Humor: Aargauer sind beliebte Opfer

Comedy Night am Heitere Open Air 2010

Comedy Night am Heitere Open Air 2010

Für das Comedy Open Air auf dem Heiteren wurden herausragende Künstler engagiert. Atze Schröder, Edelmais, Divertimento und Michael Elsener traten auf.

Andrea Marthaler

Was macht ein Komiker, der auf dem Heiteren auftritt, ganz bestimmt? Richtig, er reisst Witze über den Aargau. Anders war es auch am diesjährigen Heitere Comedy Open Air nicht. Edelmais schlugen die tagesaktuelle Zeitung auf und lasen darin, dass die Suche nach Lehrern erfolgreich endete, «dank Inseratekampagnen im Ausland». Sven Furrer fragte, ob mit Ausland wohl Zürich gemeint ist. «Da können wir unsere Lehrer auch ertränken», widersprach René Rindlisbacher und schlussfolgerte, dass die Aargauer ihre neuen Lehrer wohl aus Polen oder anderen osteuropäischen Ländern rekrutierten. «Die Aargauer haben jetzt kein Problem mehr mit ausländischen Schülern, sondern mit ausländischen Lehrkräften», witzelte Rindlisbacher.

Das Jungtalent Michael Elsener rätselte, was wohl passiert, wenn man einen Rumänen mit einem Aargauer kreuzt: «Der klaut ein Auto und kann nicht damit fahren.» Auch das Duo Divertimento verkaufte die lokalen Zuschauer für ganz schön dumm. Sie hielten den Songtext mit «oh oh» in die Luft und lobten, wie gut das Publikum singen könne. «Viel besser als die Zürcher», betonte Manu Burkart. Worauf Jonny Fischer zugab: «In der restlichen Schweiz sagen wir immer besser als die Aargauer, aber das ist ja schon klar.»

Lachen konnte das Publikum dennoch darüber. Bereits zum fünften Mal war im Vorfeld des Heitere Open Airs in Zofingen der Comedyanlass. Vor der grossen Bühne – bestuhlt und nicht wie am Festival selber im Gedränge – genossen die Besucher Ausschnitte aus den Programmen der Komiker. Sie liessen sich vom Lachen anstecken, johlten selbst bei derben Pointen und machten bereitwillig jeden Gag mit, wie für Edelmais als Hund zu bellen.

Besonders gespannt erwartet wurde Atze Schröder, einer der Topkomiker aus Deutschland. Im Gegensatz zu den anderen veräppelte dieser die Aargauer nicht. Wie auch, als Deutscher hatte er schlicht nicht das Wissen vom Kantönligeist. Schröder blieb nahe bei seinem Programm, lästerte böse über Mütter, Snobs und Ü30-Partys. Wobei er manches Mal mehr Klischees hervorholte statt echte Pointen. So der Ärger übers kleine «Amuse Gueule» auf dem riesigen Teller oder über doofe Anmachsprüche in der Disco: «Du bist auch da»? Allerdings präsentierte er auch Witziges: «Störts dich, wenn ich rauche – mich störts nicht mal, wenn du brennst.»

Auch die anderen Komiker boten Ausschnitte aus ihrem aktuellen Programm. Edelmais erschienen in den orangen Uniformen der Müllabfuhr und hatten das Geräuscharchiv im Gepäck. Darin fand Rindlisbacher jedes Geräusch. Erst beim Fangesang des FC Aarau nach einem Goal wurde er verlegen – und fand es doch noch: Ein Tor aus dem Training, mit Applaus vom Trainer und dem genervten Ausdruck «Endlich doch noch geschafft».

Plan B heisst das aktuelle Programm von Divertimento, deren Auftritte bis Ende Jahr restlos ausverkauft sind. Das Duo präsentierte sich als zwei Freunde, die sich über den jeweils anderen lustig machen. Wobei der eine der Coole, der andere der Unscheinbare ist – ähnlich, wie es schon die Schmirinskis arrangiert hatten.

Michael Elsener überraschte mit kreativen Dialogen, parodierte seine starken Figuren und erzählte aus seinem Leben als unterschätzter, braver Knabe: «Du spielst am Krippenspiel s’Schöfli.» Zum Schluss dichtete Elsener noch einen eigenen Song, zusammengesetzt aus lauter Schweizer Mundarthits. Nur sang er statt der Originaltexte inbrünstig: «I han en Joint azündt». . .«chum mach mi high.»

Überhaupt ist es erstaunlich, wie viele Komiker sich als Sänger behaupten wollen. Elsener besitzt dazu knapp die geeignete Stimme und Manu Burkart von Divertimento sang so überzeugend schief, dass es gar nicht gut klingen musste. Zumal Jonny Fischer die Aufmerksamkeit mit realen und fiktiven Instrumenten auf sich lenkte. Doch Atze Schröder, der einen Verschnitt von «Marmor, Stein und Eisen bricht» anstimmte, hätte dies definitiv lieber lassen sollen.

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