Basel
Hans Hubers Wirken wird vor dem Vergessen gerettet

Eine Ausstellung und eine Konzertreihe in Basel machen uns mit dem Komponisten, Musiker und Pädagogen Hans Huber bekannt. Der vielseitige Komponist hat eigenständige Musik geschrieben und das Basler Musikleben um 1900 geprägt.

Christian Fluri
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Basels Denkmalpfleger Daniel Schneller neben der Büste von Hans Huber im Kleinen Klingental Martin Töngi

Basels Denkmalpfleger Daniel Schneller neben der Büste von Hans Huber im Kleinen Klingental Martin Töngi

Hört man den Namen Hans Huber, denkt man an den nach ihm benannten Kammermusiksaal im Stadtcasino Basel. Aber nur wenige wissen, wer Hans Huber war, was er für die Stadt Basel getan hat, in der er von 1877 bis 1917 lebte. Nun reisst ihn das Museum Klingental mit einer Ausstellung und einer von der neu ins Leben gerufenen Hans Huber-Gesellschaft veranstalteten Konzertreihe aus dem Vergessen.

Initiant ist der Basler Denkmalpfleger Daniel Schneller, der im Gespräch erklärt: «Mein Interesse für den Komponisten, Musiker, Dirigenten und Pädagogen wurde geweckt, als im Zuge der Renovation des Stadtcasinos um die Existenz des Hans Huber-Saals gestritten wurde.» Huber war ein vielseitiger Komponist, der auf der Höhe seiner Zeit auf hohem Niveau eine eigenständige Musik geschrieben hat. Und ein wichtiger Dirigent, Musiker und Musikpädagoge, der das Basler Musikleben um 1900 prägte, es weit voran brachte.

Konservatorium mitbegründet

Der 1852 in Schönenwerd im Kanton Solothurn geborene Hans Huber studierte von 1870 bis 1874 am Konservatorium in Leipzig bei Carl Reinecke und Ernst Friedrich Richter Klavier und Komposition. Der junge Huber orientierte sich stark an Robert Schumann, Franz Liszt und Richard Wagner – an der deutschen Hochromantik. Nach dem Studium lehrte Huber im Elsass – «auch weil die Elsässer keine deutschen Musiklehrer wollten», erzählt Schneller. Hier sammelte er als Pädagoge erste Erfahrungen, komponierte und trat als Konzertpianist auf – auch in Basel.

1877 nahm Hans Huber seinen Wohnsitz in Basel. Mit Kammermusikern und mit dem Orchester der Allgemeinen Musikgesellschaft Basel – dem Vorläufer des Sinfonieorchesters Basel – brachte er eigene Werke zur Aufführung, er arbeitete mit den beiden Chören, dem Basler Gesangverein und der Liedertafel. Und, wie Schneller erwähnt, gehörte er 1905 zu den Mitbegründern des Basler Konservatoriums, das er als Direktor auch leitete. Er legte den Grundstein für die internationale Bedeutung der Musik-Akademie Basel. Zudem war er in der Musikschule als Lehrer tätig und sorgte sich gleichermassen für die Ausbildung von Laien und angehenden Berufsmusikern. Zu seinen Schülern gehörte unter anderen der Basler Komponist Hermann Suter.

Huber hatte ein breites künstlerisches Interesse. Jean Paul war sein Lieblingsautor, unter den dichtenden Zeitgenossen war es der Franzose Anatol France, der 1921 den Literaturnobelpreis erhielt. Huber besuchte Vorlesungen von Jacob Burckhardt. Und er setzte sich intensiv mit Arnold Böcklin auseinander – auch musikalisch. Seine zweite Sinfonie von 1897 nennt er die «Böcklin Sinfonie». Die Oper «Frutta di mare» nach einem Text von Fritz Karmin bezeichnet Schneller als « eine Aneinanderreihung von Böcklin-Gemälden – ausgehend von der Meerjungfrau.» Von Ferdinand Hodlers Hinwendung zur Moderne sei Huber begeistert gewesen und habe gar seine Liebe zu Böcklin hinterfragt, fügt Schneller an.

Offen gegenüber dem Neuen

Als Komponist zeigte sich Huber äusserst wandlungsfähig. Er nahm die zeitgenössischen Strömungen in seine Arbeit auf. In Basel berühmt sind natürlich die Festspielmusiken: so 1892 die «Kleinbasler Gedenkfeier» und 1901 zum Jubiläum «Der Basler Bund 1501». Zu beiden schrieb Rudolf Wackernagel, dem Huber freundschaftlich verbunden war, die Texte. Auch zu der dem damaligen Zeitgeist entsprechenden Erlösungsoper «Weltfrühling» (1894), die in der Tradition des «Parsifal» und anderer Werke stand, schrieb Wackernagel das Libretto. Das Werk ist ein Resultat der Beschäftigung des Komponisten mit metaphysischen Fragen.

Er setzte sich in seiner künstlerischen Arbeit vor allem mit Max Reger, mit Richard Strauss, den er gut kannte, und mit Ferruccio Busoni auseinander. Den Italiener holte er für Meisterkurse nach Basel. Huber selbst machte als Komponist den Schritt hin zur Spätromantik und suchte dabei nach neuen Ausdrucksformen und -mitteln.

Er komponierte Klavierstücke, viel Kammermusik, acht Sinfonien und fünf Opern. Sein reiches Schaffen wird in verschiedenen Konzerten bis im August gewürdigt. Am 28. Februar erfolgt mit dem Collegium Musicum unter Kevin Griffiths die Basler Erstaufführung des 2. Violinkonzerts (mit Maria Solozobova).

Und nach der Konzertreihe und der Ausstellung, was geschieht dann mit der Hans Huber-Gesellschaft? Es gäbe viele Aufgaben, sagt Schneller. Eine wichtige wäre die Edition einer Gesamtausgabe. «Denn das meiste Notenmaterial ist nur schwer aufzutreiben.» Dazu braucht es aber entsprechend finanzielle Mittel. Das musikwissenschaftliche Institut der Uni Basel habe jedenfalls Interesse daran.

Nächstes Konzert mit Hubers Klavierquartett, Ensemble Fiacorda und Christoph Keller (Klavier), Kleines Klingental, 24. Januar, 19.30 Uhr.

Ausstellung im Kleinen Klingental Vernissage ist am 5. Februar.

Fachtagung Hans Huber und das Basler Musikleben um 1900, Kleines Klingental, 17. März.

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