Lovebugs

«Im Mekka des Rock ’n’ Roll aufzutreten, fühlt sich toll an»

Cool geblieben: Die Lovebugs vor dem legendären «Viper Room». (M. von Arx)

Lovebugs

Cool geblieben: Die Lovebugs vor dem legendären «Viper Room». (M. von Arx)

In knapp zwei Wochen vertreten die Lovebugs die Schweiz am European Song Contest. Am Mittwoch eroberten die Basler probehalber schon mal Los Angeles.

Marlène von Arx

Nickerchen oder kein Nickerchen, fragen sich die Lovebugs beim Soundcheck zu ihrem ersten US-Auftritt. Die Band ringt ein wenig mit Jetlag. Kein Wunder, die fünf Schweizer Pop-Rocker jetten dieser Tage auch ziemlich weit in der Welt herum: Im Rahmen der Musikmesse Musexpo haben sie am 23. April im «Dingwalls» in London gespielt und am Mittwoch wiederholten sie den Showcase im legendären «Viper Room» in West Hollywood.

Jetzt geht es für einen kurzen «Hosenwechsel» nach Hause und dann ab nach Moskau, wo die Lovebugs am 12. Mai die Schweiz im Halbfinal des Eurovision Song Contest (ESC) vertreten werden. «Es ist schon eine gewisse Anspannung da, denn der Eurovision Song Contest ist ja eine grosse Sache», bestätigt Frontmann Adrian Sieber. «Aber mit unseren ersten Auftritten in London und Los Angeles sind wir etwas abgelenkt.»

Der «Viper Room» ist eine berühmtberüchtigte Hollywood-Institution: Johnny Depp war bis 2004 Mitbesitzer, und der Schauspieler River Phoenix brach nach einem fatalen Drogen-Cocktail tot vor dem Nachtclub zusammen. Oasis, die Red Hot Chili Peppers und Iggy Pop sind hier schon aufgetreten. Das beeindruckt die Basler, die ihr jüngstes Album «The Highest Heights» immerhin mit dem U2-Produzenten Richard Rainey aufgenommen haben, nicht sonderlich. «Uns ist eigentlich egal, ob wir in L. A., Schaffhausen oder Oslo auftreten. Wir stehen auf die Bühne und versuchen ein möglichst gutes Konzert zu geben», so Sieber.

Ihre Hits wie «21st Century Man» und «Avalon» kamen beim internationalen Fachpublikum im «Viper Room» gut an. Die englische Konzert-Promoterin Maria Kempinska war schon nach dem ersten Stück, dem ESC-Wettbewerbs-Titel «The Highest Heights», begeistert: «Die sind brillant - und sollten den Eurovision Song Contest gewinnen, denn das würde bedeuten, er entwickelt sich in die richtige Richtung. » Auch dem US-Radio-Promoter Andrew Lewis gefällt der Sound und er will mehr von den Lovebugs hören: «Sie könnten in Amerika durchaus Erfolg haben, aber es kommt auf ihre Pläne drauf an: Es nützt nichts, ihre Musik hier am Radio zu spielen, wenn sie hier nicht touren. Sie müssten sicher viermal im Jahr nach Amerika kommen.»

Über einen derartigen Einsatz müssen sich Sänger/Songwriter Sieber, Gitarrist Thomas Rechberger, Keyboarder Stefan Wagner, Bassist Florian Senn und Schlagzeuger Simon Ramseier wohl zuerst noch ein paar Gedanken machen. Der Kitzel, die grosse weite Welt weiter zu erkunden, ist jedoch da: «Ich komme mir wieder vor wie vor 15 Jahren», freut sich Adrian Sieber nach dem 30-minütigen Gig. «Wir sind hier totale Newcomer. Erwartungen sind keine vorhanden, aber wir haben die Erfahrung von über tausend Konzerten. Wir wissen also, mit der Situation umzugehen. Es ist ein tolles Gefühl, im Mekka des Rock 'n' Roll auf der Bühne zu stehen und die Leute laufen einem nicht davon. Ich hoffe, wir kommen bald wieder.»

Im «Viper Room» waren die Lovebugs in ihrem Element. Das wird in Moskau etwas anders sein, warnt Adrian Sieber: «Unsere Welt ist Rock 'n' Roll auf der Clubbühne, der Eurovision Song Contest ist eher eine TV-Show. Entsprechend sehen wir uns da schon eher als Aussenseiter. Aber wir freuen uns auf unsere zwei Wochen Moskau - das allein ist schon Erlebnis pur.»

Dass sie sich mit dem Auftritt ihren Ruf ruinieren können, glauben sie nicht und sehen dies in den vielen positiven Messages bestätigt, die sie inzwischen bekommen haben. «Die Leute sind froh, dass mal eine richtige Band mitmacht, ohne komischen Kostüm-Gugus. Und für uns ist es eine weitere Plattform.» Deshalb wollen sie sich auch nicht verstellen.

Eine blickfangende Showeinlage, wie es die Deutschen mit der Burlesk-Stripperin Dita Von Teese planen, kommt für die Lovebugs jedenfalls nicht infrage: «Wir versuchen auf gut schweizerische Art mit Qualität zu überzeugen», schmunzelt Sieber. «Unser Vorteil ist, dass wir im Halbfinal die einzige Band sind und wir einen Song haben, der rockt. Das ist schon aussergewöhnlich genug. Dass wir schon 15 Jahre eine Band sind, ist unsere Stärke und ich glaube, das wird das Publikum auch spüren.»

Und dann wird es hoffentlich zum Hörer greifen und für die Liebeskäfer stimmen. Im Halbfinal entscheidet nämlich nach wie vor das Fernsehpublikum, wer am 16. Mai zusammen mit den bereits gesetzten Ländern Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Spanien und Gastgeber Russland in den Final einzieht. Als Maskottchen nimmt das Quintett gerade mal den Manager mit, denn jenes vom Fan-Klub ist gemäss Sieber «viel zu riesig und haarig» fürs Reisegepäck: «Dafür wird es zu Hause die Schweizer Fahne schwingen...»

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