Nock

Hoher Besuch an der Premiere des Circus Nock

Geprägt von Rasse und Klasse, durchmischt mit Humor. Das diesjährige Programm des zweitgrössten und ältesten Schweizer Zirkus hat das Publikum an der Premiere in Frick begeistert – darunter auch Bundesrat Ueli Maurer.

Rosmarie Mehlin

Die zweibeinigen Artisten kommen aus der Schweiz und China, der Mongolei, Portugal England, Chile, Kuba und auch die vierbeinigen sind international. Mit viel Können und Eleganz, Tempo und Anmut fügen sich alle zusammen zu einem harmonischen Ganzen. 1860 gegründet, hat in dieser Saison mit Franziska und Alexandra Nock die siebte Generation das Szepter im grossen Aargauer Zirkus übernommen.

Nebst den Regierungsräten Roland Brogli und Alex Hürzeler hat auch Bundesrat Ueli Maurer, zusammen mit einem Enkel, dem 150-jährigen Jubilaren an der Première die Ehre erwiesen. Der Magistrat genoss unterm rot-gelben Chapiteau sichtlich nicht nur Popcorn und Zuckerwatte aus vollen Zügen. Zirkus sei, sagte Maurer am Schluss der Vorstellung im Manegenrund, sein Jugendtraum gewesen. «Jetzt habe ich ja Zirkus, aber nicht so guten.»

Löwen noch nicht reif für die Manege

Das Nock-Programm 2010 einfach als «gut» zu bezeichnen, wäre allerdings stark untertrieben. Die 14 Nummern reissen mit und überzeugen. Der kleine Wermutstropfen, dass die Löwennummer aus Deutschland fehlte, weil die Katzen noch nicht reif sind für die Manege, tat der Begeisterung keinen Abbruch.

Die übrigen Tiernummern gefallen ausgezeichnet. Franziska Nock hat die philosophisch vor sich hinkauenden Kamele zusammen mit den Zebras im Exoten-Tableau ebenso ruhig im Griff, wie die elegante Freiheitsdressur mit Andalusiern und Friesen. Eine besondere Augenweide und auf ausgesprochen hohem Niveau ist diesmal die Hohe Schule, die Franziska zusammen mit ihrem Partner, dem Chilenen Alejandro Milla und der Britin Suzanne Chipperfield reitet.

Clowns sind, ich gestehe, im Allgemeinen nicht mein Ding. Über die originellen Einfälle, die sparsam aber trefflich eingesetzte Mimik und Gestik von Cesar Dias habe ich aber diesmal eins übers andere Mal herzhaft lachen können. Der junge Portugiese hat sich gegenüber dem letzten Jahr kräftig gesteigert und versteht sich besonders gut auf die witzige Zusammenarbeit mit Statisten aus dem Publikum.

So wie immer legt Nock auch diesmal besonderes Augenmerk auf hoch stehende und besonders auch ästhetisch überzeugende Artistik. Alexandra Nock hat mit ihrem Lebensgefährten, dem Kubaner Javier Perez, eine aussergewöhnliche, wunderschöne Luftnummer mit einem Netz einstudiert - mal etwas Neues. Kraftvoll und doch mit der gebotenen Leichtigkeit dargeboten, gefällt das Gebotene ausgezeichnet. Das tut gleichermassen die harmonisch fliessende Choreographie, mit welchen der Mongole Erdene Ochir meisterlich Equilibristik vom Feinsten demonstriert.

Akrobatik vom Feinsten

Zwei ganz unterschiedliche artistische Gourmandisen serviert Alexandre Monteiro. Auf rollenden Unterlagen schwankend balanciert sich der Portugiese als Rola-Rola-Könner der Extraklasse hoch und immer höher auf Türmen von Rollen, grossen «Fadespüeli», Brettern und jongliert zu guter letzt auf den Händen stehend auch noch mit den Füssen. Von ganz anderer Art ist Monteiros zweite Nummer: In höchstem Tempo dreht er auf Rollschuhen auf kleinster Fläche wilde Kreise und wirbelt dazu seine athletisch nicht minder perfekte Partnerin atemberaubend durch die Lüfte.

In drei Auftritten gar ist die Puyan Acrobatic Troup zu bestaunen. Die neun jungen Männer aus China fangen mit einer relativ harmlosen, Hutjonglage an, reissen das Publikum später mit sensationellen Trampolinsprüngen, verbunden mit Akrobatik an vertikalen Masten, mit und begeistern schliesslich auch noch mit so genanntem Hoop Diving- grandiosen, rassigen Sprüngen und Salti durch Ringe. Ihnen, wie allen anderen Artisten sowie ebenfalls den reizvollen Kostümen und dem wie immer gut gelaunten Orchester unter Leitung von Tino Aebi galten am Samstag lang anhaltende und spürbar von Herzen kommenden standing ovations des Publikums.

Nock gastiert vom 17. bis 21. März in Aarau, am 23. und 24. in Olten sowie im September in Lenzburg, Windisch, Rheinfelden. www.nock.ch

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1