Hausbesuch

Im Club der Sehnsüchtigen: Auf einem Erkundungsgang durch die Villa Renata

Schlangen sind Leitmotiv dieses Erkundungsgangs.

Schlangen sind Leitmotiv dieses Erkundungsgangs.

Die TheaterFalle Basel lädt in die Villa Renata zum sinnlichen Erkundungsgang. «Delikat» erhält das Prädikat sehenswert.

«Du darfst ankommen» steht über der Tür. Dahinter treffen sich die maximal 15 Besucher in einem Raum mit Sitzbällen und Getränken. Fremde beginnen Gespräche. Es ist eine Stimmung, die das Warten leicht macht. Dann werden sie von den Guides der TheaterFalle in die Freiheit entlassen: Eine Stunde lang dürfen sie die drei Stockwerke der Villa Renata entdecken. Das Nagelbrett im Keller, den Bastelraum, die Küche.

Jeder Raum hat ein eigenes Konzept, aber kein starres: Die Architektur und die Installationen gehen fliessend ineinander über. Das Team unter der künstlerischen Leitung von Ruth Widmer hat die Villa genommen, wie sie ist und sie um teilweise so subtile Verschiebungen ergänzt, dass sich die Besucher zwei Mal fragen, was inszeniert ist und was nicht.

Am konsequentesten zeigt sich das in der Küche: Es riecht nach Curry. Auf dem zentralen Esstisch stehen nicht nur echte Gewürze, japanische Cracker und ein Parmaschinken, von dem man sich bedienen darf, sondern auch Nahrungsattrappen und ein Bandwurm im Glas.

Die eingelegte Schlange im Regal fällt den meisten Besuchern erst auf, als sie zum zweiten Mal in die Küche treten. Schlangen sind in «Delikat» allgegenwärtig, sie sind Leitmotiv des Erkundungsgangs. Unter der Kellertreppe predigt eine Schlangenprojektion: «Reden ist zwecklos». Auf dem Weg in den oberen Stock begegnet man Texten im Tagebuch-Stil, die aus Schlangenperspektive schmerzliche Seiten des Lebens beleuchten. Oben im Badezimmer hängt eine überdimensionierte Schlangenhaut, dort, wo sonst der Duschvorhang ist. Auf dem Badezimmerboden liegt ein Notizzettel. «Adam und Eva sprechen kaum noch mit mir», steht darauf unter anderem.

Ein Spielplatz für die Sinne

In «Delikat» geht es nicht um irgendeine Schlange, sondern um die Schlange, welche die Schuld an der Vertreibung aus dem Paradies trägt. Diese Schlange hat den Menschen – abhängig von persönlichen Moralvorstellungen - entweder die Sünde oder die Sinnlichkeit gebracht und quält sich in «Delikat» jetzt wegen andauernder Konflikte mit Adam und Eva. Der «Club der Sehnsüchtigen» ist der Versuch dieser Schlange, das Paradies zurückzuholen.

Für diejenigen, welche die anderen Episoden von «Elysium» verpasst haben, ist der Abend vor allem ein Spielplatz für die Sinne. Die Besucher geben sich der kindlichen Entdeckerfreude hin: Das toll ausgeleuchtete Nagelbett wird aus-, die bunten Perücken daneben anprobiert, und eine Flasche Riesling mit Jahrgang ’94 entkorkt. Keiner lässt die Virtual-Reality-Reise ins Paradies und die Umkehrvariante eines Planetariums aus. Vom Designerliegestuhl aus kann man dort auf die Erde draufschauen.

Nach und nach arrangieren sich die unzähligen Details zu einer Geschichte. Nur so viel sei vorweggenommen: Der fünfte und letzte Teil von «Elysium» wird unter anderem im Basler Strafgericht spielen.

«Delikat» endet so gemütlich, wie es begonnen hat. In einem angeblich von Punks besetzten Raum können Getränke, Snacks und Suppe gegen Kollekte bezogen werden. Obwohl die Inszenierung da schon vorbei ist, bleiben die subtilen Verschiebungen. Statt der bekannten Parole «Kein Mensch ist illegal» sprayte in diese Theater-Hausbesetzung jemand «Ein Mensch ist egal».

Nächste Begehungen 8. und 9. Dezember, jeweils 17, 18, 19 und 20 Uhr. Villa Renata, Socinstrasse 16, Basel. www.theaterfalle.ch/delikat

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