Im Moortal tobte der Punk

Im Moortal tobte der Punk

Die Headliner aus Kalifornien am Samstagabend. (Bild: Marcel Siegrist)

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Die Headliner aus Kalifornien am Samstagabend. (Bild: Marcel Siegrist)

2200 Besucher genossen am 15. Gränicher Open Air das vielseitige Musikprogramm mit 18 Bands aus der Schweiz, Deutschland, Italien, Österreich und Kalifornien.

Marcel Siegrist

40 Jahre sind seit dem legendären Woodstock-Festival vergangen, immerhin 15 Jahre sind es her, dass einige musikbegeisterte Jugendliche im idyllisch gelegenen Gränicher Moortal 1995 das erste Open Air mit dem Ziel organisierten, frischen Wind in die Kulturszene zu bringen. Bei prächtigem Wetter ging am Freitagabend und am Samstag das Jubiläums-Open-Air über die Bühne.

Am bewährten Konzept wurde auch in diesem Jahr nichts geändert. Der Freitagabend bot beste Unterhaltung vor allem für ältere Semester und Familien. Die Pop-, Country- und Rockfans kamen auf ihre Rechnung. In der Festwirtschaft «Sounderia» gabs zur Musik auch kulinarische Genüsse. Zudem luden Bars und diverse Verpflegungsstände zum Verweilen ein. Die Organisatoren durften sich zum Auftakt des 15. Open Airs über zahlreiche Besucher freuen.

Das musikalische Programm des zweitägigen Spektakels mit insgesamt 18 Bands wurde von der Aargauer Band M-Day auf der Haupttribüne eröffnet. Höhepunkt am Freitagabend war der deutsche Reggaekünstler Jondo, der sein neues Akustikalbum «Pure» präsentierte.

Pur und ohne Effekthascherei war auch sein Auftritt: Jondo und sein Begleitmusiker sassen mit der Gitarre auf der Bühne und luden ihr Publikum mit authentischen Reggae-Stücken zum Träumen ein. Als Kontrast dazu die temperamentvollen Mamborhythmen der elfköpfigen Combo Angel Maria Torres, deren Musik gehörig in die Beine fuhr. Die witzige und charmante Darbietung der schnauzbärtigen Mambolleros mit den Pomadenfrisuren begeisterte das Publikum. Für ausgelassene Stimmung auf der Nebenbühne in der «Sounderia» sorgte die Formation Tennessee Four mit Countrymusik und Rock 'n' Roll. Alles in allem war es ein rundum gelungener Auftakt zum Gränicher Jubiläums-Open-Air.

Bedeutend jünger war das Publikum am Samstag. Punk, Rock, Metal, Hardcore und Ska waren nun die bestimmenden Stilrichtungen des rund zehn Stunden dauernden Soundgewitters. Eines war am Samstagnachmittag heiss begehrt: ein schattiges Plätzchen, denn die Sonne brannte erbarmungslos auf das Festivalgelände. Der Schweiss tropfte, und das Bier floss literweise.

Der eigentliche Publikumsaufmarsch setzte erst gegen Abend ein. So mussten sich Bands wie Delicate Plug Sockets, No Mute, Dog's Bollocks oder Trickshot noch mit einer bescheidenen Publikumskulisse begnügen. Erst gegen Abend, als die Bieler Band Treekillaz mit ihrem Rock das Moortal erzittern liess, füllte sich der Platz vor der Haupttribüne nach und nach. Treekillaz hatten am Auftritt in Gränichen sichtlich Spass und holten sich drei temperamentvolle Tänzerinnen und zwei Tänzer aus dem Publikum auf die Bühne.

Ein Höhepunkt des zweiten Tages war der Auftritt der deutschen Punkband Kafkas, die melodischen Punk mit sozialkritischen Texten verbindet. Klarer Headliner des zweiten Abends waren aber Mad Caddies aus Kalifornien mit Gründungsjahr 1995. Eine Band also, die das gleiche Geburtsjahr wie das Gränicher Open Air hat. Die amerikanische Band verwendet in ihren Titeln Elemente des Melodic-Punkrocks, Ska, Hardcore-Punk, Reggae und sogar Dixieland-Jazz. Eine Stärke der Band ist das Livespiel und das bewiesen sie in Gränichen einmal mehr eindrücklich. Die Zürcher Ska-Band Alaska und die Österreicher The Sorrow liessen das Open Air lautstark ausklingen.

«Mit 2200 Besuchern sind wir zufrieden», erklärte OK-Präsident Ronny Stirnemann am Sonntagmorgen. «Wegen des guten Wetters hätten wir aber eigentlich noch mehr erwartet.» Obwohl der Besucheraufmarsch kleiner war als in vergangenen Jahren, eines steht fest: Auch das 15. Gränicher Open Air schreibt schwarze Zahlen.

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