«Ich habe viel Quatsch erzählt»

Robert Downey Jr.: Oscar-Nomination für «Chaplin» 1992, Kritiker-Darling, Drogensucht, Gefängnis, Comeback, Aufstieg zum Superstar mit der Comic-Adaption «Iron Man» un dder Action-Komödie «Sherlock Holmes»: Robert Downey Jr. (44) ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere. (Bild: Warner)

Robert Downey Jr.

Robert Downey Jr.: Oscar-Nomination für «Chaplin» 1992, Kritiker-Darling, Drogensucht, Gefängnis, Comeback, Aufstieg zum Superstar mit der Comic-Adaption «Iron Man» un dder Action-Komödie «Sherlock Holmes»: Robert Downey Jr. (44) ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere. (Bild: Warner)

«Iron Man» ist nicht genug: Robert Downey Jr. verkörpert mit «Sherlock Holmes» eine weitere Titelrolle mit Fortsetzungs-Potenzial und hat dafür einen Golden Globe gekriegt.

Marlène von Arx, Los Angeles

Herzliche Gratulation, Sie haben vor einer Woche einen Golden Globe für Ihre Interpretation von Sherlock Holmes gewonnen. Ihre Frau glaubte ja nicht, dass Sie eine Chance hätten. Sie schon?Robert Downey Jr.:Ich denke immer, dass ich gewinne. Wenn ich nicht auf meiner Seite bin, wieso sollten es dann die anderen sein? Ich war froh, sagte mir meine Frau, Matt Damon sei der Favorit. Das gab mir einen guten Einstieg in die Dankesrede. Ich denke schliesslich wie ein Schauspieler...

Sie werden also nicht nervös, wenn Sie eine Dankesrede halten müssen?
Downey: Nur kurz in dem Moment, als ich Arthur Conan Doyle zitierte. Es wäre ja wirklich blöd gewesen, wenn ich Sherlock Holmes spiele und dann Conan Doyle falsch zitierte. Aber normalerweise überlege ich mir schon, was ich allenfalls sagen würde. Ich wollte jedenfalls zweimal Matt Damon erwähnen – quasi als Glücksbringer.

Angeblich spricht man schon von einem zweiten Teil.
Downey:Ja, die ersten Gespräche sind im Gang. Und mit dem Golden Globe sind die Chancen jetzt noch gestiegen.

Was macht Sherlock Holmes fürs Publikum unsterblich und für einen Schauspieler heute noch spannend?
Downey:Er ist der Vater der exzentrischen Experten, ein Magier in einem gewissen Sinn. Er ist schlauer als alle anderen – das haben wir gemein – und der Vorläufer aller Fernsehkrimis. Wenn man eine solche Figur wiederbelebt, sollte die neue Version schon einigermassen gescheit und kommerziell sein. Das Ganze hat mich sehr an die Zeit erinnert, als ich die Titelrolle in «Chaplin» spielte. Ich hatte denselben Knoten im Magen.

Weshalb?
Downey:Die Leute haben eine ziemlich genaue Vorstellung, wer Sherlock Holmes oder Charlie Chaplin ist. Es tönt vielleicht komisch, aber die «Iron Man»-Rolle ist für mich natürlicher, näher an mir selber. Bei Sherlock Holmes kann ich das Publikum nicht mit meinem Free Jazz um den Finger wickeln. Ich muss echt ein bisschen schauspielerische Leistung vollbringen. Aber zum Glück war ich ja mit Produzenten wie Joel Silver, Lionel Wigram, der die Harry-Potter-Filme mitproduzierte, und meiner geliebten Mrs. gut aufgehoben.

Mr. und Mrs. Downey scheinen beruflich und privat gut zu harmonieren...
Downey:In der Tat. Ich kann mich an eine Zeit ohne Susan gar nicht mehr erinnern und mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen. Man sollte sie heiligsprechen.

Sie haben aber auch schwierigere Zeiten hinter sich. Was war der Wendepunkt?
Downey:Da gibts innere und äussere Wendepunkte. Aber jeder kreiert seine eigene Realität. Ich habe meine Geschichte neu geschrieben und darin kommen keine schlechte Zeiten vor. Es war ein grader Weg nach oben. Man kann sich ja auch zu Tode analysieren... auf der ewigen Suche. Ich nenne das die endlose Jagd nach der Erektion.

Sie sind auf der Jagd, aber wollen mit der Schauspielerei aufhören, wie Sie kürzlich in Interviews sagten?
Downey:Manchmal fühle ich mich ausgebrannt und dann jammere ich halt gerne. Mich nerven Leute aber, denen es gerade gut läuft und die dann sagen, sie wollen aufhören. Ich habe in letzter Zeit viel Quatsch erzählt. Ich wolle Regie führen und so. Keine Ahnung, was ich mir dabei dachte. Ich habe keinen Schimmer, was ich als Nächstes mache. Wir ziehen in ein neues Haus. Vielleicht werde ich Gemüse züchten.

Alles in allem müsste jetzt doch aber eigentlich eine glückliche Zeit für Sie sein, oder?
Downey:Es ist alles relativ: Es gab Zeiten, da wirkte ich gegen aussen nicht sonderlich glücklich, dabei liebte ich mein Leben. Und dann gibts auch Momente, da bin ich ganz oben, aber irgendwie fühle ich mich innerlich leer. Zum Beispiel, weil meine Frau mehr für mich tut als ich für sie. Da schütte ich also mein Herz in ein Projekt und für eine Weile ersetzt es die Familie und alles, was wirklich wichtig ist. Das ist die Crux mit wahrgenommenem Glück: Es ist ein Auf und Ab. Ich bin nicht sonderlich launisch oder labil, aber ich bin eben etwas sensibel.

Apropos Sensibilität: Sie waren mal sieben Jahre lang mit dem «Sex and the City»-Star Sarah Jessica Parker zusammen. Könnten Sie sich vorstellen, mit ihr eine romantische Komödie zu drehen oder wäre das zu schräg?
Downey:Das Leben ist schräg. Ich habe keine Angst vor dem Schrägen. (Zur Ehefrau hinten im Raum) Susan, was meinst du? Nein? Sie habens gehört: Dieses Star-Paket wird es nicht geben.

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