von Roman Huber

Die Wassernutzung hatte im 19. Jahrhundert Industriepioniere an diesen idyllischen Ort geführt. Hier, wo einerseits alte, zum Teil sanierte Gebäude Industriegeschichte erzählen und wo andererseits die Natur und die Faszination des fliessenden Wassers zugegen sind. Ein herrlicher Ort! Kein Wunder, finden dort unten rund 30 Kunst- bzw. Kulturschaffende sowie Kleingewerbetreibenden Inspiration und Schaffenskraft. Die illustre Mieterschaft reicht von einer Sanitärfirma, vom Drechsler, Fotografen, über Kunstdrucker, Keramikerin bis zum Perkussionisten, einem Büro für Ökologie usw. In mehreren Ateliers und Ateliergemeinschaften lebt die bildende Kunst, in zwei Kunstschulen wird sie sogar vermittelt. Doch dieser Ort musste erst entdeckt und reaktiviert werden.

Nicolas van Zijl war es, der 1995 mit der Proma Energie AG von der Firma Stroppel mehrere Gebäude und das Wasserkraftwerk kaufte. Heute produziert es für die Elaqua AG (Tochter der NOK und damit zu 49% der Axpo zugehörig) als Kleinkraftwerk umweltfreundlichen Strom, während die Elektrizitäts-Genossenschaft Siggenthal das Netz im Stroppel-Areal betreut.

Einer der Hauptakteure im Stroppel-Areal ist Ruedi Sommerhalder, Künstler und Wasserfahrer. Als Militärtaucher habe er in der Rekrutenschule vor über 40 Jahren das idyllische Gebiet kennen gelernt, und es habe ihn nie mehr losgelassen. Der gebürtige Wettinger, aufgewachsen im Klosterquartier am Wasser, wohnt seit über 30 Jahren mit Familie in Untersiggenthal. Doch er musste lange warten, bis er im Stroppel-Areal Fuss fassen konnte. Zuhinterst, idyllisch am Wasser, befindet sich Sommerhalders Atelierhaus, das er im Baurecht übernommen hatte.

Das verlotterte Gebäude, einst Batterie- und Fasslager, baute er zum Künstlerhaus um, wo er dank eingebautem Kran auch grosse Werke herstellen kann. Im Obergeschoss ist ein Atelier, das andere Künstler nutzen; eine Art Kultursponsoring. Einiges ist im Stroppel-Areal geschehen. Das Garnhaus ist heute Atelier- und Kulturhaus. Im Obergeschoss der neuen Remise, wo die Schlauchboote für die Flussfahrten untergebracht sind, ist ein Ausstellungsraum für Nachwuchskünstler eingerichtet. Neu hat der Stroppel eine Steinmetzhütte. Mit der gelungenen Renovation des Kesselhauses erfüllte sich van Zijl einen alten Traum.

Die sanften Sanierungen setzen sich in den um 1880 erstellten Gebäude fort. Auch energetisch möchte man fortschrittlich werden. «Eine Ölheizung hat hier nichts zu suchen», sagt Sommerhalder. Doch das Umrüsten auf Wärmeenergie, die aus dem Grundwasser geholt wird, kostet wie die Renovationen viel Geld. Sommerhalder profitiert davon, dass ihm Biber und Strömung das Holz quasi vors Haus liefern.

Sommerhalder ist auch für die Zukunft optimistisch. Die heutige Besitzerschaft, die langjährigen Baurechtverträge, der unter anderem durch Hochwasser entstandene Zusammenhalt unter den Mietern, der Naturschutz sowie der erlaubte Wohnanteil von 20 Prozent seien Garant dafür, dass dieses Areal in dieser Art weiterexistieren und mit Leben gefüllt bleiben werde.

Am nächsten Samstag, 15. August, öffnen die Betriebe und Ateliers ab Mittag ihre Türen, von 12 bis 22 Uhr ist Kultur und Festwirtschaft angesagt.