Biologie lernen ist angesagt. Während am kommenden Donnerstag Neos Auftritt bei «The Voice of Germany», der bereits im August in den Berliner Adlershof Studios aufgezeichnet wurde, im Fernsehen gezeigt wird, hat der Schulalltag den Gymnasiasten längst wieder eingeholt. «Ich habe ziemlich viel aufzuarbeiten», verrät der 18-Jährige aus Baden im Gespräch mit dem «Sonntag» in seinem ersten Interview.

Mit dem Titel «Mad World», im Original von Tears For Fears, versucht Neo zumindest einen der vier «The Voice»-Coaches zu überzeugen. Xavier Naidoo, Nena, Rea Garvey und The Boss Hoss sitzen bei den Blind Auditions mit dem Rücken zu den Nachwuchssängern und beurteilen die Talente nur aufgrund ihrer stimmlichen Leistung. Im Gegensatz zu anderen Casting-Formaten wird bei «The Voice» niemand vorgeführt, es gibt kaum Sänger, die sich vor der Kamera blamieren. Alle Kandidaten singen vorab im Rahmen einer Scouting-Tour vor einem Expertenteam.

Sich selber neu erfunden

Während eines Kurztripps in die deutsche Hauptstadt entschloss sich Neo spontan, bei «The Voice» teilzunehmen. «Das Format gefiel mir schon lange, aber ich war davor noch nicht so weit.» Neo, der eigentlich Nicolas heisst (den Nachnamen wollen weder er noch die Agentur preisgeben), zweifelte lange Zeit an seinem Talent. So stammt sein Spitzname auch nicht aus dem Film «Matrix», wie er betont, sondern geht auf ein musikalisches Schlüsselerlebnis zurück. Er sei früher wenig selbstbewusst gewesen und habe sein Können stets infrage gestellt, bis ihn sein damaliger Musiklehrer dazu überredete, bei einer Schulabschlussfeier zu singen. «Ich war ein totales Nervenbündel. Letztendlich habe ich es aber durchgezogen und der Auftritt kam sehr gut an», erinnert sich Neo. «Dadurch bin ich selbstsicherer und offener geworden.» Dieses «neue Ich» wollte er mit dem griechischen «neo» (neu) zum Ausdruck bringen. Die Castingshow gebe ihm nun die Möglichkeit, sich einem grösseren Publikum zu zeigen und auszutesten, wo er stehe.

Als Neo damals in Berlin vorsang, wusste er nicht, dass es «The Voice» 2013 auch in der Schweiz geben würde. «Hätte ich das früher gewusst, hätte ich an der Schweizer Ausgabe teilgenommen – allein wegen der kürzeren Distanzen und der Heimatverbundenheit.» Er bezeichnet sich als «Dreiviertel-Schweizer». Geboren wurde Neo in Duisburg, seit seinem zweiten Lebensjahr wohnt er aber in Baden. Zu Hause wird Deutsch gesprochen, mit seinen Freunden redet er Mundart. Neos Schulkameraden wissen über seinen Auftritt bei «The Voice» Bescheid, von den Lehrern sind hingegen nicht alle informiert. «Nur der Schulleiter sowie diejenigen, bei denen ich im Unterricht gefehlt habe, sind eingeweiht.»

«Ich bin mein eigener Boss»

Musik steht bei Neo an erster Stelle. Audio Engineering ist sein grösstes Hobby. Im Haus seiner Eltern hat sich der kreative Rotschopf, der auch Klavier und ein bisschen Gitarre spielt, vor drei Jahren ein kleines Homestudio eingerichtet, das er nach und nach erweitert. Das technische Know-how hat sich Neo, der bereits im zweiten Jahr in Folge im Rahmen der Schule ein Hochbegabten-Förderprogramm des Kantons Aargau erhält, selbst beigebracht. «Durch das Studio habe ich die Möglichkeit, die Entwicklung meiner Stimme zu dokumentieren. Und ich bin mein eigener Boss.»

Seinen Musikstil bezeichnet Neo als «Alternative Pop». Eines seiner grossen Vorbilder ist Lana del Rey. «Ich mag es, wie sie ihre Lieder arrangiert. Das sind populäre Songs, aber sie haben das gewisse Etwas, das sie vom Mainstream unterscheidet.»

Was, wenn es bei «The Voice» nicht klappt? «Mein Plan A fürs Leben ist es, keinen Plan B zu haben», lacht Neo. Ein konkretes Berufsziel habe er noch nicht. «Natürlich ist es mein Traum, von der Musik leben zu können und aufzutreten.»

Die Schule müsste hinten anstehen

Jetzt heisst es aber erst einmal büffeln, schliesslich stehen nächstes Jahr die Matura-Prüfungen an. Falls er zu weiteren Dreharbeiten nach Berlin muss, hofft Neo auf das Verständnis der Lehrer. «Aber letztendlich hängt es an mir. Ich bin bereit, den ganzen Stoff aufzuarbeiten – wenn es sein muss, würde ich auch etwas Lernstoff mit nach Berlin nehmen. So eine Chance bietet sich nicht oft im Leben – da kann die Schule mal ein bisschen hinten anstehen», grinst er.

Ob sich Neos Wunsch-Coach Nena umgedreht hat? Neo selbst darf es natürlich nicht verraten. Aber man erfährt es bei «The Voice of Germany» am 18.Oktober ab 20.15 Uhr auf Pro Sieben. Die zweite Folge zeigt Sat1 am 19. Oktober.