Kunst

Herbstlaub und Bierdosen im Museum laden zum Nachdenken ein

Selten gesehene Arbeiten von Robert Gober laden im Museum für Gegenwartskunst Basel zum Nachdenken über Kunst ein.

Speziell für den Erdgeschossraum des Museums für Gegenwartskunst schuf Robert Gober 1994/95 die Installation «Split Wall with Drains», die 1995 durch die Öffentliche Kunstsammlung Basel angekauft wurde. Seit Jahren war das spektakuläre Werk auch wegen seiner Komplexität nicht mehr zu sehen. Umso erfreulicher, dass es nun als Hauptwerk einer grösseren Ausstellung über den 58-jährigen US-Amerikaner aus den Beständen der Emanuel Hoffmann-Stiftung und der Kunstsammlung Basel zu geniessen ist.

Sinnlich und abstrakt

Wie viele Arbeiten von Robert Gober ist auch «Split Wall with Drains» ein komplexes Fragment. Es besteht aus einer freistehenden Wand mit zwei Türöffnungen und zwei Kanalgittern, die in den Boden eingelassen wurden. Wer in die Schächte blickt, hört gurgelndes Wasser und sieht etwas Herbstlaub, einen Briefumschlag und weggeworfene Bierdosen. Ein ähnliches, unbetiteltes Werk, ebenfalls mit Wasser und weiteren Elementen wie etwa dem Stahlrohr aus «Chair with Pipe» von 1994, entstand rund zwei Jahre später und steht heute als Dauerinstallation im Schaulager in Münchenstein.

Sinnliche Elemente verbinden sich in der Arbeit mit abstrakten. Beispielsweise die Wand, durch die man hinein und hinaus kann und doch nirgends hin kommt, die Wand, die gleichzeitig all ihren Funktionen enthoben ist und wie ein Körper wirkt, der funktionslos geworden ist. Sie erinnert so an das überdimensionale Insekt, zu dem sich Gregor Samsa in Franz Kafkas «Verwandlung» transformiert.

Offen für neue Interpretationen

Verwandlung ist denn auch ein geeigneter Begriff, um Werke Gobers zu fassen. Das zeigt sich bei einem Waschbecken, das in eine Ecke eingeklemmt wurde, einem leeren Hundekorb, dessen Kissen aus einem Muster mit Erhängten besteht, aber auch bei der ironischen Arbeit «Melted Rifle», einem geschmolzenen Gewehr, das über einem Korb voller grüner Äpfel hängt.

Auch im Erdgeschoss finden sich Modelle, kleinere Arbeiten und Zeichnungen, teils Entwürfe zu Installationen und Zeichnungen, die so tun, als handle es sich bei ihnen um Entwurfsskizzen. Wenn sie es doch sind, dann als Skizzen für mögliche Transformationen. Denn die Arbeiten von Robert Gober bleiben nie dieselben, sie verändern sich mit dem Zeitgeist, das heisst, sie können immer wieder anders gelesen und interpretiert werden. Und darüber hinaus funktionieren sie als Skizzen und Anleitungen für die eigene Imagination. So wie in Lars von Triers Film «Dogville», wo das Dorf auch nur mit Kreide auf die Bühne gezeichnet ist und ein Erzähler die Szenerie suggeriert.

Robert Gober Museum für Gegenwartskunst, Basel. Bis 10.Februar 2013. www.kunstmuseumbasel.ch

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