Aber am Montag werden beide in Solothurn geehrt: Grob mit dem Solothurner Kunstpreis, Albrecht mit dem Fachpreis Fotografie. Doch die beiden Kamera-Künstler haben noch viel mehr gemeinsam: Beide sind 1965 geboren, beide sind in Olten aufgewachsen, beide wollten unbedingt Fotograf werden. Und beide haben das erreicht.

Ihre Handschrift, ihre Auftraggeber und ihr Renommee mögen unterschiedlich sein, eine gemeinsame Vorliebe und Stärke haben sie: Sie machen am liebsten – und am besten – Porträts. Sie arbeiten beide für die Presse und die Werbung und inszenieren nie abstrakte oder realitätsfremde Themen in ihren Bildern.

Marco Grob: Fotograf der Stars

In Solothurn war in Künstlerkreisen ein Murren zu hören, dass mit Marco Grob einer den Kunstpreis erhalte, der nicht hier arbeite. Dem widerspricht André Albrecht. «Es ist doch schön, dass es einer aus dem kleinen Olten in der grossen Welt geschafft hat.» Marco Grob findet es kleinlich und sagt: «Das ‹Time› gibt es auch in Solothurn am Kiosk.» Über den Preis aus der Heimat freut er sich. «Es ist eine schöne Anerkennung.»

Das «Time»-Titelbild von Hillary Clinton 2009 brachte Marco Grob nach zwei harten New-Yorker-Jahren den internationalen Durchbruch. Seither porträtiert er Stars wie George Clooney oder Lady Gaga und Politiker wie die Clintons oder Barack Obama. Hat ihn der Besuch bei Obama beeindruckt? «Der Ort, das Oval Office, ja», sagt er, «aber Politiker finde ich bedeutungslos.» Bedeutung habe für ihn eine Krankenschwester, generell Leute, die für andere etwas machen. Aber was reizt ihn denn an Hollywoodstars und Sängerinnen? «Das sind meist intelligente und interessante Menschen, die andere inspirieren und bezaubern. Wenn ich sie fotografiere, dokumentiere ich ein Stück Kunstgeschichte.» Er verstehe sich als Chronist, betont Marco Grob.

9/11-Portrait

Die Frage nach seinem liebsten oder wichtigsten Bild bringt ihn ins Zögern: «Ich habe zu all meinen Bildern ein schwieriges Verhältnis. Aber die Porträt-Serie über Zeugen von 9/11 sei ihm wichtig oder die Porträts von Minensuchern in Kambodscha. «Aber das ganz spezielle Bild suche ich immer noch.»

Marco Grob lebte in Spanien, in Hamburg und jetzt in New York. Auswandern würde er jedem empfehlen. «Ich mache, was ein Porträtist machen muss: Ich reise um die Welt und fotografiere Menschen.» Er sieht sich darin mit den Grossen der Fotogeschichte verwandt. «Aber das heisst nicht, dass einer, der vor Ort bleibt, schlechtere Fotos macht.» Und er meint damit auch André Albrecht, mit dem ihn in den 80er-Jahren in Olten Konkurrenz und Freundschaft verbanden.

André Albrecht: Der Oltner

«Mir genügt, was hier ist, hier finde ich interessante Menschen und Sujets», sagt André Albrecht. Natürlich sei er für Zeitungen, auch für die az, gerne und oft unterwegs. Der Preis freut ihn, weil seine künstlerischen Arbeiten ausgezeichnet werden – wie «Tom» aus der Serie «second life» von 2010. «Dass man den Charakter eines Menschen mit einem einzigen Bild erfassen kann, glaube ich nicht mehr.»

Jeder habe mehrere Seiten, nicht nur jene Menschen, die sich im Internet ein «second life» zulegten. Tom sei Bauarbeiter, der ihn immer an einen Desperado aus einem Western erinnert habe. Inszeniert hat André Albrecht Tom in Olten auf dem Abbruch-Gelände des ehemaligen Coop. Diesen Lokalbezug muss man nicht kennen, um den Sog dieses Bildes, dieses einsamen Kämpfers zu erkennen – aber er ist reizvoll.