Julia Stephan

Wald, Meer, Fluss und Felder als Spiegel der eigenen Befindlichkeit lagen hoch im Motivkurs. Es waren beklemmende, die eigene Identität bedrohende Erzählsituationen, mit denen die Jungautoren ihren Zuhörern begegneten. Dabei sahen sich die Protagonisten der jungen Schreiber ungewöhnlich oft im Dunkeln mit ihrem zerbrechlichen Selbst konfrontiert.
Während der Protagonistin von Vanessa Rüegg aus Spreitenbach das Loslassen einer unmöglichen Liebe im regennassen Wald nicht gelingt, kämpfte Philine von Hirschheydts Heldin furchtlos gegen weisse Schatten an. Und Tabea Wullschlegers Aischa nutzte den Rausch einer alkoholisierten Nacht, um sich auf Rat einer alten Frau aus den Fesseln der von der Familie vorbestimmten Zukunft einer Zwangsehe zu lösen. Im Gegensatz dazu Lisa Prampolinis Aida, die durch die Nacht, «die das Leben verschluckt», wanderte, ihre Familie dabei verlor und im Dialog mit sprechenden Bäumen zu ihren Wurzeln zurückfand.

Stilistisch aufhorchen liessen Cornelia Zierhofers auf Dialoge zugespitzte Miniaturen, die vor allem durch ihr Spiel mit Wortverschränkungen Spannung erzeugten.

Berührende Begegnung

Es sollte in den Geschichten zu einer Begegnung mit einer älteren Person kommen, so die Vorgabe von Satzfluss-Leiterin Svenja Herrmann. Besonders schön löste Nicole Wacker diesen Konflikt auf: In ihrer Geschichte «Hell im Dunkel» kommt es zu einer berührenden Begegnung zwischen einem blinden Greis und einer jungen Frau, die in einem stecken gebliebenen Aufzug ihre Ängste überwindet, indem sie in der finsteren Enge des Aufzuges die Sichtweise des Blinden übernimmt.