Gusti

GvH: drei Buchstaben – ein Qualitätssiegel für (Lebens-)Kunst

Er sei ein «Extremkletterer», hat er mir einmal gesagt. Nicht nur... Gusti vo Huuse, geboren als August Winiger, ist mehr: Kunstmaler, Kunstgestalter, Lebenskünstler. Nur eines ist er nicht: künstlich. Der Mann ist echt, ein Original. Am 2. November 2009 kann er seinen 90. Geburtstag feiern.

Er hat mich angerufen. Spontan, wie er das zu machen pflegt. Einfach so, um nachzufragen, wie es mir geht. Ja, und ein bisschen über Kunst, über das Leben und Gott und die Welt wolle er sich mit mir auch unterhalten, sagt er. Und dann redet er über Kunst und Kitsch und das Gefälle. «Das hat nichts mit Abfällen zu tun», sagt er mit Bestimmtheit und vermerkt nebenbei augenzwinkernd, dass es aber so im offiziellen Bericht zur Ausstellung «Kreativ schaffendi Huuser» fälschlicherweise gestanden habe. Richtig, Gusti, das Gefälle in deiner Kunst steht ebenso wenig für die Neigung der Oberfläche eines fliessenden Gewässers oder eines Verkehrswegs wie auch nicht für die Steigung von negativem Wert in der Mathematik oder die Wohlstandsunterschiede zwischen Norden und Süden und Osten und Westen. Klar, es geht ihm um ein «prometheisches Gefälle», also um die Kluft zwischen dem menschlichen Vermögen des Machens und des Fühlens, darum, dass unsere Phantasie unsere Fähigkeiten nicht mehr begreifen kann.

Drei Buchstaben reichen

Nun, gemäss Duden heisst prometheisch «himmelstürmend», also übermenschlich, und das trifft auf den Künstler und Kunstschaffenden Gusti vo Huuse ebenso wenig zu wie für den Menschen und Philosophen, selbst wenn der zuweilen ganz ordentliche Phantasie-Sprünge machen kann. «Ich bin ein Extremkletterer», hat er sich vor rund zehn Jahren charakterisiert. Das tönt zwar wagemutig, ist aber dennoch ganz handfest gemeint. Er ist nämlich einer, der anpackt, egal, ob dies die offenbare Realität oder ob es skurrile Gedanken sind. Und er formt daraus Neues, schöpft Frisches, schafft Anderes. Seine Spontaneität - eine Art jugendliche Unbekümmertheit, trotz hohem Alter - ist dabei das Herausragende, das Besondere. Sie ist eine Art Markenzeichen.

Ein Logo, wie das GvH. Drei Buchstaben genügen, und man weiss, was man hat. Kunstwerke von Gusti vo Huuse, der zeitlebens mit seinem Kürzel GvH ausgekommen ist, bergen eine Menge an Besonderheiten. Grosse Weltgedanken ebenso, wie kleine Schlitzohrigkeiten. Gusti weiss zu allem und jedem eine Geschichte, einen Kommentar, und diese setzt er in seiner Kunst bildlich um. Gleichzeitig nimmt er zuweilen vieles und alles aufs Korn.

«Ich bin Extremkletterer...»

Die Werke von GvH, der am kommenden Montag seinen 90. Geburtstag feiern kann, sind reine «art brut», also unverbildete, rohe, edelherbe und autodidaktische Kunst von naiver, antiakademischer Ästhetik. Gustis Kunst entzieht sich denn auch jeglicher konventioneller Kunstform und -strömung, bleibt unberührt von den Klischees der klassischen Kunst oder dem gerade aktuellen Zeitstil. GvH bezieht alles (Themen, Auswahl der verwendeten Materialien, Mittel der Umsetzung, Rhythmik, zeichnerische Handschrift usw.) aus seinem eigenen Innern.

Er lächelt verschmitzt, wenn man ihn auf die versteckten und offenen Botschaften in seiner Kunst anspricht. «Ich bin ein Extremkletterer, der Kunst als Kommunikation und Randbemerkung zum Leben versteht», sagt er. Gerade deshalb bringt GvH seine Kunst auch ohne Galerien und Ausstellungsräume unter die Leute. Ein Beispiel ist die Metalltafel rund einen Kilometer vor der Albispasshöhe auf der Türlersee-Seite. Hier hat er über Jahrzehnte den Durchreisenden den Spiegel vorgehalten, jeden Monat mit einem neuen Kunstwerk, einem neuen Spruch.

Genauso bunt und beherzt wie die Albis-Tafel kommen Gustis Fantasie-Tierchen daher. Irgendwo zwischen Albis und Affoltern oder zuweilen auch schon über diese Region hinaus begegnet man ihnen unvermittelt oder gewollt. Sie künden von GvHs gestalterischer Fabulierkunst, von seinem wachen Geist und seiner Lebensfreude.

Man wünscht sich nichts sehnlicher, als dass dieses ausdrucksvolle, belebende, plastische und poetische Stab-, Kehr- und Schüttelreimen, dieses GvHsche Philosophieren weiter anhält. Lieber Gusti vo Huuse - alles Liebe und Gute zum Geburtstag. Bleib, wie Du bist!

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