Geburtstag

«Ich habe mich immer für einen ‹fule Siech› gehalten »

Wird heute 65 Jahre alt: Rockerlegende Polo Hofer.

Polo Hofer

Wird heute 65 Jahre alt: Rockerlegende Polo Hofer.

Heute feiert Polo Hofer seinen 65. Geburtstag und ist präsenter denn je. Er ist auf «Prototyp»-Tournee und macht mit einer Filmrolle und einem Buch von sich reden.

Miriam Lenz

Sie sollten auf Ihrer Website das Lieblingshobby ändern, da steht noch immer «Müssiggang».

Polo Hofer: Müssiggang bedeutet ja eigentlich, dass man überhaupt nichts macht, nicht einmal ein Hobby hat. Allerdings besteht die Gefahr, dass man dann tot ist. Deshalb spreche ich bei meinem Lieblingshobby von selbsttragendem Müssiggang.

Was ist das?

Hofer: Ein materiell gesicherter Müssiggang. Weil ich laufende Kosten habe, muss ich gezwungenermassen ab und zu eine Arbeit ergreifen.

Zum Beispiel mit dem Songbuch «Das alles und no vil meh...».

Hofer: Genau. Es umfasst 240 Lieder inklusive meiner Übersetzungen aus dem Englischen. Das Songbuch ist eine Reise in die Vergangenheit.

Die Noten fehlen, das Buch liest sich eher wie ein Gedichtband.

Hofer: Die Tatsache, dass meine Originaltexte in ein sauberes Berndeutsch umgewandelt und mit nur einer Refrainpassage niedergeschrieben wurden, haben zu dieser gedichtartigen Form geführt. Es sind auch in der Tat ein paar gute Texte darunter, die in diesem Buch ganz hübsch daherkommen.

Hat Sie der Umfang Ihres veröffentlichten Schaffens überrascht?

Hofer: Es war schon erstaunlich zu sehen, wie viel ich für mich und andere Künstler geschrieben habe. Zumal ich mich ja bisher immer für einen «fule Siech» gehalten habe. Aber offenbar summiert es sich dann doch, wenn man lange genug lebt.

Im Film «Die Nagelprobe» spielen Sie erstmals nicht sich selbst, sondern einen Staatsarchivar. Was war diesbezüglich die grösste Herausforderung?

Hofer: Ich musste meine Sonnenbrille ausziehen.

Durften Sie die Figur trotzdem mitgestalten?

Hofer: Ich habe lediglich die Textpassagen ins Berndeutsche umgeschrieben. Das machte meiner Meinung nach Sinn, denn ursprünglich waren Sie auf Nidwaldnerdeutsch.

Inwiefern unterschied sich die Zusammenarbeit mit Luke Gasser von jener mit Clemens Klopfenstein, dem Regisseur Ihrer früheren Filme?

Hofer: Klopfenstein hatte nie ein Drehbuch. Da war restlos alles improvisiert, so richtig aus dem Bauch heraus. Bei Luke Gasser waren die Dialoge Szene für Szene genau vorgeschrieben.

Haben Sie Schauspielblut geleckt?

Hofer: Ja, und zwar gleich vom ersten Moment an, als ich mich bei den Aussendreharbeiten durch die Landschaft bewegen durfte. Später in den Büroräumen – ganz und gar nicht meine Welt – fiel es mir schwerer, meinen Text zu sprechen. Trotzdem: Ich würde sofort wieder in einem Film mitspielen.

Kürzlich hatten Sie einen Gastauftritt im Musical «Ewigi Liebi». Ist das Ihr Ding?

Hofer: Jeden Abend das gleiche Theater? Nein, das wäre nichts für mich.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch «Polo der Künstler».

Hofer: Nicht mehr lange: Eine Bilderausstellung ist schon in Planung, voraussichtlich für das nächste Jahr.

Was gab Ihnen denndiesen Kick?

Hofer: Die Idee ist aus einem Vergnügen heraus entstanden. Seit zwei Jahren darf ich im Restaurant Kreuz in Oberhofen alle drei Monate ein neues Bild aufhängen. Weil mir die bestehenden ausgegangen sind, war ich gezwungen, neue Werke zu kreieren. Das hat mich motiviert.

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