion zum Heulen oder zum Lachen?

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Wie und warum Banksy's Shredder-Aktion genau passierte, weiss niemand. Klar ist nur: Sie ist so absurd wie lustig, steigert die Popularität des Künstlers – aber nicht das Ansehen des Kunsthandels.

Seit letzter Freitagnacht lacht und diskutiert die ganze Welt über Kunst und Kunsthandel – genauer über Banksy und Sotheby’s. Aber trotz Video, Instagram-Bekenntnis des Künstlers, Augenzeugenberichten und dem Internet-Rummel weiss niemand, wie und warum diese Shredder-Aktion genau passierte.

Klar ist einzig: Banksy, der König der Street Art, beschert uns einen Kunstkrimi, der das System so lustig wie subversiv ziemlich auf den Kopf und an den Pranger stellt.

Banksy-Kunstwerk geschreddert: 1.3 Mio. Franken für Papierfötzeli

Banksy-Kunstwerk geschreddert: 1.3 Mio. Franken für Papierfötzeli

Was bisher geschah: Banksy, vermutlich 1974 im englischen Bristol geboren, wurde in den letzten 20 Jahren mit seinen Schablonenbildern zum bekanntesten Street-Art-Künstler. Ob Flüchtlingspolitik, Korruption, Massenkonsum oder Brexit: Banksy bringts wie ein Cartoonist kritisch, öffentlich und ungefragt auf den Punkt.

Umgekehrt setzt er Dienstmädchen, Kindern oder Flüchtlingen kleine illegale, aber hübsche Denkmäler. Nur wer er selber ist, weiss man nicht. Vom Mann mit Kapuzenpulli existieren zahlreiche Fotos, meist unscharf, von hinten – oder wie ein Gangster mit Gesichtsmaske.

Anonym, aber populär

Trotzdem – oder gerade deswegen – herrscht um den Untergrund-Künstler seit bald zwanzig Jahren ein Hype. Welch ein Ding, wenn in New York oder London neue Bilder auftauchen. Als sich im Juni das Gerücht verbreitete, Banksy sei in Paris, geriet die Stadt ins Bild-Jagdfieber.

Doch welche Spraybilder sind von ihm? Welche nachgemacht? Auf Instagram und seiner Website veröffentlicht der Künstler regelmässig Bilder, quasi als Autorisierung. Da warnt er aber auch vor Falschmeldungen: «Banksy is NOT on Facebook, Twitter or represented by Steve Lazarides or any other commercial gallery.»

Lieber organisiert er selber Ausstellungen und Aktionen und verkauft Werke. In Bethlehem hat er 2017 «The Walled Off Hotel» eröffnet, an der Sperrzone zwischen Israel und dem Gaza-Streifen, das er mit dem Slogan «das Hotel mit der schlechtesten Aussicht» bewirbt. Das meint er wörtlich (man sieht nichts als die Grenzmauer) wie auch symbolisch (bezogen auf den Konflikt zwischen Israeli und Palästinensern).

Im Gegensatz zu den meisten Sprayern ist Banksy beliebt. Sein Werk «Das Mädchen mit dem Luftballon» applizierte er erstmals 2002 auf eine Hausecke in Shoreditch und im Süden Londons.

2002 malte Banksy «Das Mädchen mit dem Ballon» auf eine Fassade in London.

2002 malte Banksy «Das Mädchen mit dem Ballon» auf eine Fassade in London.

Das Bild ist nicht nur süss, zeigt es doch den Moment, in dem der Ballon dem Kind aus der Hand gleitet. Gleich wird es Verlusttränen geben ... Das Bild hat eine steile Karriere gemacht: Man kann es als Poster, Karte oder auf einer Tasse kaufen. Und die Briten wählten es 2017 zum beliebtesten Kunstwerk.

Kritik an Spekulanten

Das Exemplar der Auktion hat Banksy laut Sotheby’s-Katalog dem anonymen Verkäufer 2006 geschenkt, es sei ein Unikat und auf der Rückseite signiert und datiert. Schätzwert 200 000 bis 300'000 Pfund.

Auf Instagram erklärt Banksy nun, wie er den Shredder eingebaut hat, für den Fall, dass das Werk verkauft werde. Wie er den Prozess sekundengenau beim dritten Hammerschlag und einem Verkaufspreis von 1,042 Millionen Pfund (1,4 Millionen Franken) ausgelöst hat, weiss niemand. Wohl per Smartphone, wie man auch seine Heizung fernbedienen kann.

Die zentrale Frage ist allerdings: Warum hat ein so renommiertes Auktionshaus wie Sotheby’s, das angeblich alle Werke einer minutiösen Prüfung unterzieht, nichts davon gemerkt? Nur schon der auffällig aufgedoppelte Rahmen und das Gewicht hätten Misstrauen erregen müssen. War es eine abgekartete Aktion, weil das Werk so noch einzigartiger, noch wertvoller wird?

Dem Ansehen des Kunsthandels tut die Aktion nicht gut. Banksy schon. Jede und jeder kennt ihn nun, wie eine kleine, nicht repräsentative Umfrage gestern ergab. Sein Marketing-Gag ist gelungen, ebenso sein Anliegen, zu zeigen, dass Händler und Spekulanten und nicht die Künstler von den Fabelpreisen auf dem Kunstmarkt profitieren. Neben dem Klamauk hat Banksy dem Publikum diese Erkenntnis geliefert. Immerhin.

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