Jahresausstellung

Im Lichthof des Aargauer Kunsthauses landen Anton Egloffs Sternschnuppen

Worte, Sternbilder, Himmelsrichtungen oder gar Lexikoneinträge werden bei Anton Egloff zu Kunst. Der Luzerner Künstler mit Aargauer Wurzeln ist Gast der Jahresausstellung im Aargauer Kunsthaus. Im Lichthof lässt er Sternschnuppen landen.

Die Wahl von Anton Egloff zum diesjährigen Gast an der Jahresausstellung ist aussergewöhnlich. Erstens wird meist jemand aus der jüngeren Generation ausgewählt für diese Plattform und zweitens meist jemand, der im Aargau wohnt. Anton Egloff aber hat Jahrgang 1933 und wohnt seit Urzeiten in Luzern. Dem Aargau ist der Wettinger Bürger Egloff immer verbunden geblieben: mit Kunst im öffentlichen Raum und regelmässiger Teilnahme an den Jahresausstellungen. Egloffs Reaktion: «Diese Einladung hat mich sehr gefreut – weil sie zeigt, dass die ältere Generation hier akzeptiert wird.»

Wer den Tüftler, den nachdenklichen Konzeptler, den Raumausloter und Bedeutungssucher kennt, weiss, Egloff macht sich solche Aufgaben nicht leicht. Typisch und einzigartig im neuen Aargauer Kunsthaus sei für ihn der Lichthof, den wollte er bespielen. «Und gleichzeitig will ich eine Raumachse, eine Verbindung legen.» So sind von ihm Arbeiten in den beiden Stirnsälen des Neubaus platziert, von der ersten sieht man über die zweite im Hof zur dritten. Wichtig ist für Egloff auch, dass die Werke miteinander zu tun haben, dass sie sich ergänzen und doch auch die Breite seines Werkes aufspannen.

Satzzeichen werden Skulptur

«Ich bin vom Gang der Besucher ausgegangen», erklärt Egloff. Im ersten Raum, wenn man sich auf den Rundgang macht ist also die Arbeit «Pas» (Schritt) installiert. Das Wort liegt dreidimensional gestaltet in der oberen linken Ecke des Raumes, danach folgen dreidimensionale Objekte: Quader, Bogen, Zylinder. Alle gelblich-grau, etwa 40 Zentimeter hoch. Aber was heisst Objekte? Satzzeichen sind es, doch. Punkte, Klammern, Kommas. Egloff hat den Lexikon-Eintrag zu «Pas» in aufwendiger und sorgfältiger Handarbeit aus Karton in eine Rauminstallation umgesetzt. Er hat dabei alle Worte, bis auf den Schlüsselbegriff herausgestrichen und nur die Satzzeichen stehen lassen. «Das sind schöne Formen und sie bekommen so eine neue Körperlichkeit», sagt er und fügt an: « Das Schöne habe ich gern.»

Das Prinzip der weggestrichenen Worte und das Spiel der Satzzeichen erkennt man im dritten Raum wieder. Hier hat ein Egloff ein riesiges Wandrelief platziert. «Heim» liest man oben links, in der Mitte dann «Heimat» und unten «heim zu». Ihn habe die Folge dieser drei Worte im Lexikon fasziniert. «Es gibt Worte, die mich packen», sagt Egloff. Meist seien es emotionale, aufgeladene Begriffe, die er in langen Prozessen auf Inhalt, Form, Bedeutung erforsche. «Worte wie ‹Krieg› oder ‹Gewalt› würde ich nicht wählen.»

Rhythmus und Ordnung auf dem Relief faszinieren. Die sanfte, zurückhaltende Farbigkeit gibt der formalen Erscheinung den Vortritt. Die Leerstellen regen an: Welche Begriffe aus dem Wortfeld mögen hier gestanden haben, was in den vielen Klammern?

Formen der Natur und Kultur

Vier schwarze Rollen aus mattem Kautschuk («widerstandsfähiges Material für Dachabdichtungen», so Egloff) bilden auf dem Boden einen reizvollen Kontrast dazu. «West», Ost», «Süd», «Nord» sind ausgestanzt, ebenso Satzzeichen. «Stellen Sie sich in die Mitte», fordert Egloff die Schreibende auf. «Sie werden das Raumgefühl anders erleben.» Zuerst habe er das Plakat eines Menschen hinstellen wollen, erklärt er. «Aber es ist doch schöner, wenn die Besucher diese Position einnehmen.» Wie im Schnittpunkt der Welt oder gar wie auf einem Pol darf man sich an dieser Schnittstelle also fühlen.

Und nun endlich der Blick in den Lichthof. Hier liegen geometrisch geformte Bronzestäbe. «Étoiles Filantes» (Sternschnuppen) heissen sie. Egloff hat die Formen von Sternbildern als Basis gewählt, eine als Boden, die andere als Deckel und sie mit schrägen Verwindungen verbunden. Für den obersten Stab zum Beispiel die «Krone des Südens» und die «Krone des Nordens». Und wieder sind faszinierende geometrisch Gebilde entstanden. Für Anton Egloff aber ist wichtig: «Meine Formen beziehe ich nicht aus der Abstraktion, sondern aus der Natur oder – wie die Satzzeichen – aus der Kultur».

Jahresausstellung der Aargauer Künstlerinnen und Künstler. Aargauer Kunsthaus, Aarau, bis 6. Januar. Gleichzeitig wird «Was ist Grau genau?» über Maia Aeschbach eröffnet (Dauer bis 28. April).
Vernissage: Freitag, 7.12., 18 Uhr.

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