Historischer Markt in der Alten Mühle

Der «Mühlendoktor»: Kurt Fasnacht an der Arbeit in der alten Mühle. (Bild: Barbara Vogt)

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Der «Mühlendoktor»: Kurt Fasnacht an der Arbeit in der alten Mühle. (Bild: Barbara Vogt)

Der «Mühlendoktor» Kurt Fasnacht bringt das Mittelalter zurück ins Juradorf. Mit einem Fest und verschiedenen Attraktionen zum Sommerende.

Raphaela Gysi

Eigentlich hätte das Fest schon letzten Herbst pünktlich zum 400-Jahr-Jubiläum der Küttiger Mühle stattfinden sollen, aber die Scheune war noch nicht fertig ausgebaut. «Was die Expo.02 konnte, kann ich auch», sagt der gelernte Müller und Schreiner mit einem Zwinkern.

Zusammen mit einer Gruppe von Interessierten befindet Fasnacht sich mitten in den Vorbereitungen für das Fest. Neben Führungen durch die Mühle sollen auch verschiedenste Attraktionen viele interessierte Gäste anlocken. Die meisten Personen, die am Samstag, 19. September, traditionelles Handwerk und Brauchtum aus mittelalterlicher Zeit zeigen, haben ihre Teilnahme zugesichert.

Traditionen wiederbeleben

Ein Zimmermann, der Balken noch in alter Manier «bielet», einer der letzten Strohhutmacher aus Wohlen, eine Kräuterfrau und sogar eine «Wahrsagerin» konnte Fasnacht engagieren. Statt mit Pfeil und Bogen schiessen, kann man Hufeisen werfen, was in den Alpenländern ebenfalls eine lange Tradition hat. Auch einen Falkner möchte Fasnacht noch zum Mitmachen motivieren. Umrahmt wird der Anlass von der Cellistin Christine Schärer aus Küttigen.

Grosses Know-how

Seit 2004 restauriert und unterhält er selbstständig museale Mühlen in der ganzen Schweiz. Zuvor war er zehn Jahre Museumsmüller und -pädagoge im Mühlerama in Zürich. Als Vorstandsmitglied des Vereins Schweizerischer Mühlenfreunde hat er viele Restaurierungs- Projekte als Fachmann begleitet. Die Schlossmühle Hallwyl beispielsweise wurde unter seiner Leitung restauriert.

Als zweiten Beruf hat Fasnacht Schreiner gelernt. «Eine sehr nützliche Synergie», wie er sagt. So restauriert er auch in der unter kantonalem Denkmalschutz stehenden Küttiger Mühle das meiste selber. Die «Schüür» ist schon ausgebaut, der Elternverein als Mieter ist im Oktober 2008 eingezogen, seither wurde der Raum mit Küche schon für verschiedenste Anlässe, wie den Ferienspass, genutzt. Den Schopf neben der Mühle hat der Schreinermeister zu einer geräumigen Werkstatt umgebaut. «Nur eine Glasscheibe trennt mich vom Bach, der irgendwann hoffentlich wieder das Mühlrad antreibt», kommt der Müller ins Schwärmen.

Mühle nicht betriebsfähig

Kurt Fasnacht verkauft in seinem Müliladen heute schon Mehl, allerdings nicht selber gemahlen, sondern aus Seengen. Nur das Roggenmehl mahlt er fortwährend auf seiner kleinen Handmühle im Laden, denn das Roggenmehl hält sich nicht so lange frisch.

Um irgendwann auch in der Küttiger Mühle wieder selber zu mahlen, möchte der Müller, der die Mühle gekauft hat und auch dort wohnt, einen Trägerverein gründen, der die Restaurierung der 1380 erstmals erwähnten Dorfmühle finanziell unterstützt. Dass das geplante Mülifest den gebührenden Rahmen für eine solche Vereinsgründung sein könnte, liegt auf der Hand.

Die Idee für das Fest mit Markt hatte der «Mühlendoktor», was früher übrigens eine richtige Berufsbezeichnung war, am Burgspektakel im zürcherischen Regensberg, welches 2007 zum ersten Mal durchgeführt wurde.

Die hoffentlich zahlreichen grossen und kleinen Besucher können also für einen Tag ins Mittelalter eintauchen, auch für das leibliche Wohl wird in einer Schenke gesorgt. Ob allerdings ein «spanvarch», ein Spanferkel, am Spiess dreht, weiss man nicht.

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