Literaturnobelpreis

Internationale Presse gespalten: «Wer ist Herta Müller?»

Autorin Herta Müller

Autorin Herta Müller

Die Weltpresse beurteilt die Vergabe des Literaturnobelpreises an die Deutsche Herta Müller unterschiedlich. Während die Auszeichnung in Schweden und der Schweiz als «gänzlich verdient» betrachtet wird, mokiert sich die britische «Times» über das Preiskomitee.

"Wer ist Herta Müller?", schreibt die konservative Tageszeitung schon im Titel. "Was haben Elfriede Jelinek, Imre Kertész und Wislawa Szymborska gemein, bitte? Sie haben alle den Literaturnobelpreis erhalten. Was haben Marcel Proust, James Joyce und Graham Greene gemein? Sie nicht", heisst es dann im Text.

Auch die Redaktion von "Le Figaro" aus Paris ist unzufrieden: "Es ist eine neue Enttäuschung für anerkannte Autoren wie Philip Roth, Mario Vargas Llosa, Carlos Fuentes, Claudio Magris, Amos Oz, Haruki Murakami und - nicht zu vergessen - den Dichter Adonis."

Bei der konservativen Tageszeitung "Dziennik Gazeta Prawna" aus Polen hält sich die Freude zumindest in Grenzen: "Der Preis für Herta Müller ist kein Skandal, aber auch kein Ereignis."

Komplett anders ist die Stimmung in Schweden. Herta Müller sei eine "ausgesprochen würdige Preisträgerin", schreibt das "Svenska Dagbladet": "Müller gibt dem Leser keine schnell verdaute Sahne. Aber wenn man einmal von ihr gefangen ist, sitzt man fest."

Die Autorin fände einen Platz für europäische Erfahrungen kraft ihrer Sprache. Die "Neue Zürcher Zeitung" würdigt Müller als eine Schrifstellerin, "die den Literaturnobelpreis gänzlich verdient". Auch der "Tages-Anzeiger" schreibt von einer "guten Wahl", während etwa der Kommentator der "Südostschweiz" deutlich skeptischer ist.

Kühl gibt sich die russische Tageszeitung "Kommersant": "Es hat immer weniger Sinn, sich darüber zu beschweren, dass der Nobelpreis nun wieder nicht an jenen vergeben wurde, den wir bereits in unserem Herzen auserkoren hatten."

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