Tabea Martin wackelt kurz mit den Hüften. Posiert mit gestrecktem Arm. Schaut ratlos ins Publikum. Die Tänzerin scheint keine Lust zu haben. Keine Lust, nochmals zu zeigen, was sie kann. Sie geht zu einem Handy, das von der Decke hängt und als Mikrofon dient. «This is my last dance», sagt sie leise.

Ein Anfang, der bereits mit dem Ende spielt: Dafür gibt es im Theater grosse Vorbilder. Samuel Becketts Endspiel macht das radikal vor. Dort lautet der erste Satz: «Ende. Es ist zu Ende, es geht zu Ende, es ist vielleicht zu Ende.»

Becketts Stück war denn auch eine der Inspirationsquellen für Tabea Martins «This is my last dance». Wie in Becketts «Endspiel» gibt es hier Herr und Diener, respektive Herrin und Dienerin. Martin macht ihrer Partnerin, der Tessiner Tänzerin Simona Bertozzi, zu Beginn gleich klar, dass sie ihr zu gehorchen und zu helfen habe.

Im Laufe der Aufführung wird sich dieses Verhältnis umdrehen. Aus der Starken wird die Schwächere. Aus der Selbstbewussten die Zweifelnde und umgekehrt. Es stellt sich heraus: Beide tanzen hier ihren letzten Tanz.

Düster und doch leicht

Körperlicher Zerfall, Sterblichkeit, das Absurde, das aufscheint angesichts der Endlichkeit: Warum tun sich zwei junge Frauen solch schwere Kost an? Einerseits blicken die beiden Mitdreissigerinnen in den Spiegel: «Sind wir nicht zu alt, um zu tanzen?» Andererseits gibt es tiefere Beweggründe, sich mit dem eigenen Verfall auseinanderzusetzen.

Tabea Martins langjähriger Partner ist vor wenigen Jahren gestorben. Die Choreografin skizziert dies in einer kurzen Szene, in der sie beschreibt, wie sie sein Grab auswählen muss und er so zu einer Nummer unter Vielen wird.

Für die existenzielle Dunkelheit und Einsamkeit finden die Choreografinnen ein betörendes Bild. Sie tanzen auf einer schwarz glänzenden, stark spiegelnden Folie. Dadurch sind sie nie allein. Wie in einem Totentanzgemälde werden die Figuren vom eigenen Spiegelbild und Schicksal verfolgt. Neben dieser Symbolkraft ist dieser Spiegelboden jedoch auch pures ästhetisches Vergnügen. Er verleiht dieser letzten Tanzstunde Schwerelosigkeit.

Und auch sonst geben sich die Tänzerinnen nicht unbedingt als Kinder der Traurigkeit. Das Bewegungsvokabular, das sie durchexerzieren, alleine, als Paar, getrennt oder synchron, erinnert zuweilen an Monty Python. Als ob wir uns im Ministry of silly movements befinden würden, nehmen wir Teil an diesem Reigen absurder Bewegungsabläufe.

Gespannt auf mehr

Zum Ende gibt es in diesem ansonsten musiklosen, nur von Atem und Stimme der Tänzerinnen ausgefüllten Abend, eine intensive Minute Sound. Ist es eine Erinnerung an die unbeschwerten Jahre des Clubbings? Eine Absage an choreografierte Kunstfertigkeit?

Schliesslich hat Martin zuvor in einer langen Litanei aufgezählt, was sie alles nicht mehr machen möchte auf der Bühne. Beispielsweise in High Heels auftreten oder mit Schafen tanzen.

Was sie weiterhin noch tun wird, darauf sind wir gespannt. «This is my last dance» ist der Auftakt zu einer über vier Jahre angelegten Recherche zum Thema Vergänglichkeit.


«This is my last dance» Bis Sonntag, 4. Februar. Kaserne Basel. www.kaserne-basel.ch.