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«Irgendwie bin ich stark»

Im Zwiegespräch: «Ein Bild ist erst dann fertig, wenn es mir eine Antwort gibt», sagt Gaby Hübscher. Marco Mordasini

Gaby

Im Zwiegespräch: «Ein Bild ist erst dann fertig, wenn es mir eine Antwort gibt», sagt Gaby Hübscher. Marco Mordasini

Die Natur steht bei vielen Bildern der Dietiker Künstlerin Gaby Hübscher im Mittelpunkt. Der Betrachter soll sich mit ihren Werken verbinden und seine Gedankengänge damit vernetzen. Es sind ausdrucksstarke Bilder mit einem tiefen Hintergrund.


Marco Mordasini

Die Bilder von Gaby Hübscher haben keinen erzieherischen Charakter und keinen pädagogischen Ansatz. Dazu ist sie eine zu starke Persönlichkeit, sagte Stadtpräsident Otto Müller am Ende seiner Laudatio an Hübschers Vernissage in der Galerie Bachlechner in Bergdietikon. Mit ihren Bildern will Hübscher verbinden, vernetzen, sich mit den Gedankengängen des Betrachters verstricken und verweben. So, dass gemeinsam Neues entstehen kann. «Man kann nichts besser machen, als die Natur es bereits macht», sagt die Künstlerin mit Nachdruck.

So kann sich Hübscher stundenlang am Wasser aufhalten und Lichtreflexe, Spiegelungen und Bewegungen studieren. Dann wird sie mit sich und ihrer Kunst eins. «Ich will als Künstlerin wahrgenommen werden», erzählt sie weiter. Für sie ist Malen aber Schwerstarbeit. Immer wieder wird sie gezwungen Pausen einzulegen. So kommt es nicht selten vor, dass es Wochen, wenn nicht sogar Monate dauert, bis ein Bild fertiggestellt ist. «Ein Bild ist für mich erst dann fertig, wenn es mir eine Antwort gibt» - das Ziel: eine Art Zwiegespräch mit ihrem eigenen Schaffen.

Die grosse Dankbarkeit

Wenn es damals nach ihren Eltern gegangen wäre, hätte Gaby Hübscher Lehrerin werden sollen. Doch sie war ein kleiner Revoluzzer, ein schwieriger Teenager für ihre Eltern, wie sie selbst zugibt. Mit Glanz und Gloria bestand sie die Aufnahmeprüfung an die Kunstgewerbeschule und studierte Beschäftigungstherapie - heute als Ergotherapie besser bekannt.

In Arosa an ihrer ersten Arbeitsstelle betreute Gaby Hübscher während zweier Jahre Multiple-Sklerose-Patienten. Ein Schicksal, von dem sie seit über dreissig Jahren betroffen ist. «Irgendwie schaffe ich es. Irgendwie bin ich stark», lächelt sie. Gaby Hübscher schaut zu ihrem Mann und lächelt gleich nochmals: «Roly ist das Beste, was mir im Leben passieren konnte. Seit 48 Jahren sind wir verheiratet und haben drei Kinder grossgezogen. Er ist es, der mich immer wieder aufbaut.» Die Malerei vermittelt ihr die nötige Ruhe. Daraus kann sie Kraft schöpfen - Kraft, die ihr die heimtückische Krankheit, ohne Vorwarnung, immer wieder raubt.

Die Gnade des Alters

Während 28 Jahren führte Gaby Hübscher in Dietikon ein Malatelier für Kinder. Teilweise über einhundert Kinder liessen sich von ihr und mit ihr inspirieren. Sei es mit einem Wollknäuel, einer kleinen Geschichte, einem Märchen oder autogenem Training. «Es sind immer Momente im Leben, die der Auslöser für ein neues Bild sind», sagt die Künstlerin.

So fühlt man sich auch beim Betrachten ihrer neusten Ausstellung. Die Künstlerin gewährt dabei einen tiefen Einblick in ihre Gedanken. «Die Gnade des Alters, der Erfahrung. Die Ergänzung der Komplexität des Lebens. Sie anerkennen als Ganzes», sagt Stefan Kühn, der viele Bilder von Gaby Hübscher in wenigen Worten zu erklären versucht. Hat Hübscher mit einem Thema abgeschlossen, hat sie im ersten Moment keinen Schimmer, wie es weitergehen soll. «Etwas Verrunzeltes habe ich bislang noch nicht gemalt. Meine Falten gehören zu mir wie mein Leben», schmunzelt sie optimistisch.

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