Literatur

Ingeborg Bachmann: Neue Biografie und Paarlauf mit Max Frisch

Auf und Ab zwischen glanzvollen Auftritten und quälender Einsamkeit: Ingeborg Bachmann (1926–1973).

Auf und Ab zwischen glanzvollen Auftritten und quälender Einsamkeit: Ingeborg Bachmann (1926–1973).

Rund um den 40.Todestag der österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann sind zwei neue Biografien erschienen. Während das eine Buch das ganze Leben nachzeichnet, widmet sich das andere ihrer Beziehung zu Max Frisch.

«Sie war einzigartig. Ich habe nie mehr einen solchen Menschen kennen gelernt.» Wer so über Ingeborg Bachmann spricht, ist niemand Geringerer als der ehemalige US-Aussenminister Henry Kissinger. Die Bachmann-Spezialistin Andrea Stoll hat für ihre Biografie «Ingeborg Bachmann – Der dunkle Glanz der Freiheit» nicht nur mit Kissinger und anderen Zeitzeugen gesprochen, sondern auch eine Vielzahl von Dokumenten und Korrespondenzen einsehen können.

Stoll zeichnet ein vielschichtiges Leben in allen Höhen und Tiefen nach. Das Auf und Ab zwischen glanzvollen Auftritten in der Öffentlichkeit und quälender Einsamkeit voll nagender Selbstzweifel und arger Geldnot prägt dieses Lebensbild, der Wechsel zwischen beharrlichem Verfolgen eines selbstbestimmten Lebensweges (in Zeiten, in denen das für eine Frau keineswegs selbstverständlich war) und der unsteten Randerscheinung an der Seite grosser Männer.

Stoll taucht tief in die Privatsphäre der 1973 gestorbenen Dichterin ein, ohne aufdringlich oder gar schlüpfrig zu werden. Dass dabei die persönliche Tragödie Bachmanns wesentlich stärker im Vordergrund steht als ihr Werk, ist allerdings ein unübersehbares Manko. Die neue Biografie, die wesentliche Neuerscheinung rund um den 40. Todestag der Autorin, stiess bisher auf überwiegend positive Aufnahme.

Tiefe Verletzungen

Einem einzigen Aspekt von Bachmanns Leben widmet sich die deutsche Schriftstellerin Ingeborg Gleichauf: «Ingeborg Bachmann und Max Frisch. Eine Liebe zwischen Intimität und Öffentlichkeit» heisst ihre Darstellung der vierjährigen Beziehung der beiden prominenten Schriftsteller. Naturgemäss begegnen einem viele Details aus Stolls Biografie wieder, doch erfährt die Gegenseite dieser Lebensgemeinschaft, die mehr vom Trennenden als vom Verbindenden geprägt gewesen scheint, eine Aufwertung.

Gleichauf versucht, Äquidistanz walten zu lassen – keine leichte Aufgabe angesichts der tiefen Verletzungen, die in beider Werk noch lange nachwirken. Bei einem Detail der Aufarbeitung heisst es jedoch weiter warten: Noch immer ist groteskerweise kein einziges gemeinsames Foto dieses «Traumpaares der deutschsprachigen Literatur» bekannt.

Andrea Stoll Ingeborg Bachmann – Der dunkle Glanz der Freiheit. C. Bertelsmann Verlag, 384 S., Fr. 32.90.

Ingeborg Gleichauf Ingeborg Bachmann und Max Frisch – Eine Liebe zwischen Intimität und Öffentlichkeit. Piper, 224 S., Fr. 28.90. Lesung und Gespräch: Sa., 26. Oktober, Zürich

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