Theater

Im Kopf des Boxers – in diesem Stück wird die Bühne zum Ring

Echte Boxer spielen Boxer: «Sie haben ein ganz spezifisches Bewegungsvokabular.» Heta Multanen

Echte Boxer spielen Boxer: «Sie haben ein ganz spezifisches Bewegungsvokabular.» Heta Multanen

In «Über Boxer» wird die Theaterbühne der Alten Reithalle zum Austragungsort eines legendären Kampfes.

Mit der B’bühne haben sich die Gruppe Szenart und die Theatertage Anfang dieses Jahres zusammengeschlossen. «Über Boxer» heisst nun ihr erstes grosses gemeinsames Projekt – ein Theater über das Boxen, mit Menschen, die wirklich boxen können. Die Alte Reithalle in Aarau bekommt einen Boxring und wird zum Austragungsort eines legendären Boxkampfes. Spannung pur – auch wenn alles nur Theater ist.

Noch einmal glänzen

Dave Lupara, gespielt von Davide Zappala aus dem Boxklub Wohlen, wittert seine letzte Chance, eine Legende zu werden. Sein Trainingskollege nennt sich Duke und wird von Bé Wegmann, Mitglied des Boxclubs Aarau, gespielt. «Nicht alle auf der Bühne sind Laien. Robert ist Profischauspieler, aber dazu auch Boxer», erzählt Jonas Egloff der «Aargauer Zeitung». Er bildet zusammen mit Anna Byland das Kernteam der B’bühne. Am Anfang des Projektes sei die Idee von Bé Wegmann gestanden, das jährliche Meeting des Boxklubs in der Alten Reithalle auszutragen. Aus dem Kontakt zum Theater Tuchlaube habe sich so die Vision eines Theaterprojektes entwickelt.

Der Regisseur im Boxtraining

Diese Vision verleitete Regisseur Egloff dazu, im Februar 2016 zum ersten Mal ein Boxtraining zu besuchen, um Schauspieler zu finden. Total dreizehn Klubs stattete er einen Besuch ab. Das Ziel: Echte Boxer sollen Boxer spielen, ihr Ring zur Bühne werden. Ihre Erfahrungen seien dabei von unschätzbarem Wert, so Egloff: «Die Boxer haben ein ganz spezifisches Bewegungsvokabular, das tief in ihnen verankert ist. Die Bewegungen gehen durch ihre ganzen Körper hindurch.» Als Boxer wissen die drei genau, wie sich der Körper bei einem Schlag bewegt. Im Theater-Boxring sind sie die Experten. «Das ist das Besondere, was wir in diesen Produktionen suchen: Als Schauspieler sind sie Laien, aber bringen eine Expertise mit, die sie für die Bühne nutzen können», so der Regisseur. Geschrieben haben das Stück Jonas Egloff und Dramaturgin Sophie Achinger in Zusammenarbeit mit den Schauspielern, in einem regen Austausch während der Proben. Am Anfang stand die Frage nach dem Ideal der Boxer. Welche Eigenschaften und Charakterzüge würden sie sich als echte Profiboxer zuteilen? Diese Reflexion bewährte sich: «Sie konnten diese Figuren genau konstruieren», so Egloff.

Während die Geschichte des Stücks erfunden ist, sind die Gefühle der Boxer echt. Im Zentrum steht ihre Innenwelt, ihre Gedanken vor dem Spiel, die Erwartungen an sich selbst. Die Boxer auf der Bühne kennen sie. Die Texte sind glaubhaft und zeigen den Spagat auf zwischen Familienleben und Grössenwahn, Streben nach Erfolg und Selbstdarstellung. Egloff meint zufrieden: «Wir sind über die beiden Hauptdarsteller enorm glücklich, sie haben sich mit einer riesigen Offenheit auf die Sache eingelassen.»

«Über Boxer» Aarau, Mi. 31. Mai, Fr. 2. Juni, Sa. 3. Juni, Mi. 7. Juni, Fr. 9. Juni, jeweils 20.15. Alte Reithalle.

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