Monique Schnyder

«Ich bin in gesundem Rahmen eine multiple Persönlichkeit»

Monique Schnyder als «Damioscha».

Monique Schnyder als «Damioscha».

Monique Schnyder ist Tanzartistin mit vollem Körpereinsatz. Nach 25 Jahren auf Reisen in der Schweiz und um die Welt hat sie in Aarau eine künstlerische Heimat gefunden.

Die Rädchen im Kopf von Monique Schnyder stehen nie still. Zu viel gibt es, an das sie für ihr Ein-Frau-Unternehmen «Visual Theatre» immer denken muss. So wird nach dem Training noch an Kostümen genäht oder an den Requisiten gebastelt. «Ich mache seit 30 Jahren einen 150-Prozent-Job», erklärt die 52-Jährige. Trotzdem wollte sie nie etwas anderes machen: «Hätte ich je daran gedacht, dann hätte ich es gemacht.»

Lebendig und energetisch

Schnyder ist in Luzern aufgewachsen, ging bereits als Kind ins Kunstturnen und nahm Ballettunterricht. Nach einer Berufslehre machte sie die Ausbildung an der Comart, der Theaterschule für Bewegungsschauspiel in Zürich. Danach folgte ein Jahr beim Schweizer Tanztheater. Die Frage, wieso sie Tanzartistin geworden sei, beantwortet Schnyder ohne lange nachzudenken: «Ich hatte schon immer unglaubliche Freude an Bewegung.» Sie sei davon fasziniert, wenn sich ein Körper in seiner ganzen Vielfalt ausdrückt. «Das ist wahnsinnig lebendig und energetisch!» Der Körper ist für sie ein Instrument, wie das Klavier für den Pianisten. «Ein Mittel, um etwas auszudrücken.»

Vom Polarkreis bis nach Afrika

Als sie in den 1980er-Jahren mit dem Tanztheater anfing, war das freie Theater noch etwas ganz Neues. In den ersten Jahren trat Schnyder mit wilden Theatergruppen auf. 1994 feierte sie mit ihrem ersten Soloprojekt, «Pagliaccia», Premiere. 25 Jahre lang reiste Schnyder durch die Schweiz und um die Welt. Vom Polarkreis bis nach Afrika, in islamische und ehemals sozialistische Länder. Heute wohnt sie in Zürich, ihren Proberaum «Probebühne» hat sie in Aarau.

Vor einem Jahr hat sich ihr Leben entscheidend verändert. Damals fand die erste öffentliche Vorstellung auf der «Probebühne» statt. «Es war eine existenzielle und essenzielle Erfahrung, dass man in diesem Raum eine Theateratmosphäre schaffen kann», erzählt Schnyder begeistert. Dies war insofern nicht selbstverständlich, da es sich bei der «Probebühne» um ein ehemaliges Grafikbüro handelt, ohne wirkliche Bühne und mit beschränktem Platz für 55 Zuschauer.

Nach dieser für sie lebensverändernden Erkenntnis möchte Schnyder nun, dass sie nicht mehr in der Welt herumreisen muss, sondern, dass die Welt zu ihr in die «Probebühne» kommt. Der Raum soll in Zukunft auch für andere Künstler als Proberaum, Bühne oder als Plattform für andere künstlerische Projekte dienen. «Das ist für mich ein Heimkommen. Künstlerisch, kulturell und auch für meine sozialen Strukturen», erklärt Schnyder. Sie habe eine grosse persönliche Entwicklung durchgemacht und habe jetzt Lust, in Aarau zu bleiben und etwas aufzubauen.

«Die Leute im Herzen erreichen»

«Damioscha» ist Schnyders jüngstes Projekt. Darin verkörpert sie eine Frau, die ihren Dachboden aufräumt und sich dabei vor den Überbleibseln eines vergangenen Lebens wiederfindet. Neugierig kramt Damioscha in Schachteln und unter Tüchern und holt damit nicht nur längst vergessene Gegenstände, sondern auch Gefühle wieder an die Oberfläche.

Aufräumen sei eine alltägliche Beschäftigung. «Mir geht es nicht darum, mit dem Moralfinger auf etwas zu zeigen. Ich will die Leute im Herzen erreichen», sagt Schnyder. Das funktioniere mit Dingen, die jeder kenne, am besten. Zudem sei jedes Stück ein Teil von ihr. Diese Identifikation mit der Figur sei ein mystischer Vorgang, der die Beziehung zum Publikum ausmache. «Wenn ich auf der Bühne stehe, bin ich einerseits die Tanzartistin, die eine Rolle spielt und an die weiteren Schritte denken muss. Zum anderen versuche ich, ganz in der gespielten Figur zu sein. Aber ich kann diese nach der Vorführung wieder verlassen. So bin ich in gesundem Rahmen eine multiple Persönlichkeit.» Bereits seit fünf Jahren steht Schnyder mit «Damioscha» auf der Bühne. Langweilig wird das Stück für sie nicht: «Ich verdiene damit meinen Lebensunterhalt und kann erst noch das Notwendige mit dem Angenehmen verbinden.»

Damioscha Probebühne, Aarau. Do 23. und Sa 25. Januar, jeweils um 20.00 Uhr. Informationen: www.moniqueschnyder.ch

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