Van Gogh

«Ich wünsche mir einen Neubau»

Gesetzt der Fall: Alles ist möglich. Trotzdem bleiben die Wünsche der Museumsleitungen moderat, zumindest die der meisten.

David Weber

Das Grossereignis «Vincent van Gogh» ist vorbei. Die Bilder sind wieder auf Reisen, die Installationen werden abgebaut. Die bz fragte willkürlich einige Museen und Kunsthäuser an, von was für Ausstellungen sie träumen würden - jenseits jeglicher Geldsorgen und Beschaffungsprobleme.

Mit dem holländischen Meister kann man die Leute von der Kunsthalle Basel nicht mehr locken. Van Gogh war dort bereits 1924, 1927 und 1947 ausgestellt. «Sie stellen lieber weiterhin (noch unbekannte) zeitgenössische Positionen aus», teilt Annette Amberg von der Kunsthalle mit. «Ein kritisches Remake der Ausstellung ‹Die neue amerikanische Malerei›, welche 1958 in der Kunsthalle Basel gezeigt wurde und Künstler wie Jackson Pollock, Mark Rothko und Willem de Kooning einem europäischen Publikum bekannt machte, wäre sicherlich interessant.»

Handfestere Träume hat Christian Meyer, Direktor des Naturhistorischen Museums. Einen Neubau, das würde er sich wünschen, sagt Christian Meyer ohne zu zögern. «Grosse Ausstellungen scheitern bei uns bereits aufgrund der Lokalitäten.» Eine Ausstellung über Diamanten, zum Beispiel, wäre wegen der immensen Anforderungen an die Sicherheit nicht möglich. Grossevents wie «Van Gogh» sind zwar gut für das Kunstmuseum, wünschenswert für das Publikum und nachhaltig für die Marke «Basel», wie Meyer erklärt, «als Museen haben wir aber auch einen Bildungsauftrag und können somit nicht ständig grosse Events veranstalten.»

Für das Museum der Kulturen Basel (MKB) sei es schwieriger, ein Thema zu finden, das zum «Strassenfeger wird», meint Dominik Wunderlin, stellvertretender Direktor des MKB. «Südsee-Träume à la Peter Reber zu vermitteln ist nicht Aufgabe unseres Museums.» Anstatt Exponate von weit her zu holen, wolle er lieber Teile der MKB-Sammlung gut in Szene setzen, sagt Wunderlin. Als «utopischen Wunsch» fügt Wunderlin schmunzelnd an: Es wäre schön, wenn die Leute für unsere Fingerhut- oder Kuhglockensammlung bis zum Kunstmuseum Schlange stehen würden . . .

Nicht nur das Kunstmuseum, auch kleinere Museen profitierten vom Besucheransturm auf die «Van-Gogh-Ausstellung». «Wir hatten deutlich mehr Besucher als in anderen Sommern», sagt etwa Michael Kessler, Leiter des Pharmazie-Historischen Museums. Da habe die EM weniger gebracht, lacht er. Immerhin sei eine Gruppe von Team-Ärzten auf Besuch gekommen. Kesslers Traum wäre eine gross angelegte Ausstellung zur Industrialisierung und wissenschaftlichen Entwicklung im 19. Jahrhundert. «Das wäre was», schwärmt er. Etwa mit ganz alten Dampfmaschinen. Ebenfalls mit der grossen Kelle anrühren würde der Kunst Raum Riehen, mit einer «umfassenden, internationalen Darstellung unter dem Thema ‹Mode in der Kunst›».

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