Hinter der Stimme der Mensch

Sein Sprechorgan ist schweiz weit bekannt: Der seit 1976 in Schlieren wohnhafte Schauspieler und Sprecher Peter Kner ist seit 33 Jahren die vertraute Stimme des «Kassensturzes». Peter Kner ist zu Gast im Limmattalk im Dietiker Stadtkeller

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Hinter der Stimme der Mensch

Hinter der Stimme der Mensch

Limmattaler Zeitung

Christian Murer

Ein Sprecher brauche ein profundes Textverständnis sowie eine persönliche Bescheidenheit, zitierte Limmattalk-Gastgeberin Helene Arnet den DRS-Kulturredaktor Hardy Ruoss. Gemeint war damit die sprecherische Professionalität von Peter Kner. «Diese Aussage finde ich ganz wichtig, weil ein Sprecher hinter dem Text zurückbleiben muss», erklärte der Talkgast, Erzähler und Schauspieler Peter Kner aus Schlieren. Und er hoffe doch sehr, dass ihm dies beim Vorlesen der Geschichte «Herr und Frau S. in Erwartung ihrer Gäste» aus dem Erzählband «Einstein überquert die Elbe bei Hamburg» des deutschen Schriftstellers Siegfried Lenz gelungen sei.

Als Zwölfjähriger vor dem Mikrofon

«Bevor ich etwas vorlese, bearbeite ich den Text einmal ganz gründlich für mich», erläuterte Kner, mit dem Kulturpreis 2007 der Stadt Schlieren ausgezeichnet, seine Herangehensweise – eine Prima-vista-Lesung funktioniere ganz bestimmt nicht. Kner wusste auch Wissenswertes über die Rollen bei einem Hörspiel zu erzählen: «Da wird vorher ebenfalls intensiv geprobt, bevor die einzelnen Szenen mit dem Mikrofon dann aufgenommen werden.»

Erfahrung mit dem Mikrofon hatte Kner schon als Zwölfjähriger gesammelt. Der Norddeutsche Rundfunk
in Hamburg strahlte damals die Kindersendungen noch live aus. So habe er unter anderem «Emil und die Detektive» von Erich Kästner mit den Mitschülern direkt am Mikrofon gesprochen. «Das Wichtigste an dem Gan-
zen war jeweils, dass wir nach der Produktion schnurstracks in die Regie rannten, um jeweils unsere Namen von der Ansagerin zu hören», erinnert sich Kner an seine sprecherischen Anfänge.

Die Begegnung mit Roger Schawinski

Wie er denn zu diesen Hörspielauftritten als Zwölfjähriger gekommen sei, wollte Helene Arnet von ihm wissen. «Ich bin in einer Schauspielfamilie aufgewachsen», berichtet er, «und so profitierte ich von diesem Beziehungsnetz.» Mit dem Lohn habe er sich ein Velo und sogar ein Kanu «für romantische Fahrten auf der Alster» ersparen können.

Im Jahr 1977 folgte jene Begegnung, die für Kners weiteres Leben grosse Bedeutung erlangen sollte: Der spätere Radiopirat und -unternehmer Roger Schawinski, der Erfinder der Konsumentensendung «Kassensturz» des Schweizer Fernsehens, fragte ihn im Provisorium des Fernseh-Restaurants beiläufig, ob er nicht die Texte für die «Kassensturz»-Beiträge sprechen wolle. Nichts ahnend, was da auf ihn zukam, sagte er damals spontan zu. Und seither liest Peter Kner jeden Dienstag die Texte zu den einzelnen Beiträgen.

Aufeinander Rücksicht nehmen

Ob sich der «Kassensturz» in all den Jahren verändert habe, wollte die Moderatorin von Kner wissen. Im Wesentlichen nicht, meinte er, stark verändert habe sich nur die Produktionsweise. So werde die Sendung jeweils am frühen Dienstagabend aufgezeichnet.

Peter Kner ist aber nicht «nur» Sprecher und Erzähler von Hörbüchern. Kner war ebenso ein sehr erfolgreicher Schauspieler auf deutschsprachigen Bühnen – unter anderen beim Theater am Neumarkt und beim Theater des Kantons Zürich. «Da spielte ich zum Beispiel den Biedermann im Stück ‹Biedermann und die Brandstifter› von Max Frisch oder den Amtsgerichtsrat Walter im Lustspiel ‹Der zerbrochene Krug› von Heinrich Kleist», erzählte der 71-Jährige.

Zum Thema Deutsche und Schweizer angesprochen, meinte der gebürtige und in Hamburg ausgewachsene Oesterreicher: «Wir müssen gegenseitig Rücksicht aufeinander nehmen und auch lernen, uns anzupassen.»

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